Die Familie Bismarck-Bohlen, die Zarnekower Kirche und andere Geschichten

In diesem Beitrag soll neben den Begebenheiten und Einträgen, die sich in Carolines Lebensbeschreibung oder im Hausbuch der Bismarck-Bohlen in Bezug auf die Zarnekower Kirche finden, auch Pastor Siegfried Barsch zu Wort kommen, der von 1959 an bis in die Wendezeit hinein in Zarnekow als Seelsorger tätig war. Auch die Chronik der Kirchgemeinde Zarnekow 1729 bis 1946 und weitere Dokumente aus dem Kirchenarchiv wurden hinzugezogen, wofür ich Pastor Rau herzlich danke.

Da diese Schilderungen ganz unterschiedlicher Natur sind, ergibt sich eine Vielfalt von Notizen und Episoden, die teils Bezug zu der Familie Bismarck-Bohlen, teils Bezug zur Zarnekower Kirche haben. Ein historischer Abriss ist nicht beabsichtigt.

Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, 1415 erstmals erwähnt, und hat seitdem einige Veränderungen erlebt. Z. B. wurde der Turm, nachdem er 1584 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste, erst 1892 wieder errichtet und zwar u. a. mit einer Spende des Dieners der Bismarck-Bohlen, Heinrich Holst aus Karlsburg, zuletzt Kastellan in Niederhof, der 1892 sein Vermögen dem Grafen Friedrich von Bismarck-Bohlen vererbte.

An der Nordseite des Turmeingangs befand sich eine Marmortafel, die heute im Innenraum des Kirchturms in die Wand eingelassen ist, mit folgender Inschrift:

Kastellan H. Holst, 44 Jahre im Dienst zu Carlsburg, gestorben am 26. Januar 1892, hat durch Vermächtnis Veranlassung zur Wiedererrichtung des Thurms gegeben, der seit 300 Jahren der Kirche gefehlt hat.
EHRE SEINEM ANDENKEN!
Hagai, 8: gehet hin u. bauet Das Haus, das soll Mir angenehm sein u. will meine Ehre erweisen, spricht der Herr.

Für die Zarnekower Kirche stifteten schon im 17. Jahrhundert Ernst von Normann, Besitzer der Karlsburger Güter, und seine Frau Eva von Tribsees (Tribbesehs) einen Sandsteinaltar. Beide Namen stehen links und rechts auf dem oberen Ende der äußeren das Abendmahl einrahmenden Säulen unterhalb der Familienwappen.

Der aus Sandstein gefertigte Altar:
Er hat ein Gedechtnis gestiftet seiner Wunder der gnedige und barmherzige Herr. Psa. III

Eine Grabplatte aus Kalkstein erinnert ebenfalls an die Familie von Normann, die übrigens auch Vorfahren der Caroline von Bohlen (1798-1858) waren. Maria Lucretia von Normann heiratete 1679 Christoph von Bohlen.

Einige Informationen zur Historie lesen sich in der Chronik der Kirchengemeinde Zarnekow folgendermaßen:

Anno 1732 diese Kirche zu Zarneckow oben an allen Balcken vorgeschossen, das meiste vom Dach neu gelegt, beyde Giebel ausgebessert und abgeweisset[,] dazu auch innenwendig gäntzlich ausgeweisset, und die Fenster mit blau und gelbe ausgezieret.

Anno 1741[,] da das Kirch Spiehl ein belieben getragen[,] eine kleine Kirchen Glocke anzuschaffen durch einen milden Beytrag. So ist auch solches bewerkstelligt: und wieget diese Glocke 282 Pfund und kostet mit allen Unkosten 98 Rht 40 Gr. Hierzu hat die Land Collecte gebracht 75 Rht., das Übrige hat das Kirch Spiehl zusammen gebracht. Diese Glocke ist den 3. Advent eingeweihet und zum ersten Mahle zum Dienste Gottes gebraucht worden. Der liebe Gott bewahre sie vor Unglücks Zufälle.

Die Zarnekower Kirche wurde von der Familie von Bohlen zu den Gottesdiensten regelmäßig, sofern sie sich in Karlsburg aufhielten, besucht. Das geht aus den Briefen von Caroline und Theodor hervor, aber auch Friedrich von Bismarck-Bohlen schrieb seiner Frau des öfteren, dass er – oft auch mit den Kindern – zur Kirche gefahren sei und dass die Predigten mal sehr gut, mal ziemlich schlecht und unbedeutend gewesen seien.

Die Bohlensche Gruft unter der Kirche zeugt ebenfalls von der engen Verbindung zur Zarnekower Kirche. Hier wurde auch Carolines Vater, der Reichsgraf Friedrich Ludwig von Bohlen, 1828 beigesetzt. Es sollte die letzte Beisetzung in der Gruft sein. Einzig bis zur Fertigstellung der Begräbniskapelle in Steinfurth wurde Carolines aus Venedig überführter Sarg ebenfalls in der Gruft abgestellt.

Dazu heißt es in der Chronik: Anno 1858 starb am 14.1. in Venedig Carolina Elisabeth Agnes Sophie geb. Gräfin von Bohlen, Ehefrau des Grafen von Bismarck=Bohlen auf Carlsburg im Alter von 59 Jahren an der Schwindtsucht. 4 Wochen wurden Mittags die Glocken geläutet. Am 24. July 1859 wurde die Verstorbene in der auf dem Kirchhof zu Steinfurth neuerbauten Kapelle beigesetzt.

Das Engagement mehrerer Generationen der Bismarck-Bohlen zeigt die tiefe Verbundenheit mit ihrer Kirchgemeinde. Caroline erwähnt in ihrer Lebensbeschreibung mehrfach die Fahrten nach Zarnekow zum Gottesdienst oder ins Pfarrhaus.

Bei einer Rückkehr von Niederhof, ward über Zarnekow gefahren, im Pfarrhause ausgestiegen, in des Pastors bester Stube war das Tischchen gedeckt, mit dem Kranz darauf, der Bräutigam (der Erzieherin) empfing uns, die Trauung ging vor sich u der Ehebund war en passant geschlossen.

1812 D. 10ten Januar starb mein Großvater u wir gingen nach Carlsburg. Den 14ten war das Begräbniß (des Großvaters) in der Kirche zu Zarnekow, was ich mit angesehen habe, meine Mutter war aber nicht mit.

Albert August Schulz
Pastor zu Zarnekow von 1797 – 1838
der zehnte Pastor nach der Reformation

D. 23ten Februar (1813) fing mein ReligionsUnterricht beim guten Pastor Schulz in Zarnekow an, ich erhielt im Ganzen 14 Stunden, legte am 11ten April dem Palm Sonntage mein Bekenntniß ab, was er mir aufgesetzt, meine Großmutter war dazu gekommen, u den 18ten am heiligen Osterfest ging ich zum ersten Mal mit meinen Eltern u meiner Großmutter zum heiligen Abendmahl. Ich gedenke jedes Mal[,] daß ich wieder vor diesen Altar trete, jener ersten Feier u jedes Mal mit größerer Andacht u größerer Dankbarkeit.

Am 12. November 1816 wurde die Hochzeit der Schwester Julie mit Carl Lazarus Henckel von Donnersmarck im Karlsburger Schloss gefeiert, Pastor Schulz hielt die Traurede.

Auch im Hausbuch der Grafen von Bismarck-Bohlen werden Kirche und Pfarrhaus einige Male erwähnt, obwohl die Wrangelsburger Adligen, zunächst der Generalgouverneur für Schwedisch-Vorpommern, der schwedische General von Wrangel, und später dann die nachfolgenden Besitzer von Wrangelsburg, das Patronat der Zarnekower Kirche inne hatten. Aus den Eintragungen erfährt man, dass die gräfliche Familie sich auch für die Erhaltung von Pfarrhaus und -garten zuständig fühlte:

1838. Im Herbst d. J. wurde der Pastor Schultz zu Zarnekow, nachdem er über 40 Jahr im Amte gewesen, zur Ruhe gesetzt, und der Pastor Cornelius aus Netzelkow wurde Nachfolger.

1840. das Pfarrhaus zu Zarnekow fast ganz durch gebauet, neue Fenster, Öfen etc., bedeutend verlängert. Auch die Hofgebäude stark reparirt.

1838. Neue Brunnen und Pumpe, im Pfarrhaus zu Zarnekow.

1858/59. Die alte vBohlensche Familien Gruft in der Kirche zu Zarnekow, war gänzlich ausgefüllt von Särgen, ganz niedrig und dunkel und ich beschloß, auch da durch meine Frau und mich, eigentlich eine ganz neue Familie gegründet wurde, zugleich aber auch, um ihr[,] der so heißgeliebten[,] eine würdige Ruhestätte, mit einer Stelle an ihrer Seite und meinen Nachkommen eine gemeinschaftliche, geräumige und freundliche Gruft herzustellen, den Bau der Capelle, welchen ich unter Gottes gnädigem Beistand, dies Jahr glücklich vollendet.

1861/62. Für die Kirche zu Zarnekow wird im Frühling eine neue Orgel angeschafft.

1877. Die uralte Glocke in Zarnekow gesprungen.

Die Zarnekower Kirche ohne Kirchturm

1889 Mein Bruder war nach dem Tode seiner geliebten Frau, die ihm Alles in Allem war, wie umgewandelt, u fand er, in seinem ernsten, religiösen Sinn, durch den Umbau der Kirche in Zarnekow eine ihm willkommene Beschäftigung. Den Anstoß dazu gab auch noch ein Vermächtniß seiner verstorbenen Frau, zu deren Andenken, der Wittwer und die Kinder, das schöne Kirchenfenster, hinter dem Altar stifteten.

1890 Ist der Umbau vollendet u wird durch ein großes Missionsfest in Carlsburg bei strömenden Regen gefeiert.
Ein Legat von 25,000 M. was der alte Diener Holst für den Thurmbau der Zarnekowkirche bestimmte, ward von meinem Bruder ausgeführt.

Das von Friedrich von Bismarck-Bohlen und seinen Kindern gestiftete Altarfenster:
Sei getreu bis in den Tod. So will ich Dir die Krone des Lebens geben.
Der Kirche in Zarnekow gewidmet im Andenken an Gräfin Pauline v. Bismarck-Bohlen geb. v. Below, der liebevollsten Gattin und besten Mutter von ihrem Manne, ihren fünf Kindern u. vier Schwiegerkindern zum 19. Juli 1890
Rechterhand ist der weiter unten beschriebene Messingleuchter

Die Glasmalerei im Ostfenster wurde 1890 nach einem Gemälde von Rafael “Verklärung Christi” bei dem Berliner Königlichen Institut für Glasmalerei von der gräflichen Familie in Auftrag gegeben.

1892 wurde der Bau des Turmes vollendet.

1901 Als bleibendes Andenken hat Lenchen in Zarnekow eine Thurmuhr mit Schlagwerk gestiftet, deren Klang die Leute an ihre treu sorgende Herrin erinnern wird! Gott wolle seinen Segen ruhen laßen, auf der Arbeitsstätte die Lenchen verläßt. O möge sein Segen sie begleiten mit dem neuen Arbeitsfeld welches sich ihr in Niederhof erschließt!

Die von Helene von Bismarck-Bohlen gestiftete Thurmuhr
Dieses Schild ist in der Glockenstube der Zarnekower Kirche angebracht.

Drei Glocken beherbergt der Kirchturm.

Das Glockengestühl

Die Inschriften auf den Glocken lauten:

  1. Die große Glocke:

CELLISSIMI COMITIS AC HEROIS DOMINI A BRAHE, PATRONI ECCLESIAE ZARNECK: SPLENDIDISSIMI IUSSU, PROMOTIONE GENEROSISSIMI DOMINI A RAMM, VICE PATRONI DIGNISSIMI, HAEC CAMPANA RESTITUTA EST ANNO MDCCLXV, ME FECIT. GOTTLIEB METZGER STRALSUND

Auf Anordnung des hocherhabenen Grafen und Heros von Brahe des hell strahlenden Patrons der Kirche von Zarnekow, und unter Förderung des hochherzigsten Herrn von Ramm als ihres hochwürdigsten Patrons ist diese Glocke im Jahr 1765 wieder hergestellt worden. Mich machte Gottlieb Metzger, Stralsund

2. Die mittlere Glocke

Inschrift im Spruchband vorn: JESUS CHRISTUS GESTERN UND HEUTE UND DERSELBE AUCH IN EWIGKEIT Inschrift im Spruchband hinten: HEBR. 13,8 Inschrift im Spruchband in der Mitte: GEOPFERT FÜR DEUTSCHLANDS WEHR NEU ERSTANDEN ZU GOTTES EHR

3. Die kleine Glocke:

Inschrift im Spruchband vorn: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehen. Inschrift im Spruchband hinten: PS. 24,7 Inschrift an der Seite: 1937

Im Jahre 1688 wurde eine alte Glocke aus Steinfurth nach Zarnekow gebracht, die, wie im Hausbuch vermerkt, 1877 zersprang. Ihre Inschrift:

O REX GLORIE CHRISTE VENI CUM PACE

Auf der neuen Glocke wurde diese Inschrift wieder angebracht.

Die Grüneberg-Orgel

1861 kaufte die Kirchgemeinde eine Orgel mit Pedal bei dem Orgelbauer Grüneberg in Stettin. Auch im Hausbuch erscheint darüber ein Eintrag, sodass anzunehmen ist, dass sich die Bismarck-Bohlen daran finanziell beteiligt haben.

Im Laufe der Zeit hat auch sie einiges durchgemacht: 1917 mussten die Metallpfeifen als Kriegsmaterial abgegeben werden. 1924 werden die Prospektpfeifen sowie zwei Register erneuert. 1946 wurde die Orgel von der Firma Sauer durchgesehen und 1954 erhielt sie zwei neue Register und möglicherweise auch den Motor. Seitdem wurde und wird die Orgel regelmäßig gewartet.

ln einem Gespräch mit Pastor Barsch, der von 1959 bis 1996 der Zarnekower Gemeinde vorstand, erfahre ich viele Neuigkeiten über das Leben in der Gemeinde aber auch einiges über die Familie von Bismarck-Bohlen. Die Trauung der Tochter von Fritz Ulrich und Elibsabeth, Oriana mit Franz Adalbert von Rosenberg, wurde nicht von dem damaligen Zarnekower Pastor vorgenommen, sondern von einem Geistlichen der bekennenden Kirche, deren Mitglied der Graf war.

Dazu heißt es in den Aufzeichnungen des Pastors Gurr: für Gottesdienste hat Herr Graf v. B. B. Karlsburg, nach jederzeit wiederruflicher Vereinbarung seine in Steinfurth befindliche Familienkapelle zur Verfügung gestellt. … Die gräflich von Bismarck-Bohlen’sche Herrschaft dagegen glaubte auf die Seite der sogenannten bekennenden Kirche treten zu müssen. Sie verweigerte freilich niemals z.B. die Anerkennung der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 11. Juli 1933 u. es wurde durch die Gutsverwaltung nach wie vor die Kirchensteuer gezahlt. Aber andererseits wurden kirchliche Handlungen in der Familie, – Konfirmation der Söhne, Trauung der ältesten Tochter, Beisetzung der Gräfin-Mutter, – durch andere Geistliche vollzogen ohne irgend welche Meldung an das zuständige Pfarramt.

Zu DDR-Zeiten besuchten einige Nachkommen der Familie von Bismarck-Bohlen Karlsburg und suchten bei dieser Gelegenheit den Kontakt zu Pastor Barsch und seiner Frau Helga, welche auch die Steinfurther Begräbniskapelle betreuten. Vom 20. – 24.05.1985 war Oriana von Rosenberg geb. Bismarck-Bohlen mit Jürgen von Bismarck in Karlsburg, verabredete sich mit der Familie Barsch und trug sich in deren Gästebuch ein. Dort findet sich auch ein Eintrag von Viktoria Roland, der jüngsten Tochter von Fritz Ulrich und Auguste Viktoria, die sich in der Zeit vom 27.09. – 03.10.1988 hier aufhielt. Und kurz nach dem Mauerfall besuchten Adalbert von Rosenberg mit seiner Frau Heidi ebenfalls den Ort, wo er in seiner Kindheit oft seine Ferien verbracht hatte. (16.-17.02.1990). Alle bedankten sich herzlich bei der Familie Barsch für die freundliche Aufnahme und Gastfreundschaft. Auch Briefe von Theda von Quistorp geb. von Falkenhayn, die Schwester von Auguste Viktoria, an Helga Barsch finden sich im Memorabilienbuch. Sie hielt den Kontakt, da sie bei Barschs die Pflege des Friedhofs in Auftrag gegeben hatte.

An alle diese Nachkommen wird auf Grab- oder Gedenksteinen auf dem Steinfurther gräflichen Friedhof erinnert.

Oriana geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen
Viktoria geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen
Adalbert von Rosenberg

Nach 1945 war Hugo Lembke bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter Pfarrer in Zarnekow. Er wohnte zunächst im Kirchturm, denn die Wohnungsnot war groß. Im ersten Stock war das Wohnzimmer mit einem noch kleineren Raum nebenan, der als Küche diente, mit Kochmöglichkeit und Ofen ausgestattet. Es gab kein Wasser und auch keine Toilette. Im zweiten Stock war das Schlafzimmer, quasi neben dem Glockenstuhl gelegen. Aus heutiger Sicht ausgesprochen spartanisch aber irgendwie auch romantisch. Das Pfarrhaus, das nach dem Krieg abgebrannt war, wurde in seiner Zeit neu errichtet.

Das Pfarrhaus
Das Pfarrhaus am Ostersonntag 2022

Nach Pastor Lembke zog die Familie Fisch in den Turm ein. Er war Zimmermann und hat tatkräftig beim Umbau des Kircheninneren geholfen. Z. B. hat er aus Teilen der gräflichen Emporen, die aus der Kirche entfernt worden waren, die Orgelempore erweitert, sodass heute auch der Kirchenchor oder der Posaunenchor Platz hat.

Das Porträt von Siegfried Barsch wurde von Horst Zilm in Auftrag gegeben. Der Künstler ist Michael Hädrich.

Von 1959 bis 1996 war Siegfried Barsch Pastor in Zarnekow, seine Frau Helga Kirchenmusikerin und Katechetin. Beide kamen aus Anklam, er besuchte dort die Oberschule und war von zwei Oberschulklassen der einzige, der nicht in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) eintreten wollte. Da er ob seiner Überzeugung auch nach vieler Agitation seitens der Schulleitung nicht Mitglied werden wollte, versuchte man es über den ökonomischen Hebel. Da sie sieben Geschwister waren, mussten die Eltern kein Schulgeld zahlen. Das ändert sich nun. Zunächst verlangte man 10 Mark im Monat und als das nichts half, erhöhte man auf 20 Mark, strich also die Schulgeldbefreiung, was sich die Eltern jedoch nicht leisten konnten. Der damalige Anklamer Superintendent organisierte dann vom Hilfswerk der Kirche 200 Mark, so dass Siegfried Barsch das Abitur doch noch erfolgreich 1951 ablegen konnte. Anschließend studierte er Theologie in Greifswald. Wie bei allen anderen Studentinnen und Studenten gehörte auch bei den Theologen das Fach Marxismus-Leninismus zum Stundenplan. In der Zeit 1951/52 schrieben die Studierenden unter die in diesem Fach abgelegten Klausuren: “wir geben hiermit unser Wissen wieder, aber nicht unsere Meinung.” Nach bestandenem Examen, schon als Vikar arbeitend, wurde ihm die Pfarrstelle in Zarnekow angeboten, die er dann im Januar 1959 antreten hat.

In den ersten Jahren seiner Amtszeit begann er mit dem oben erwähnten Herrn Fisch, die Kirche von den mit brauner Farbe gestrichenen Emporen der Adligen, die sich auf beiden Seiten über dem Altar erstreckten, zu befreien, da diese das Innere sehr verdunkelten und vor allem ziemlich marode waren. Auch eine zusätzlich eingezogene Decke musste entfernt werden, da sie von Schwamm befallen war.

Eine Ansicht des Innenraums, wie er schon im 19. Jahrhundert ausgesehen haben muss, zumindest vor 1890, da das Ostfenster noch nicht ausgetauscht worden war.
Die erhöhte Kanzel mit Schalldeckel
Der von der erhöhten Kanzel erhaltene Kanzelkorb
Der aus Sandstein gefertigte Altar:
Er hat ein Gedechtnis gestiftet seiner Wunder der gnedige und barmherzige Herr. Psa. III
unter dem Relief links:
ICH HAB ES VON DEM HERREN EMPFANGEN ▪︎ DAS ICH EUCH GEGEBEN HAB DENN DER HERR JESUS IN DER NACT ▪︎ DA ER VERRATEN WART NAHM ER DAS BRODT DANCKET UND BRACHES UND SPRACH ▪︎ NEMET ESSET DAS IST MEIN LEIB DER FUR EUCH GEBROCHEN WERT SOLCHES TUT ZU MEINEM GEDECHTNIS;
unter dem Relief rechts:
DESSELBIGEN GELICHEN AUCH DEN KELCH NACH DEM ABENDMAHL UND SPRACH DEISER KELCH IST DAS NEWE TESTAMENT ON MEINEN BLUT SOLCHES THUT SO OFFT IHRS TRINCKET ZU MEINEN GEDECHTNIS I ▪︎ COR ▪︎ II ▪︎ U ▪︎ Z3 ▪︎ ETSEG

Das Altarbild von 1622 war mit dem Mauerwerk verbunden. Ein Anklamer Steinmetz wurde beauftragt, dieses Kunstwerk aus Sandstein von der Wand zu lösen. Der Altar wurde neu aufgebaut, mit Sandsteinplatten verkleidet und darauf das Altarrelief gesetzt und stabilisiert. Durch zwei Stufen entstand ein Altarraum, auf einer dritten wurde der frei stehende Altar errichtet.

Blick von der Orgelempore

Ein Kaselkreuz, was anscheinend 1612 als Antependium umgestaltet worden war, wurde ebenfalls von der Familie Normann gestiftet. Es ist heute in der landesgeschichtlichen Dauerausstellung des Pommerschen Landesmuseum zu besichtigen.

Der Altar mit Antependium
Kaselkreuz

Die Geschichte des Gemäldes “Anbetung der Hirten” von Gerrit van Honthorst gleicht einem Krimi.

Das Original wurde der Pantelitzer Kirche von Hugo von Mecklenburg auf Pantlitz als Altarbild gestiftet.

Nachdem die Arbeiten an der Kirche abgeschlossen waren, sah man sich mit einem ziemlich kahlen Raum konfrontiert. Da erhielt Siegfried Barsch vom dem damaligen Kirchenbaurat den Hinweis, dass in Pantelitz bei Ahrenshagen eine Kirche gesprengt werden solle. Dort befände sich ein Gemälde von Gerrit van Honthorst, welches in der Zarnekower Kirche seinen Platz finden könne. Dieses Angebot nahm Pastor Barsch gerne an. So fuhr er mit einem Pritschenwagen in das Dorf. Die Kirche war offen, das Bild fand er inmitten von Schutt und Schmutz an der Wand lehnend, die Leinwand war durchgetreten. Den Anblick, sagte er, werde er nie vergessen. Er habe es dann dem Stralsunder Kunstmaler Erich Kiefert übergeben, der es gereinigt, mit einer Hartfaserplatte stabilisiert und mit Honigwachs gefestigt habe. Kaum hing das Gemälde in der Kirche, meldete sich der Gemeindekirchenrat von Pantelitz, er wolle es zurückhaben, da die dortige Kirche doch nicht gesprengt werden solle. Damit war Siegfried Barsch nun gar nicht einverstanden und man einigte sich, indem ein Leihvertrag über 25 Jahre verabredet wurde. Nachdem die 25 Jahre verstrichen waren, wurde das Bild genau untersucht und dann restauriert. Heute hängt es im Pommerschen Landesmuseum. Sowohl die Kirche in Pantelitz als auch die in Zarnekow erhielten jeweils eine Kopie des Gemäldes. Siegfried Barsch nahm die Darstellung der heiligen Familie immer wieder freudig zum Anlass, Momente des Gemäldes in seinen Predigten am Heiligabend aufzunehmen.

Nach Umgestaltung und Renovierung der Kirche in den 1960er Jahren wurden das schmiedeeiserne Kreuz u die beiden Leuchter auf dem Altar beim Karlsburger Schmied Rudolf Lucht in Auftrag gegeben.

In der Kirche befand sich auch ein in die Wand eingelassener Altarschrein mit einem mittelalterlichen Christus auf der Innentür, den Pastor Barsch ebenfalls in Stralsund von dem Restaurator Todemann aufarbeiten ließ. Nach der Fertigstellung wurde der Schrein nicht wieder in die Wand eingesetzt.

Auch die Episode über das Auffinden der Altarleuchter aus Messing, gestiftet von Caspar Aufing 1733, ist erzählenswert. Pastor Barsch fand sie auf dem Dachboden, wo sie als Auffanggefäße für Regenwasser benutzt worden waren. Sie sahen so unansehnlich aus, dass man kaum ihre eigentliche Funktion erkannte. Nach gründlicher Reinigung kam ihre ursprüngliche Schönheit wieder zutage und sie sind noch heute bei festlichen Anlässen zu bewundern.

Die Zarnekower Kirche wurde Ende der 1980er Jahre restauriert, bekam ein neues Dach, der Kirchturm, der ursprünglich mit Schiefer gedeckt war, wurde mit Kupferplatten belegt. Auch die Thurmuhr wurde restauriert. Das nötige Geld kam aus verschiedenen Quellen: die LPG gab 15000, das Zentralinstitut 10000, 5000 Mark kamen von der Gemeinde. Kleiderbasare, gesammelt und gespendet von der Hamburger Partnergemeinde, zum jährlich veranstalteten Turmfest brachten ebenfalls Spendengelder.

Zu einigen der Karlsburger Institutsdirektoren hatte Siegfried Barsch ein gutes Verhältnis wie zu Prof. Gerhard Mohnicke oder Doz. Dr. med. habil. Hans-Georg Lippmann. Beide unterstützten ihn bei der Krankenhausseelsorge, die in der DDR nicht gern gesehen wurde. Seelsorge sollte nur in Anspruch nehmen können, wer dies bei der Stationsschwester vorher anmeldete. Dann erst wurde der Pastor angerufen. Aushänge in der Klinik z. B. waren nicht mehr erlaubt. Die beiden oben genannten Direktoren setzten sich über diese Anordnungen hinweg und ließen Siegfried Barsch in gewohnter Weise seine Arbeit machen.

In den 37 Jahren seiner Amtszeit wurden ihm auch höhere Ämter innerhalb der evangelischen Kirche angeboten. Dazu hätte die Familie aber nach Wolgast bzw. Greifswald umziehen müssen und Helga Barsch hätte ihre Arbeit aufgeben müssen. “Uns gab es nur im Doppelpack”, meinte das Ehepaar mit einem Lächeln. Nicht zuletzt hielt sie auch die innige Verbundenheit mit den Menschen der Zarnekower Kirchengemeinde von einem Ortswechsel ab.

In der Wendezeit initiierte Siegfried Barsch jede Woche einen Gesprächskreis, was von den Bewohnern der Gemeinde, ob kirchlich gebunden oder nicht, gern angenommen wurde. Daraufhin trat man an ihn mit dem Vorschlag heran, doch für die Karlsburger Gemeindevertretung zu kandidieren.

An Herrn von Rosenberg schrieb er: Die letzten Wochen standen natürlich auch im Banne der ersten freien Kommunalwahlen, die wir nun glücklich hinter uns gebracht haben. … Ich bin als Parteiloser, der ich auch bleiben will, unter dem Dach bzw. auf der Liste der CDU angetreten. Dazu kamen noch einige Gleichgesinnte, die es ebenfalls für erforderlich hielten, gegen die PDS zu kandidieren. Mir ist viel Vertrauen entgegengebracht worden, sodass ich wohl die meisten Stimmen erhalten habe. Dadurch hat die CDU neun Sitze von fünfzehn erhalten und stellt den Bürgermeister und den Rat der Gemeinde Karlsburg. Als Bürgermeister zu fungieren, hatte ich nie die Absicht. Das Siegfried Barsch die meisten Stimmen bei dieser Kommunalwahl bekam, zeigt nochmals seine besondere Verbundenheit mit den Dorfbewohnern.

1992 lud die Kirchengemeinde zum 700-Jahrfeier der Kirche ein. Wie oben schon erwähnt, ist ein genaues Datum der Fertigstellung nicht auszumachen. Immerhin war der Turm, wenn auch ungleich jünger, 1892 erbaut worden, also konnte 1992 ein hunderjähriges Jubiläum gefeiert werden. Jedes Jahr findet seit vielen Jahren im Sommer ein Turmfest statt. Nach 1990 wurden sowohl das Pfarr- als auch das Gemeindehaus umfassend renoviert bzw. erneuert. Sicherlich ist die Instandhaltung des kirchlichen Gemäuers auch weiterhin eine unendliche Geschichte.

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle und die Familien, die dort lebten

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle liegt zwischen Steinfurth (diesseits der B109) und Karlsburg. Sowohl für die Steinfurther als auch für die Karlsburger war dieser Ort schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Man konnte und kann dort wunderbar picknicken oder im Spätsommer von den alten Obstbäumen, wie Apfel, Birne und Pflaume, naschen.

So oder ähnlich könnte die Karlsburger Mühle ausgesehen haben (Mühle in Greifswald-Wieck)

Der Hügel, auf dem die ehemalige Mühle stand, die schon im 1. Weltkrieg, da sie baufällig war, abgerissen wurde, ist mittlerweile mit hohen Bäumen bewachsen und mit Brombeersträuchern überwuchert. Wo genau die Mühle oder auch das Transformatorenhäuschen stand, kann man nur noch erahnen.

Der Hügel, auf dem ehemals die Karlsburger Mühle stand

Ein zerborstener Mühlstein liegt noch im Unterholz.

Dicht beisammen: 3 verschieden große Mühlsteinteile

1 die Hälfte eines Mühlsteins 2 ein Drittel Mühlstein 3 ein Bruchstück von dem Mühlstein

Sie war zwischen 1704 und 1733 auf der damals kahlen Höhe des “Witten Bargs” errichtet worden. Caspar Aufing wird 1733 zuerst als Müller genannt. 1760 lebt auf “Gnatzkowmühl” der Windmüller Johann Friedrich Köhler mit Frau und zwei Kindern. In seinem Dienst stehen ein Müllerbursche, ein Dienstmädchen und ein Junge. Das genannte “Verzeichniß” enthält als Bewohner außer dem älteren Müllerehepaar Volckmann mit einem kleinen Sohn auch die vierköpfige Familie des Sohnes David, der seinem Vater höchstwahrscheinlich in seinem Gewerbe folgte, ferner, wohl als Knecht und Magd auf dem Mühlenhof, Michel Pollin und Maria Schmidten. Eine Vorpommernkarte von 1803 zeigt neben dem Windmühlensymbol lediglich ein Gebäude in noch waldreicher Umgebung. Der Blick auf die Mühle wurde später von den Kiefernforsten behindert … 1904 wird der Mühlenpächter Melms von Johann Schmechel aus Hohendorf abgelöst, und dieser wird hier der letzte Müller gewesen sein. (Egon Brauns: Karlsburg: Von der Vergangenheit eines Dorfes, S. 38).

In den zwanziger und dreißiger Jahren war aber die Schweinezucht in Karlsburg außerordentlich erfolgreich und weithin bekannt. Anfangs hatte diese ihren Sitz auf dem vormaligen Mühlengehöft Viktoriahof unter Schweinezuchtmeister Konrad Piper. Später wurde sie nach Karolinenhof verlegt, wo unter Leitung von Fritz Piper am 1. Oktober 1935 etwa 600 Zuchttiere gehalten wurden. (Ebenda, S. 76)

In dem Memorabilienbuch der Zarnekower Kirche, von Pastor Siegfried Barsch gesammelt, findet sich ein Text “Einiges von Land und Leuten im Kirchspiel Zarnekow”, von dem Prediger Adamy aus Krien zusammengestellt. Darin werden auch die zur Kirche gehörigen Ortschaften aufgelistet, u.a. Gnatzkowmühl 1759.

Der Viktoriahof, im 20. Jahrhundert wohl so genannt nach der jüngsten Tochter von Auguste Viktoria und Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen, wurde 1886 errichtet mit dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Stall und der um 1900 erbauten Scheune.

Ansichten des Mühlengehöfts
Der Viktoriahof, rechts das Wohnhaus, 1886 erbaut, dahinter aus dem 17. Jahrhundert der Stall und die Scheune, 1900 erbaut.

Der Weg heute

Heute ist das Gehöft wüst. Einzig die Grundmauern und die große Kastanie, die vor dem Wohnhaus stand, lassen dessen Standort erahnen. Es wurde nach der Wende von der Treuhand an einen Westdeutschen verkauft. Die letzten Besitzer erhielten den Zuschlag nicht, weil ihnen der Eigentumsnachweis abhanden gekommen war. Wahrscheinlich hatte dieser, als 1960 die Felder und Wiesen an die LPG abgegeben werden mussten, die Unterlagen, die ihn als Eigentümer des Hofes auswiesen, während der Versammlung den Verantwortlichen vor die Füße geworfen. Gleiches erzählte uns auch der Bewohner des ehemaligen Gutshauses. Einige Obstbäume wurden vom jetzigen Besitzer gepflanzt, von dem in der Gemeinde nichts bekannt ist.

Von der aus Buddenhagen stammenden Familie Buggenhagen – Alma und Friedrich, die zuletzt auf dem Viktoriahof gelebt hatte, leben von sieben Geschwistern noch zwei. Eine davon ist eine Karlsburgerin, die noch auf dem Gehöft geboren wurde. Nach ihren Erzählungen hat ihr Vater vor 1945 unter dem Grafen Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen in der von Förster Moderak betreuten Forst gearbeitet und nahm als Treiber an den gräflichen Jagden teil. Ein guter Schütze war er noch dazu. Von der Jagd brachte er dann auch Innereien mit.

Über die gräfliche Familie wusste sie aus Berichten ihrer Mutter, das die Gräfin sehr nett und hilfsbereit, der Graf dagegen eher introvertiert und zurückhaltend gewesen sein soll. So unterstützte die Gräfin die Familie nach der Geburt der jüngsten Tochter, indem sie eine Zudecke und Kissen zur Mühle brachte.

Die beiden Söhne, Theodor und Achaz, arbeiteten vor dem 2. Weltkrieg auf den Feldern des Gutes mit, sie sollen freundlich und fleißig gewesen sein und die gleichen Arbeiten verrichtet haben wie die Gutsangestellten und Arbeiter. Sie bedauerten diese, weil deren Häuser nicht so komfortabel mit Bädern ausgestattet waren wie das Schloss. Die Arbeiter wuschen sich im Hof mit kaltem Wasser.

In dem Fotoalbum der Eltern fand sich auf der ersten Seite ein Bild der Gräfin. Unter welchen Umständen die Mutter dies erhalten hat, konnte meine Gesprächspartnerin nicht sagen.

Auguste Viktoria von Bismarck-Bohlen, geborene von Falkenhayn

Das Leben der letzten Besitzer, die im August 1936 von Buddenhagen auf den abseits gelegenen Viktoriahof gezogen waren, war sehr beschwerlich. Um nach Steinfurth oder Karlsburg zu gelangen, mussten sie in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts weite Wege, die gerade mal von Pferdewagen befahren werden konnten, zu Fuß überwinden, denn über Fahrräder verfügte man nicht. Nach Ende des Krieges wurde einer dieser Wege sogar kurze Zeit von russischen Panzern (von Pamitz oder Wahlendow kommend) in Richtung Züssow befahren und entsprechend zugerichtet. Noch in den 80er Jahren bezeichneten die Leute diese Strecke, die hinter der alten Gärtnerei nach Steinfurth führt, als “Panzerweg”.

Der Lehrer der Schule, ein SA-Mann, der immer in seiner gelben Uniform lief und bei den Kindern besonders gefürchtet war, überbrachte die Nachricht von Tod des Bruders. Die schriftliche Information, dass er in einem Einzelgrab beerdigt worden sei, stellte sich später als Lüge heraus. Das erfuhren Buggenhagens von einem Freund aus Pamitz, der verwundet zurückgekehrt war und also den Krieg überlebt hatte. Er berichtete, dass über die Gefallenen Erde geworfen wurde, und sie mussten weiter marschieren.

Strom und fließendes Wasser gab es zunächst nicht. Petroleumlampen waren lange Zeit die einzige Lichtquelle, wenn es dunkel wurde. 1962 starb der Vater und die Tochter musste allein mit dem großen Anwesen fertig werden, da auch die Mutter krank war. Schweine, Schafe und Gänse waren schon abgeschafft, nur vier Kühe und Hühner waren noch vorhanden.

Der Vater war Mitglied der SPD und gar nicht einverstanden mit der Vereinigung von SPD und KPD. In der SED wollte er nicht Mitglied sein. Auch als 1960 die LPG gegründet wurde, sperrte er sich – wie so viele – dagegen. Zu der Versammlung nahm er die Unterlagen, die ihn als Eigentümer auswiesen, mit. Er scheint diese dem Versammlungsleiter vor die Füße geworfen zu haben. Zwei Jahre später starb er dann. Mutter und Tochter wohnten noch bis Oktober 1969 auf dem Gehöft, welches zur Mühle gehörte. Dann zogen sie in die Baracke hinter dem Friedhof, auch unter dem Namen “am Eselsteich” bekannt. Dort wurde auch die Hochzeit gefeiert. Einige Zeit später – 1970 erkrankte die Mutter schwer – erhielten sie dann eine Wohnung direkt in Karlsburg.

Der Werdegang dieser Karlsburgerin soll hier kurz geschildert werden. Als junges Mädchen arbeitete sie auf dem Hof ihres Vaters in der Landwirtschaft. Als dieser 1962 starb, musste sie die Verantwortung für das Anwesen übernehmen. Mit der Gründung des Instituts für Diabetes wuchs in ihr der Wunsch Krankenschwester zu werden. Da sie aber in der Landwirtschaft arbeitete, war es ihr nicht erlaubt, von dort so ohne weiteres wegzugehen und eine Lehre zu beginnen. Sie suchte sich dann eine Arbeit in Spremberg, wo sie am Fließband heiße, tropfnasse und schwere Baumwolle in eine Schleuder bugsieren musste, eine schwere Arbeit, die allerdings gut bezahlt wurde – 400 Mark.

Bis Anfang der 60er Jahre arbeiteten noch Krankenschwestern aus kirchlichen Einrichtungen in Karlsburg (vergleichbar mit den Diakonissinnen). Dann suchte man dringend staatlich ausgebildetes medizinisches Personal und sie kam nach Karlsburg zurück, arbeitete zunächst als Reinigungskraft, da war der Verdienst mit 180 Mark ungleich geringer. Nach kurzer Zeit begann sie dann ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Stralsund.

Sie arbeitete auf verschiedenen Stationen, schließlich musste sie von 1983-1984 noch die Fachschwester für Dialyse und Nierentransplantation ablegen. Also setzte sie sich nochmals ein Jahr lang auf die Schulbank und schloss in Rostock diese Ausbildung ebenfalls erfolgreich ab. 1986 wurde sie krank und musste ihre Arbeit auf der Dialysestation aufgeben. Von da an arbeitete sie auf anderen Stationen.

Heute engagiert sie sich in der Kirchgemeinde Zarnekow, besucht die Gemeindemitglieder zu deren Geburtstagen.

Gemälde aus dem Karlsburger Schloss

Die Gemälde aus dem Karlsburger Barocksaal befinden sich zur Zeit im staatlichen Museum Schwerin.

Ernst Friedrich von Bismarck
auf Schönhausen
als Cornet
1728 – 1757

Carl Heinrich Behrend Graf von Bohlen
Kgl. Schw. Kammerherr u. Schlosshauptm. 1705 – 1757

Curt Christoph Graf von Schwerin Feldmarschall
1684 – 1757

Friedrich I
König von Schweden
1676 – 1751

Unbekannt
Agnes Christiane von Bohlen, geb. von Stranz 1747 – 1807
Sie war die zweite Frau von Carl Julius Bernhard von Bohlen (1738-1813)
Das Porträt befindet sich in der Kustodie der Universität Greifswald
Caroline Elisabeth Gräfin von Bohlen
geb. von Walsleben
1781 – 1857

Friedrich Ludwig Graf von Bohlen
chur-Hess. Hofmarschall
1760 – 1728
Caroline Gräfin von Bismarck-Bohlen 1798 – 1858
Philipp Friedrich Ernst Freiherr von Dörnberg 1818 – 1858
Er war der Großvater der Auguste-Viktoria von Bismarck-Bohlen, geb. von Falkenhayn
Das Gemälde von Franz Krüger befindet sich in der Kustodie der Universität Greifswald
Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen
1884 -1945
Das Gemälde befindet sich in der Kustodie der Universität Greifswald

Galerie zur Landschaftsprägung durch die Grafen Bismarck-Bohlen

Betrachtet man die Landschaft um Karlsburg, vor allem die Dörfer Groß Jasedow, Steinfurth und Zarnekow, so findet man allenthalben Spuren der Karlsburger Gutsherrschaft. Z. B. kann man anhand einer Karte, die um 1900 aufgelegt wurde, viele der alten Bezeichnungen finden wie Hundewinkel, Räuberkuhle u. ä..

Der von Linden gesäumte Karolinenweg (auch der Damm genannt, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Herrschaft angelegt), der von der Bundesstraße 109 zur Steinfurther Begräbniskapelle führt.
Der von Linden gesäumte Karolinenweg im Winter
Zum Karolinenhof im Winter
… und im Frühling
Die Karlsburger Lindenallee Richtung Zarnekow im Winter
… und im Frühling. Im Hintergrund die Zarnekower Kirche.
Im Hausbuch des Karlsburger Gutes berichtet Theodor von Bismarck-Bohlen 1862, dass die Steinmauer an der Steinfurther Zieglerkoppel fertiggestellt worden ist.

Über die Funktion der Feldsteinmauer kann man nur Vermutungen anstellen: da zur Zeit von deren Errichtung der Wald Richtung Karlsburg nicht vorhanden war, könnte es sein, dass Richtung Steinfurth der Schlosspark in die Landschaft hinein erweitert werden sollte und eine Art Terassierung des Geländes darstellt.

Die Feldsteinmauer, die sich von Steinfurth in Richtung Karlsburg zieht.
Eine zweite Steinmauer zieht sich ebenfalls in Richtung Karlsburg und beginnt beim Treckerschuppen
Beeindruckendes Wurzelwerk
In dem abgebildeten Feldsteinkreis im Steinfurther Forst war, bevor er zerstört wurde, ein Gedenkstein von Theodor von Bismarck-Bohlen aufgestellt worden, dahinter die sogenannte Wernereiche, die beide an ein Wunder erinnern sollten:
5. April 1972
Du bist der Gott der Wunder thut

Weitere Hinweise zur Landschaftsgestaltung finden sich in den Beiträgen: Die Karlsburger Güter – drei Wanderungen: 1. Durch den Karlsburger Schlosspark und den sich anschließenden Wald sowie 2. Durch den Steinfurther Forst zum Gedenkstein

Die Carlsburger Güter – drei Wanderungen: 2. Durch den Steinfurther Forst zur Wernereiche und Steinfurther Sehenswürdigkeiten

Steinfurth liegt – umgeben von Wald – in dem Dreieck Wolgast, Anklam und Greifswald, 3 km von der B109 entfernt. Es ist ein kleines Straßendorf ohne Durchgangsverkehr. Denn am Ende des Dorfes führt nur ein Feldweg nach Pamitz und Wahlendow.

https://www.komoot.de/tour/t273253928?ref=atv

Die Fuß- oder Radwanderung beginnt an der Steinfurther Bushaltestelle.

Hinter der Bushaltestelle links Richtung Wald. Im Hintergrund das Kulturhaus.

Am Kulturhaus vorbei fährt/läuft man den Hohlweg Richtung Wald entlang – immer geradezu. Dort angekommen, geht man immer weiter auf dem Hauptweg und gelangt zu einer Lichtung.

Die Lichtung

Weiter geradeaus kommt man in einen weiteren Waldabschnitt, den man durchqueren muss.

… und begegnet vielleicht neugierigen Rehen

Nach einigen Radminuten oder 20 Minuten Wanderung biegt man wiederum rechts ab.

Nach einer kurzen Strecke liegt rechts

ein Steinzeitgrab

Den Zimmermannsweg entlang

und nach wenigen 100 Metern muss man sich nochmals rechts halten (zwei Holzstapel kennzeichnen derzeit die Stelle, an der man in das Dickicht gehen muss).

An dieser Stelle rechts halten

Nun sollte man festes Schuhwerk anhaben, denn es geht durchs Unterholz, an einem Hochsitz vorbei,

Das Gehörn liegt nicht mehr da

Kurz darauf gelangt man an eine leichte mit Eichen und Buchen bewachsene Kuppe. Überquert man diese, findet man die Wernereiche …

… und etwas weiter unten einen Feldsteinkreis mit einem Durchmesser von ca. 2 Metern. Vermutlich stand hier der Gedenkstein mit der geheimnisvollen Aufschrift:

5. April 1872
Du bist der Gott der Wunder thut
Ps. 77.15

Die Geschichte dazu kann man hier nachlesen.

Es ist ein magischer Ort, wild und geheimnisvoll.

Der in der Nähe fließende Brebowbach

Ist man zurückgekehrt, folgt man – rechts abbiegend – dem Weg in Richtung Steinfurther Dorfstraße. (Möchte man nicht gleich zurück ins Dorf, hält man sich im Wald weiter links, wo die Wege sich gabeln, und fährt über Wahlendow zurück nach Steinfurth.)

An den Feldern entlang
Nach Steinfurth

Fährt man geradeaus weiter, befindet sich gegenüber den Stallungen aus LPG-Zeiten der ehemalige Gutshof.

Der Gutshof Steinfurth: die linke Hälfte des Gutshauses ist unbewohnt

Dieses Haus gab es nach Erzählung der heutigen Besitzer schon, als die Kirche noch intakt war und die Bewohner dorthin zum Gottesdienst gingen. Es muss also im 15., 16. oder 17. Jahrhundert erbaut worden sein und war damals das Zentrum des Dorfes, auch wenn es heute am äußersten Rand liegt.

An der Begräbniskapelle mit Kirchenruine vorbei

oder man biegt links ein und fährt die Steinfurther Dorfstraße, die ebenfalls von den Bismarck-Bohlen 1881/82 angelegt wurde (mit Kopfsteinpflaster) und landet nach wenigen Minuten wieder an der Bushaltestelle. Erst nach 1990 wurde die Straße asphaltiert.

Zuvor aber sieht man vor dem Kulturhaus rechterhand zwei der ältesten reedgedeckten Wohnhäuser von Steinfurth

und linkerhand das 1911 von Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen erbaute Haus, welches – wohl anders ausgerichtet – an Stelle des sogenannten “Klosters” steht, welches zuvor abgebrannt war.

Von der Dorfstraße aus gesehen mit den Initialen von Fritz Ulrich Bismarck-Bohlen
“An Stelle des im März 1910 niedergebrannten 4wohnungs Hauses „das Kloster“, entsteht in der Nähe, rechtwinklig zum Grundriss des alten Hauses gelegen ein großes 4wohnungs Haus, in seiner äußeren Gestalt völlig nach dem Plane des Grafen Friedrich Klinkowström, Leutnant im 3. Garde-… Rgt.- eines Vetters von Fritz Ulrich, errichtet. In seinem Mittelgiebel enthält das Haus außerdem zwei einzelne Stuben. Die Ställe des Klosters wurden reparirt und können weiter genutzt werden.” (Aus dem Hausbuch der Bismarck-Bohlen)

mit dem idyllisch gelegenen Dorfteich.

Der zugefrorene Dorfteich im Winter …
… und der Dorfteich im Sommer

Zwischen Friedhof und Kulturhaus befindet sich die Ochsenkoppel.

Die Ochsenkoppel

Schaut man auf die Koppel gegenüber, entdeckt man sogenannte Steinriegel, die sich durch die Landschaft Richtung Karlsburg ziehen, und, wie Theodor von Bismarck-Bohlen im Hausbuch des Karlsburger Gutes schreibt, 1862 fertiggestellt wurde.

Die Steinmauer. Die Koppel davor wird im Hausbuch als Zieglerkoppel geführt.

Folgt man der Dorfstraße weiter, sieht man das Gebäude der ehemaligen MTS (Maschinen- und Traktorenstation), das von Mathias Bartoszewski zu einer tollen Kulturstätte umgebaut wurde.

Der Treckerschuppen: ein Konzert mit den Liederjan, eine Familienfeier
Das Kulturhaus: von der Ochsenkoppel aus gesehen; eine Grafikausstellung zu KunstOffen; ein Konzert

Hinter dem Treckerschuppen beginnt eine Anhöhe, wo schon 1889 im Sommer … ein alter heidnischer Begräbniß Platz bei Steinfurt aufgefunden [ward] mit vielen Urnen[,] die aber meist in Scherben waren[,] liegt N. W. der Koppel unfern des höchsten Punktes.

Personengrabhügel
Urnenfeld

Vor einigen Jahren wurde wahrscheinlich an eben dieser Stelle bei den Verlegearbeiten der Stränge von Nord Stream 1 und 2 dieser urgeschichtliche Begräbnisplatz erneut entdeckt. Die ältesten Funde datieren von 4100 v. Chr., die jüngsten von 1250 n. Chr. Auch Mittelalterliches und Modernes wurde gefunden.

Galerie zum Karlsburger Schloss

Dieser Beitrag ist nun um einige historische Fotos aus dem Jahr 1925 reicher. Da das Schloss nach dem 2. Weltkrieg zunächst ein Heim für Diabetiker wurde, später dann Zentralinstitut für Diabetes und nach der Wende in den Klinikgebäuden neben der Behandlung der Diabeteskranken noch eine Herzklinik hinzukam – heute das Klinikum Karlsburg, ist es nur schwer vorstellbar, dass im Schloss einmal eine wohnliche Atmosphäre geherrscht hat. Die Räume sind leer, viel wurde umgebaut und teilweise zerstört. Die Fotos geben einen kleinen Eindruck, wie das Schloss früher eingerichtet war.

Die wunderbare Bibliothek
Teile der Schlossbibliothek befinden sich heute im Universitätsarchiv Greifswald
Der Barocksaal 1925 …
… und heute

Details des Wandschmuckes

Das Arbeitszimmer?
Jagdtrophäen
Das Treppenhaus im Erdgeschoss: Caroline hatte einen Hund Namens Bergmann
Die Treppe zum Erdgeschoss
Der Durchgang im oberen Geschoss
ein Wohnzimmer. Die Wendeltreppe führte in die Schlafzimmer
Eine weitere Treppe
Das Schloss von der Parkseite 1925 …
… und 2021
Das Corps de logis 1925 …
… und 2021
das Rosentor wurde von Helene von Bismarck-Bohlen um 1900 entworfen
Das Rosentor bei Nacht

Detail des Rosentors

Blick auf das Karlsburger Schloss. I. Vordergrund ein Element des Rosentors
Flora mit dem Karlsburger Schloss von der Parkseite aus gesehen

Das Karlsburger Schloss

Der Zentralbau des Karlsburger Schlosses: corps de logis
Gnädig verhüllt: die Parkseite des Schlosses

Der Park, vom Schloss aus gesehen

Im Schlosspark
Schloss mit Flora im Vordergrund
Ein Wehr am Kanal, der den Park umfließt

Eine andere Ansicht

winterliches Karlsburger Schloss

Sonnenuhren mit Wappen oder umgekehrt
Der Eingangsbereich

Der Leuchtarm um 1900, die Laterne DDR-Design

Jugendstilbank
ein einziger kleiner Balkon an der ganzen Rückfront