Galerie zum Karlsburger Schloss

Dieser Beitrag ist nun um einige historische Fotos aus dem Jahr 1925 reicher. Da das Schloss nach dem 2. Weltkrieg zunächst ein Heim für Diabetiker wurde, später dann Zentralinstitut für Diabetes und nach der Wende in den Klinikgebäuden neben der Behandlung der Diabeteskranken noch eine Herzklinik hinzukam – heute das Klinikum Karlsburg, ist es nur schwer vorstellbar, dass im Schloss einmal eine wohnliche Atmosphäre geherrscht hat. Die Räume sind leer, viel wurde umgebaut und teilweise zerstört. Die Fotos geben einen kleinen Eindruck, wie das Schloss früher eingerichtet war.

Die wunderbare Bibliothek

Der Barocksaal 1925 …

… und heute

Details des Wandschmuckes

Das Arbeitszimmer?
Jagdtrophäen
Das Treppenhaus im Erdgeschoss: Caroline hatte einen Hund Namens Bergmann
Die Treppe zum Erdgeschoss
Der Durchgang im oberen Geschoss
ein Wohnzimmer. Die Wendeltreppe führte in die Schlafzimmer
Eine weitere Treppe
Das Schloss von der Parkseite 1925 …
… und 2021
Das Corps de logis 1925 …
… und 2021
das Rosentor wurde von Helene von Bismarck-Bohlen um 1900 entworfen
Das Rosentor bei Nacht

Detail des Rosentors

Blick auf das Karlsburger Schloss. I. Vordergrund ein Element des Rosentors
Flora mit dem Karlsburger Schloss von der Parkseite aus gesehen

Das Karlsburger Schloss

Der Zentralbau des Karlsburger Schlosses: corps de logis
Gnädig verhüllt: die Parkseite des Schlosses

Der Park, vom Schloss aus gesehen

Im Schlosspark
Schloss mit Flora im Vordergrund
Ein Wehr am Kanal, der den Park umfließt

Eine andere Ansicht

winterliches Karlsburger Schloss

Sonnenuhren mit Wappen oder umgekehrt
Der Eingangsbereich

Der Leuchtarm um 1900, die Laterne DDR-Design

Jugendstilbank
ein einziger kleiner Balkon an der ganzen Rückfront

Der 3. Advent 2021 in Steinfurth

Auch in diesem Jahr spielte traditionell der Bläserchor der Greifswalder Johannesgemeinde in Steinfurth, allerdings coronabedingt nicht im Kulturhaus sondern im Rahmen eines Gottesdienstes unter freiem Himmel, der von Pastor Harder gefeiert wurde.

Danach konnten die Dorfbewohnerinnen bei Glühwein den Tag ausklingen lassen.

Für die Kinder war sicher der Weihnachtsmann, der mit der Feuerwehr kam, die wie ein Weihnachtsbaum funkelte, der Höhepunkt des Nachmittags.

Der Weihnachtsmann verschenkt an die Kinder Süßigkeiten
Der erste Schnee 2021

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle und die Familien, die dort lebten

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle liegt zwischen Steinfurth (diesseits der B109) und Karlsburg. Sowohl für die Steinfurther als auch für die Karlsburger war dieser Ort schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Man konnte und kann dort wunderbar picknicken oder im Spätsommer von den alten Obstbäumen, wie Apfel, Birne und Pflaume, naschen.

So oder ähnlich könnte die Karlsburger Mühle ausgesehen haben (Mühle in Greifswald-Wieck)

Der Hügel, auf dem die ehemalige Mühle stand, die schon im 1. Weltkrieg, da sie baufällig war, abgerissen wurde, ist mittlerweile mit hohen Bäumen bewachsen und mit Brombeersträuchern überwuchert. Wo genau die Mühle oder auch das Transformatorenhäuschen stand, kann man nur noch erahnen.

Der Hügel, auf dem ehemals die Karlsburger Mühle stand

Ein zerborstener Mühlstein liegt noch im Unterholz.

Dicht beisammen: 3 verschieden große Mühlsteinteile

1 die Hälfte eines Mühlsteins 2 ein Drittel Mühlstein 3 ein Bruchstück von dem Mühlstein

Sie war zwischen 1704 und 1733 auf der damals kahlen Höhe des “Witten Bargs” errichtet worden. Caspar Aufing wird 1733 zuerst als Müller genannt. 1760 lebt auf “Gnatzkowmühl” der Windmüller Johann Friedrich Köhler mit Frau und zwei Kindern. In seinem Dienst stehen ein Müllerbursche, ein Dienstmädchen und ein Junge. Das genannte “Verzeichniß” enthält als Bewohner außer dem älteren Müllerehepaar Volckmann mit einem kleinen Sohn auch die vierköpfige Familie des Sohnes David, der seinem Vater höchstwahrscheinlich in seinem Gewerbe folgte, ferner, wohl als Knecht und Magd auf dem Mühlenhof, Michel Pollin und Maria Schmidten. Eine Vorpommernkarte von 1803 zeigt neben dem Windmühlensymbol lediglich ein Gebäude in noch waldreicher Umgebung. Der Blick auf die Mühle wurde später von den Kiefernforsten behindert … 1904 wird der Mühlenpächter Melms von Johann Schmechel aus Hohendorf abgelöst, und dieser wird hier der letzte Müller gewesen sein. (Egon Brauns: Karlsburg: Von der Vergangenheit eines Dorfes, S. 38).

In den zwanziger und dreißiger Jahren war aber die Schweinezucht in Karlsburg außerordentlich erfolgreich und weithin bekannt. Anfangs hatte diese ihren Sitz auf dem vormaligen Mühlengehöft Viktoriahof unter Schweinezuchtmeister Konrad Piper. Später wurde sie nach Karolinenhof verlegt, wo unter Leitung von Fritz Piper am 1. Oktober 1935 etwa 600 Zuchttiere gehalten wurden. (Ebenda, S. 76)

In dem Memorabilienbuch der Zarnekower Kirche, von Pastor Siegfried Barsch gesammelt, findet sich ein Text “Einiges von Land und Leuten im Kirchspiel Zarnekow”, von dem Prediger Adamy aus Krien zusammengestellt. Darin werden auch die zur Kirche gehörigen Ortschaften aufgelistet, u.a. Gnatzkowmühl 1759.

Der Viktoriahof, im 20. Jahrhundert wohl so genannt nach der jüngsten Tochter von Auguste Viktoria und Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen, wurde 1886 errichtet mit dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Stall und der um 1900 erbauten Scheune.

Ansichten des Mühlengehöfts
Der Viktoriahof, rechts das Wohnhaus, 1886 erbaut, dahinter aus dem 17. Jahrhundert der Stall und die Scheune, 1900 erbaut.

Der Weg heute

Heute ist das Gehöft wüst. Einzig die Grundmauern und die große Kastanie, die vor dem Wohnhaus stand, lassen dessen Standort erahnen. Es wurde nach der Wende von der Treuhand an einen Westdeutschen verkauft. Die letzten Besitzer erhielten den Zuschlag nicht, weil ihnen der Eigentumsnachweis abhanden gekommen war. Wahrscheinlich hatte dieser, als 1960 die Felder und Wiesen an die LPG abgegeben werden mussten, die Unterlagen, die ihn als Eigentümer des Hofes auswiesen, während der Versammlung den Verantwortlichen vor die Füße geworfen. Gleiches erzählte uns auch der Bewohner des ehemaligen Gutshauses. Einige Obstbäume wurden vom jetzigen Besitzer gepflanzt, von dem in der Gemeinde nichts bekannt ist.

Von der aus Buddenhagen stammenden Familie Buggenhagen – Alma und Friedrich, die zuletzt auf dem Viktoriahof gelebt hatte, leben von sieben Geschwistern noch zwei. Eine davon ist eine Karlsburgerin, die noch auf dem Gehöft geboren wurde. Nach ihren Erzählungen hat ihr Vater vor 1945 unter dem Grafen Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen in der von Förster Moderak betreuten Forst gearbeitet und nahm als Treiber an den gräflichen Jagden teil. Ein guter Schütze war er noch dazu. Von der Jagd brachte er dann auch Innereien mit.

Über die gräfliche Familie wusste sie aus Berichten ihrer Mutter, das die Gräfin sehr nett und hilfsbereit, der Graf dagegen eher introvertiert und zurückhaltend gewesen sein soll. So unterstützte die Gräfin die Familie nach der Geburt der jüngsten Tochter, indem sie eine Zudecke und Kissen zur Mühle brachte.

Die beiden Söhne, Theodor und Achaz, arbeiteten vor dem 2. Weltkrieg auf den Feldern des Gutes mit, sie sollen freundlich und fleißig gewesen sein und die gleichen Arbeiten verrichtet haben wie die Gutsangestellten und Arbeiter. Sie bedauerten diese, weil deren Häuser nicht so komfortabel mit Bädern ausgestattet waren wie das Schloss. Die Arbeiter wuschen sich im Hof mit kaltem Wasser.

In dem Fotoalbum der Eltern fand sich auf der ersten Seite ein Bild der Gräfin. Unter welchen Umständen die Mutter dies erhalten hat, konnte meine Gesprächspartnerin nicht sagen.

Auguste Viktoria von Bismarck-Bohlen, geborene von Falkenhayn

Das Leben der letzten Besitzer, die im August 1936 von Buddenhagen auf den abseits gelegenen Viktoriahof gezogen waren, war sehr beschwerlich. Um nach Steinfurth oder Karlsburg zu gelangen, mussten sie in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts weite Wege, die gerade mal von Pferdewagen befahren werden konnten, zu Fuß überwinden, denn über Fahrräder verfügte man nicht. Nach Ende des Krieges wurde einer dieser Wege sogar kurze Zeit von russischen Panzern (von Pamitz oder Wahlendow kommend) in Richtung Züssow befahren und entsprechend zugerichtet. Noch in den 80er Jahren bezeichneten die Leute diese Strecke, die hinter der alten Gärtnerei nach Steinfurth führt, als “Panzerweg”.

Der Lehrer der Schule, ein SA-Mann, der immer in seiner gelben Uniform lief und bei den Kindern besonders gefürchtet war, überbrachte die Nachricht von Tod des Bruders. Die schriftliche Information, dass er in einem Einzelgrab beerdigt worden sei, stellte sich später als Lüge heraus. Das erfuhren Buggenhagens von einem Freund aus Pamitz, der verwundet zurückgekehrt war und also den Krieg überlebt hatte. Er berichtete, dass über die Gefallenen Erde geworfen wurde, und sie mussten weiter marschieren.

Strom und fließendes Wasser gab es zunächst nicht. Petroleumlampen waren lange Zeit die einzige Lichtquelle, wenn es dunkel wurde. 1962 starb der Vater und die Tochter musste allein mit dem großen Anwesen fertig werden, da auch die Mutter krank war. Schweine, Schafe und Gänse waren schon abgeschafft, nur vier Kühe und Hühner waren noch vorhanden.

Der Vater war Mitglied der SPD und gar nicht einverstanden mit der Vereinigung von SPD und KPD. In der SED wollte er nicht Mitglied sein. Auch als 1960 die LPG gegründet wurde, sperrte er sich – wie so viele – dagegen. Zu der Versammlung nahm er die Unterlagen, die ihn als Eigentümer auswiesen, mit. Er scheint diese dem Versammlungsleiter vor die Füße geworfen zu haben. Zwei Jahre später starb er dann. Mutter und Tochter wohnten noch bis Oktober 1969 auf dem Gehöft, welches zur Mühle gehörte. Dann zogen sie in die Baracke hinter dem Friedhof, auch unter dem Namen “am Eselsteich” bekannt. Dort wurde auch die Hochzeit gefeiert. Einige Zeit später – 1970 erkrankte die Mutter schwer – erhielten sie dann eine Wohnung direkt in Karlsburg.

Der Werdegang dieser Karlsburgerin soll hier kurz geschildert werden. Als junges Mädchen arbeitete sie auf dem Hof ihres Vaters in der Landwirtschaft. Als dieser 1962 starb, musste sie die Verantwortung für das Anwesen übernehmen. Mit der Gründung des Instituts für Diabetes wuchs in ihr der Wunsch Krankenschwester zu werden. Da sie aber in der Landwirtschaft arbeitete, war es ihr nicht erlaubt, von dort so ohne weiteres wegzugehen und eine Lehre zu beginnen. Sie suchte sich dann eine Arbeit in Spremberg, wo sie am Fließband heiße, tropfnasse und schwere Baumwolle in eine Schleuder bugsieren musste, eine schwere Arbeit, die allerdings gut bezahlt wurde – 400 Mark.

Bis Anfang der 60er Jahre arbeiteten noch Krankenschwestern aus kirchlichen Einrichtungen in Karlsburg (vergleichbar mit den Diakonissinnen). Dann suchte man dringend staatlich ausgebildetes medizinisches Personal und sie kam nach Karlsburg zurück, arbeitete zunächst als Reinigungskraft, da war der Verdienst mit 180 Mark ungleich geringer. Nach kurzer Zeit begann sie dann ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Stralsund.

Sie arbeitete auf verschiedenen Stationen, schließlich musste sie von 1983-1984 noch die Fachschwester für Dialyse und Nierentransplantation ablegen. Also setzte sie sich nochmals ein Jahr lang auf die Schulbank und schloss in Rostock diese Ausbildung ebenfalls erfolgreich ab. 1986 wurde sie krank und musste ihre Arbeit auf der Dialysestation aufgeben. Von da an arbeitete sie auf anderen Stationen.

Heute engagiert sie sich in der Kirchgemeinde Zarnekow, besucht die Gemeindemitglieder zu deren Geburtstagen.

Bläserkonzert im dem Steinfurther Treckerschuppen

Am 31. Oktober fand im Steinfurther Treckerschuppen Bläsermusik zum Reformationsfest statt. 17 Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores der Greifswalder Johannesgemeinde boten einen bunten Strauß von Swing über “eine feste Burg” von Martin Luther und klassischen Stücken bis zu “der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius. Beschwingt und erheitert ging das Publikum mit auch durch die unterhaltsame Moderation des Chorleiters Dr. Gerrit Marx.

Die Arbeit an der Steinfurther Kirchenruine geht 2021 weiter

Im Zuge der Aufräumarbeiten um das Ensemble der Steinfurther Kapelle und Kirchenruine herum wurden die vor zwei Jahren gefertigten Stufen nun in die Wendeltreppe zur Gruft eingebaut, sodass man wieder hinabsteigen kann. Es soll gar nicht so kompliziert gewesen sein wie gedacht.

Vom 21. bis zum 23. September arbeiteten 15 junge Freiwillige der Jugendbauhütte Mecklenburg-Vorpommern auf dem Areal der Kirchenruine. Ebenfalls am 21. erschien in der Ostseezeitung ein ausführlicher Beitrag zu den Aktivitäten in Steinfurth.

ein Beitrag von Petra Hase in der Ostseezeitung vom 21. September 2021

Innerhalb eines Tages haben die jungen Leute mit Hilfe schwerer Technik und Unterstützung vom Karlsburger Ortsvorsteher Christoph Hasenbank Erstaunliches geleistet. Im Innenraum der Kirchenruine wurden die oberflächlich liegenden Steine mit Hilfe eines Baggers entfernt und nach jeweiliger Beschaffenheit auf dem Gelände abgelegt.

Damit die Reste des Kirchturms eingerüstet werden können, wurde der Boden geebnet.
Das Fundament der Sakristei kam zutage, als das schmiedeeiserne Tor vom Gebüsch befreit wurde.
Reste des schmiedeeisernen Tors
Vor dem Kreuz, welches zentral auf dem gräflichen Friedhof hinter der Kapelle steht, wurden die nicht dort hin gehörenden Koniferen entfernt…
der Grabstein von Carl Bluhm

… und der Grabstein von Carl Bluhm geborgen, der Bursche von Theodor von Bismarck-Bohlen während seiner Zeit als Leutnant war und in Karlsburg dann zum Personal gehörte. Dieser Stein stützte den Grabstein des Grafen Friedrich Carl von Bismarck-Bohlen. Nun wird er in die Reihe der Angestellten zwischen Kapelle und Friedhofsmauer eingefügt, wo er ursprünglich wohl auch stand.

Das Tor, welches direkt zum Friedhof hinter der Kapelle führt, wurde freigelegt.

Nach der Bearbeitung
Die Bänke wurden freigeschnitten. Wo am Ende genau ihr Standort sein soll, muss noch entschieden werden.
An der Feldsteinmauer, die seitlich den alten Friedhof vom Nachbargrundstück trennt, wurde das Gestrüpp beseitigt.
ein Buschfund: wahrscheinlich Teil eines Grabkreuzes vom alten Friedhof um die Kirchenruine, gefunden im Gebüsch.

Spurensuche zu den Bismarck-Bohlen in Niederhof und Brandshagen

Ein Konzert in der Marienkirche von Brandshagen gab uns die Gelegenheit, den Innenraum zu besichtigen, wo Caroline und die nachfolgenden Generationen der Bismarck-Bohlen regelmäßig zum Gottesdienst gegangen sein müssen, und die Schwester Julie auch konfirmiert wurde.

Also machten wir uns auf den Weg, um zunächst dem Dorf Niederhof, welches sich ganz in der Nähe befindet, nochmals einen Besuch abzustatten, dem Sommersitz der Familie Bismarck-Bohlen.

Beim ersten Besuch hatten wir an einer Führung des Archäologen Gunnar Möller teilgenommen. Er hatte den Fokus mehr auf die Zeit gelegt, als das Gut sich im Besitz des Stralsunder Unternehmers Joachim Ulrich Giese befand.

Zunächst ging es den schon bekannten Weg am Standort des heute zerstörten Rokokoschlosses vorbei, die Reste des Fundaments suchend,

Kellerreste

zum Strand

Blick auf den Strelasund mit Strand

und dem ehemaligen von Helene von Bismarck-Bohlen (geb. am 27.09.1861 in Miechowitz; gest. 1933) erbauten Strandschloss,

Das Strandschloss mit Blick über den Strelasund Anfang des 20. Jahrhunderts …

… und heute

In der Chronik über Niederhof von Ingeborg Wagner heißt es zur Geschichte des Strandschlosses: am 14. Juli 1899 brennt das alte Haus am Strand, der Wohnsitz der meisten Arbeitskräfte des Hofes durch Blitzschlag ab. Die Gräfin v. Bismarck-Bohlen (Gräfin Lenchen) erbaut die drei Leute Häuser im “Schweizerstil” südlich der Koppel und für sich auf dem Platz des abgebrannten Hauses das neue Strandhaus, sehr hoch, dreigeschossiges Fachwerk mit rotem Schleppdach mit Blick auf den Strelasund.

Auf dem Rückweg besichtigten wir noch den ältesten jüdischen Friedhof an der Ostseeküste – sehr eindrucksvoll!

ALTER JÜDISCHER FRIEDHOF
Dieses Feld ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof an der deutschen Ostseeküste. Die verbliebenen Steine sind stumme Zeugen einer bewegten Geschichte. Zwischen 1776 und 1850 bestatteten Juden aus Stralsund, Greifswald und anderen vorpommerschen Orte[n], hier ihre Toten.
In ihren jeweiligen Heimatorten war ihnen in jenen Jahren das Bestatten verwehrt – hier allerdings, im damaligen Gut Niederhof ausdrücklich gestattet. Die Beerdigungsgesellschaften kamen zumeist mit kleinen Schiffen hier an, die am nahe gelegenen Ufer anlegten.
Wie viele Menschen hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, ist nicht bekannt – sicherlich aber mehr als die 1990 feststellbaren 60 Grabsteine und Reste von solchen.
Die Umfriedung, 1999 angelegt, schützt die noch verbliebenen 26 Grabsteine von hohem kulturhistorischen Wert sowie den 1964 errichteten Gedenkstein.
Landesverband jüdischer Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern

Immer noch waren wir auf der Suche nach dem aparten hochgezogenen Giebel im Schweizerstil.

Nachdem wir bei Dorfbewohnern erfolgreich nachgefragt hatten, ging es zurück zum Dorfanfang, wo eine Sackgasse rechter Hand zu den ebenfalls von Helene erbauten Schweizer Häusern führte, die sie für die Angestellten und Arbeiter errichten ließ, nachdem das alte Haus am Strand abgebrannt war. Aber auch hier fanden wir den bizarren Giebel nicht, wenn auch die Häuser im Schweizerstil hübsch anzusehen waren.

Die Schweizer Häuser, liebevoll restauriert

Auf dem Rückweg vom Strandschloss hatten wir linkerhand weitere Gebäude entdeckt. Nun wollten wir uns rückversichern, dass wir auch nichts übersehen hatten. Also fuhren wir nochmals Richtung Strandschloss, ein Platz neben dem Eingangstor des ins Visier genommenen Grundstücks lud zum Halten ein. Und die Besitzer waren auch zu sehen. Mit unserer Frage nach dem besonderen Giebel kamen wir ins Gespräch über das Schicksal desselben.

Da stellte sich heraus, dass der Gebäudeteil des Strandschlosses mit dem hochgezogenen Dach am Ende jedoch so marode war, dass er abgerissen werden musste. Wie Schade!

Wir wurden hereingebeten und da der Vater der Besitzerin, der Sohn von Ingeborg Wagner, gerade zu Besuch war, erfuhren wir von ihm einiges über die vergangene Zeit. Auch über die Kormorankolonie hatte er Interessantes zu erzählen. 1952 waren es acht Brutpaare, heute sind ungleich mehr.

Seine Mutter war als Gärtnerin auf dem Gut angestellt gewesen und hatte eine Chronik über Niederhof verfasst. Dass wir ihren Sohn kennenlernen durften, war eine besonders freudige Überraschung. Wir standen also auf dem Boden der ehemaligen Gutsgärtnerei. Ein altes Bienenhaus und Teile des Gewächshauses erinnern noch an Helenes Wirken und die vergangene Zeit. Überhaupt hat Helene wohl die deutlichsten Spuren im Ort hinterlassen.

Das alte Bienenhaus

Das alte Gewächshaus

Herr Wagner konnte sich noch gut an das Schloss erinnern, das nach dem Krieg von Flüchtlingen bewohnt war, durch einen Schornsteinbrand in Flammen aufging und die Feuerwehr im Morast stecken blieb und zu spät kam.

Das weiße Schloss am Meer

An anderer Stelle in der Chronik von Frau Wagner, die nicht veröffentlicht und leider nur im Stadtarchiv Stralsund einzusehen ist, wird ausführlicher über die Besitzer und Besitzerinnen wie die Großmutter und Mutter von Caroline von Bismarck-Bohlen sowie die Geschichte des Gutes erzählt, was im folgenden zitiert wird: Die nachfolgenden Käufer von Niederhof, Ernst Sebastian von Klinkowström, danach Frau von Normann verwitwete von Walsleben, haben im weißen Schloß gewohnt. Dort wurde auch die Hochzeit ihrer Tochter Caroline mit Ludwig von Bohlen gefeiert, die 1795 im Brandshäger Kirchenbuch eingetragen ist. Frau v. Normann hat bis zu ihrem Tode 1839 das weiße Schloss bewohnt. Danach ihre früh verwitwete Tochter Frau v. Bohlen. Auch sie haben viele Gäste im Schloss gehabt.

So erzählt man aus der französischen Besatzungszeit 1806, daß die französischen Offiziere im Schloss gewohnt haben und auf Wunsch der Besitzerin den Hauptweg, in den man vom Balkon hineinsehen konnte, haben verlängern lassen, damit man den Strelasund nach Osten zu beobachten konnte. Da werden wohl zwei Wünsche gleichzeitig erfüllt worden sein. Der militärische Vorteil lag darin, schon frühzeitig die vom Greifswalder Bodden hochkommenden Schiffe ins Visier zu bekommen und sie dann von einem eigens stationierten Boot anhalten zu lassen. Es war die Zeit der Kontinentalsperre und jeder Seehandel mit England mußte unterbunden werden.

Da nach dem Wiener Kongreß Rügen und Vorpommern an Preußen kamen, wundert es auch nicht, daß ein preußischer König Friedrich Wilhelm IV. die Gräfin Bohlen besuchte, nachdem er einen Kuraufenthalt in Putbus beendet hatte. Eine Tafel mit diesem historischen Ereignis soll noch lange an der Linde auf dem Lindenberg gehangen haben.

Als Nachfolgerin der Carola [Caroline] v. Bohlen erhielt deren Enkelin, die Schwester des Grafen Alexander [Fritz] von Bismarck-Bohlen den Nießbrauch an Niederhof. Es war Carola [Caroline] v. Malorti[e], auch früh verwitwet, die Jahr für Jahr im Sommer im weißen Schloß mit ihren Kindern und Enkeln wohnte. Von ihr ist ein Gästebuch erhalten mit vielen Handzeichnungen und vielen Namen. Dieses wurde bis 1880-1907 geführt. 1900 hatte ihre Nichte Helene v. Bismarck-Bohlen nach dem großen Brand des “Alten Hauses am Strand” den Nießbrauch an Schloß, Park und Gut abgelöst (ausgezahlt).

Für die vom Brand Betroffenen baute sie am Anfang des Dorfes neue Häuser und für sich auf der Brandstelle das Strandhaus. Das weiße Schloß wurde renoviert, Zentralheizung eingebaut, neue Fenster eingesetzt und dann zunächst an eine Schwägerin [Nichte Paulina, Tochter von Fritz Ulrich und Elisabeth] die mit v. Dürkheim verheiratet war, vermietet. Auch sie haben mit vielen Gästen dort gelebt und Schloß und Park in guter Ordnung gehalten. Nach ihrem Fortgang wurde das Schloß an einen Herrn v. Klinkowström vermietet, der es wohl bis zum Anfang des Krieges bewohnt hat. Besitzer von Carlsburg und Niederhof war seit 1916 Graf [Fritz] Ulrich v. Bismarck-Bohlen. Als Ehrensenator der Universität Greifswald erlaubte er während des Krieges seine Schlösser zum Auslagern von Kunstschätzen und Bibliotheksbeständen zu benutzen. So war der berühmte Croy-Teppich zeitweilig in Carlsburg. Die klassischen Gipsabdrücke und viele Bücher lagen in Niederhof. Das weiße Schloß war schon ganz mit Efeu bewachsen, als mit Ende des Krieges Flüchtlinge aufgenommen wurden. In jedem Zimmer wohnte eine Familie. Die Zentralheizung funktionierte nicht und man sah aus vielen Fenstern Schornsteinstutzen von Kochherden herausragen. … Und so ist dann das Unglück passiert. Am 6. November 1947 Abends brach das Feuer aus.

Wie konnte ein Schloß aus Steinen gemauert so restlos abbrennen? Es war ein Unglück. In einem Kabinett war unter dem Schlepprohr aufgestapeltes Holz in Brand geraten. Die Panik unter Kindern und Müttern war groß. Der Weg zum Telefon, dem Postamt in Brandshagen, war weit. Die erste ankommende Feuerwehr blieb in dem unwegsamem Morastweg stecken. Eine zweite Feuerwehr, mühselig von Brandshagen aus angefordert, mußte erst die steckengebliebene aus dem Sumpf ziehen und erst dann konnte gelöscht werden. Nach getaner Arbeit fuhren die Feuerwehren wieder nach Hause. Aber ohne die notwendige Feuerwache glomm das Verderben weiter. Alles Brennbare ist im Laufe vieler Tage und Nächte neu entflammt, wurde gelöscht und brannte immer wieder, bis wirklich nur noch Steine und Metallteile übrigblieben.

Es war gut, daß die Universität ihre Bestände an Büchern und Gipsfiguren schon vorher abgeholt hatte. So sind doch unwiederbringliche Schätze erhalten geblieben. …

Anschließend ging es weiter nach Brandshagen, wo wir in der Kirche ebenfalls einige Zeugnisse der Familie von Bismarck-Bohlen entdecken konnten.

Ein schon sehr verblasster Wandteppich auf der linken Seite des Altarraumes zeigt die Wappen der Familie von Below (Pauline, die Frau von Friedrich von Bismarck-Bohlen, Sohn von Caroline, war eine geborene von Below), der Familie von Bismarck-Bohlen, der Familie von Tiele-Winckler (Helene, die Frau von Friedrich Carl von Bismarck-Bohlen, war eine geborene Tiele-Winckler) sowie der Familie Ramelow (?).

Auf der rechten Seite hängt ein weiterer Teppich in ähnlichem Zustand.

Das Wappen rechts gehört der Familie Behr-Negendank (die Mutter des letzten Grafen, Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen, war eine geborene Behr-Negendank)

Und ziemlich versteckt links unter der Orgel entdeckten wir einen Text an der Wand unter dem Gemälde mit einer Christusfigur:


Zum Gedächtnis des Patrons dieser Kirche, des Grafen Friedrich Carl von Bismarck-Bohlen liess seine Witwe, Gräfin Helene von Bismarck-Bohlen, geborene von Tiele-Winckler in den Jahren 1905-1906 dieses Gotteshaus im Innern erneuern. Die Maler Max Kutschmann und Albert Leusch in Friedenau, sowie der Architekt Hans Teichen in Breslau, führten das Werk aus; dazu die Handwerksmeister des Orts: Wilhelm Duchert, Ludwig Koch, Wilhelm Rabe, Wilhelm Schenk. Pastor war Ernst Schlapp, der Küster Ludwig Schumacher, Kirchenälteste: von Spalding, Hecht, von Russdorf, Friderici, Meinke, Freese.

Das Konzert war dann der Höhepunkt unseres gestrigen Ausflugs. Wunderbar!

Die Carlsburger Güter – drei Wanderungen: 3. Von Karlsburg nach Groß Jasedow

Mit dem Fahrrad kommt man von Norden über mindestens zwei Wege nach Groß Jasedow. Von Karlsburg aus führt nach einer Karte, um 1900 herausgegeben, ein Privatweg hinter dem Schlosspark durch den Karlsburger Wald in das Dorf. Eine zweite Möglichkeit ist, über die B109, kurz bevor der Wald in Richtung Anklam endet, nach Groß Jasedow zu gelangen. Und von Süden kann man als drittes den Ort über Klein Bünzow erreichen.

Auf dem Weg nach Groß Jasedow von der B109 aus

In Richtung Privatweg nach Karlsburg

Der Privatweg von Karlsburg aus nach Groß Jasedow

Durch den Wald

an Feldern entlang

Carlsburg früher Gnatzkow genannt, scheint seit sehr langer Zeit immer mit Gr. Jasedow und einem Theile von Steinfurt vereint gewesen zu seyn, ist im Hausbuch der Grafen von Bismarck-Bohlen zu lesen. Unter der Rubrik “Gebäude” wird Groß Jasedow 1811 zum ersten Mal im Hausbuch erwähnt, war aber schon in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im Besitz von Carl Heinrich Behrend von Bohlen. Bis 1945 gehörte das Dorf dann zum Karlsburger Gut.

Der ehemalige Schweinestall, 1899 erbaut
Welche Mühe hat man sich auch bei solch einem Zweckbau gegeben: der Schweinestall

Das Relief eines Schweinekopfes in gutem Zustand in Ranzin – im 19. Jahrhundert Mustergut des Friedrich von Homeyer- zu finden
So oder ähnlich könnte der Schafstall ausgesehen haben (hier ein Beispiel ebenfalls aus Ranzin)

Das Jasedower Gutshaus

Der Dorfteich

Neben dem Schweinestall gab es in Groß Jasedow auch einen Schaf- und einen Pferdestall

ein Wohnhaus

Zum Abschied noch ein wunderbarer Sonnenuntergang

Die Nachtigall

Man stelle sich vor: es ist ein schöner und milder Frühlings- oder Sommerabend, ein laues Lüftchen weht. Noch ist es nicht dunkel. An einem weit geöffneten Fenster im Karlsburger Schloss sitzt eine Frau, die einen Brief schreibt oder in einem Buch liest. Nun kommt die Nachtigall respektive der Sprosser (siehe Youtube) ins Spiel. (Augenscheinlich unterschied man im 19. Jahrhundert landläufig nicht zwischen Nachtigall und Sprosser)

Immer wieder beschreibt Caroline die wunderbare Stimmung, in die der Gesang sie versetzt. In ihrer Lebensbeschreibung schildert sie ihren Kindern die Einrichtung des Schlosses, als sie mit Eltern und Schwester in Karlsburg ankam. Das Cabinet war mit dunkelgrünem Damast tapeziert u hatte ein Sopha u 2 Stühle mit demselben Stoff überzogen, ein émail Tisch stand davor. Das Bild der Königin v. Schweden hing darin u waren in den Ecken étagèren mit dem Kaffee u Thee service, was jetzt in der weißen Galerie. Nachtigallen wurden darin gehalten. In der damaligen Zeit war es Mode, Nachtigallen in Käfigen zu halten. Das ging teilweise so weit, dass ganze Populationen ausgerottet wurden. In Carolines Briefen ist davon aber nicht mehr die Rede. An dieser Stelle soll Caroline selbst zu Wort kommen und ihre Liebe zum Gesang der Nachtigallen.

04.06.1817 Carlsburg an ihren Verlobten Theodor von Bismarck: Der Abend ist wunderschön ich höre die Nachtigall schlagen, mit welchem Vergnügen würde ich spazieren gehen, wären Sie da! Wie ein einziger Mensch mehr oder weniger alles verändern kann, verherrlichen oder verzaubern, freylich kömmt es ganz und gar auf seine Individualität dabey an, denn hunderte und tausende könnten mir den Einzigen nicht ersetzen[,] an den ich jezt schreibe. Heute vor 8 Tagen war der lezte[,] den Sie hier zubrachten, wie froh bin daß sie vergangen sind! Übermorgen entferne ich mich auch von Ihnen, es scheint[,] als wenn wir noch nicht weit genug von einander wären, das Meer soll wenigstens nicht zwischen uns treten – die Nachtigall schlägt hier unter dem Fenster im Cyrenengebüsch, o könnten wir Sie doch zusammen hören! –

Am 26.04.1818 schreibt Caroline, die sich von Breslau kommend auf dem Weg nach Karlsburg mit Zwischenstopp in Frankfurt/Oder befindet, an Theodor: Bei Neustädtel hörte ich die erste Nachtigall, sonst ist der Unterschied groß[;] wie viel grüner es um Breslau ist wie hier, bey dem herrlichen Wetter ist es dort gewiß schon alles grün, ich konnte gar kein besseres wünschen, wir leiden nur von der Hitze.

In Karlsburg angekommen, heißt es in einem Brief an Theodor: Gestern Nachmittag war der Pastor mit seiner Frau hier, leztere hatte ich schon vor der Kirche begrüßt[;] sie nennt mich noch immer Carolinchen so wie der Carl [ein langjähriger Angestellter im Schloss] auch den ersten Tag, was mich sehr amüsiert; sonst könnte ich es nach gerade übel nehmen wenn man mir den Frauen Titel versagt, der alte Pastor freute sich sehr mich wiederzusehen, u nachdem sie weg waren[,] spazierten wir noch im blühenden grünenden Garten, der mich so an unsern Brautstand erinnert, jetzt ist oder wird es aber doch noch besser seyn, die Nachtigall hat sich nicht wieder eingefunden, heute weht es wieder so sehr, so daß wir erst gegen Abend gehen werden.

Und wenig später geht ein weiterer Brief an Theodor ab: Nach Niederhof reisen nur die Mutter ich, Jüngel [der Neffe] mit seiner Amme u Christine [eine langjährige Angestellte], im August denke ich[,] bleibt es bey unserer Rügenschen Reise, die wir schon sehr lieblich entworfen! Mit der Gr[oß]mutter bin ich jetzt auf dem besten Fuß[,] auf den wir seyn können; wie schön es hier wieder ist[,] kannst Du Dir von vorig Jahr her erinnern, alles blüht, der Flieder, die Apfelbäume, aber die Nachtigall schweigt.

Am 26. Mai 1818 meldet sie aus Niederhof an Theodor: Jetzt wohne ich mit der lieben Mutter zusammen, so wie Du hier einst warst, ich habe die Nacht sehr gut geschlafen, u bin nicht im geringsten angegriffen, sondern befinde mich vortrefflich, heute Morgen saßen wir im Park, denn es ist herrliches Wetter[,] hörten die Nachtigall, u haben die Leonie de Montbreuse [von der französischen Romanschriftstellerin Sophie Gay] angefangen.

Weiter unten fährt sie fort: Die Gr[äfin] Putbus fuhr nach dem Thee wieder weg, u die Mutter[,] Fikesche u ich gingen den schönen Abend noch spazieren u hörten die Nachtigallen schlagen, welche mich an Dich so lebhaft erinnerte[,] die ich zulezt mit Dir hatte schlagen hören.

Ein Jahr später wieder im Mai weilte Caroline kurz vor ihrer Entbindung von ihrer Tochter abermals bei den Eltern in Karlsburg und schwärmt ihrem Mann vom wunderbaren Gesang der Nachtigall vor. Guten Tag mein theurer geliebter Theodor, denke[,] wie angenehm wir heute durch eine Nachtigall[,] die sich gerade unsern Fenstern gegenüber etablirt hat[,] überrascht worden sind, sie schlägt herrlich. Und weiter unten: Alle finden mich so sehr viel kräftiger u beweglicher wie das vorige Jahr, ich selbst finde den Unterschied aber auch sehr groß, u ganz zum Vortheil des jetzigen, wie schön schlägt die Nachtigall! Ich höre sie immer an meinem Schreibtisch. Dieser Platz soll noch zu morgen früh bleiben, jetzt küsse ich Dich vielmal mein Geliebter u verlasse Dich ungern einen anderen Br[ief] zu schließen.

Immer mal wieder streute sie in ihren Briefen auch das Fehlen des Nachtigallengesangs ein: Die Nachtigall hören wir gar nicht.

Nicht nur in der ersten Zeit ihrer Ehe erinnert Caroline ihren Mann an das Schlagen der Nachtigall, welches ähnlich wie das Veilchen Sinnbild ihrer Verbundenheit und Liebe war. Aus Berlin berichtet sie im Jahre 1850: Da bin ich aus der Kirche, wo ich eine ziemlich nüchterne Predigt gehört, der Rückweg durch den grünenden Thiergarten, durch die Blumenpartieen … Die schlagenden Nachtigallen darin, das war das Erhebenste. Ich ging mit dem guten Below [der Schwiegervater von Fritz] allein, seine Damen warteten im Zuge vor der Kirche auf die Münster [eine Gräfin], das konnte er u ich nicht gut vertragen, darum alliirten wir uns.

Am 09. Juni 1854 berichtete sie Theodor aus Karlsburg: Heut Morgen hatten wir einen schönen Regen, nur zu wenig, danach schlugen die Nachtigallen wieder so schön!

An Fritz schreibt sie im Mai 1855, auf der Durchreise von Uenglingen aus: Die Nachtigall schlägt auch hier dicht unter meinem Fenster zu meinem großen Vergnügen;

Und in Hannover bei ihrer Tochter angekommen beginnt sie einen Brief Pauline so: Bei dem Schlag der Nachtigallen unter meinen Fenstern ergreife ich die Feder, meine geliebte Pauline! nur werden die lieblichen Sänger eben durch eine Marktharfe von der andren Seite übertönt.

In einem anderen Brief an Pauline vergleicht sie die Stimme ihrer Schwiegertochter mit der der Nachtigall: Deine Heiserkeit bedauere ich ungemein, u doppelt für Deine süße Nachtigallenkehle, …

In einem Brief vom 29.04.1857 verheißt sie Theodor nach einem schlechten Tag das Glück, möglicherweise eine Nachtigall zu hören: Den lieben Kindern schickte ich einen Schinken, der hoffentlich glücklich angekommen, u drückte ich da schon mein Bedauern aus über den unglaublichen Unstern der Dich d. 23ten verfolgt, an dem Tag würde ich keine Reise mehr unternehmen, schon das Wetter war ganz umgewandelt. Dagegen wirst Du es heut in Uengl.(ingen) gewiß schon recht hübsch haben, u vielleicht sogar die Nachtigall hören.

Der letzte Brief vom Mai 1858, aus dem hier zitiert werden soll, ist von Theodor an Fritz gerichtet. Drei Monate zuvor war Caroline in Venedig gestorben: Seit einigen Tagen haben wir nach recht vielen Regen, sehr schönes warmes Wetter und alles fängt an prächtig zu grünen. Mehrere Nachtigallen schlagen im Garten und ich schreibe bei offenem Fenster. Über die Nachtigallen freute sich die theure Mutter immer so und pflegte auch Abends am offenen Fenster sie zu belauschen und jetzt – Ach mich erfreut doch nichts mehr ohne sie?

Galerie zum Karlsburger Schlosspark

Historisches Wehr

Flora mit dem Karlsburger Schloss von der Parkseite aus gesehen

alte Platanen

Gelbblühende Kastanie

Verborgene Plätze

Der Menhir im Park unweit der Bundesstraße 109

Zwei Sonnenuhren sowie das Wappen der Familie von Bismarck-Bohlen
Der ehemalige Eiskeller. Heute vielleicht ein Fledermausdomizil

Der Schlossteich, früher führte eine weiße geschwungene Holzbrücke- ganz in englischer Manier- auf die kleine Insel

Die Liebesinsel

Friedrich Carls Höhe – von Fritz Ulrich 1902 aufgestellt – heute von Wald umgeben. Ende des 19. Jahrhunderts wahrscheinlich eröffnete der Platz einen direkten Blick auf das Schloss
Karlsburger Schloss von der Parkseite

Winterliche Impressionen

Die Carlsburger Güter – drei Wanderungen: 1. Durch den Karlsburger Schlosspark und den sich anschließenden Wald

Die Wanderung beginnt an der B 109 schräg gegenüber der alten Gärtnerei (siehe obiges Foto). Nach wenigen Metern eröffnet sich eine herrliche Ansicht – wie es sich für einen Park in englischer Manier gehört.

Flora mit dem Karlsburger Schloss von der Parkseite aus gesehen

Kurze Zeit später gelangt man an einen Graben, der den Park umfließt, sofern der Wasserstand und die Verkrautung es zulassen,

Herrschaftlicher Graben am Rande des Parks

sowie an ein historisches Wehr.

Ein altes zum Graben gehöriges Wehr

Geht man am Wehr vorbei Richtung Schloss, sieht man rechterhand – nicht weit von der Bundesstraße – einen Menhir,

Menhir mit Blick auf das Schloss

der wahrscheinlich bei der Umgestaltung des Schlossparks Mitte des 19. Jahrhunderts aufgestellt und ins rechte Licht gerückt worden ist. Gefunden wurde er eher um Steinfurth herum. Hält man sich links, überquert man einen weiteren Graben, und befindet sich im inneren Teil des Parks.

Blick vom Schloss aus

Geht man am Schloss vorbei und folgt dem Weg in den Park kommt man zunächst am Eiskeller vorbei

der Eiskeller, wahrscheinlich eine Fledermausherberge

wenige Meter entfernt gelangt man an ein romantisches Gewässer mit einer Insel – der sogenannten Liebesinsel – die vor einigen Jahrzehnten noch über eine weiße geschwungene Holzbrücke erreichbar war.

Der Schlossteich

Die Liebesinsel

Nach diesem Abstecher – wiederum mit einer schönen Aussicht auf das Schloss – geht man weiter durch das Lustholz – den Teil des Karlsburger Waldes, der sich hinter dem Schlosspark erstreckt und sowohl die damaligen Bewohner und Bewohnerinnen des Schlosses als auch ihre Gäste bei schönem Wetter zum Lustwandeln einlud. Auf der rechten Seite befinden sich der Carolinen-Horst, benannt nach Caroline erste Gräfin von Bismarck-Bohlen, und linkerhand die Friedrich Carls Höhe,

Friedrich Carls Höhe

leicht zu erkennen an dem riesigen polierten Granitstein mit goldener Inschrift. Zur Erinnerung an das kurze aber sehr segensreiche Wirken des Grafen Friedrich Carl und der Gräfin Helene B.B. wird 1902 von dem Nachfolger [Fritz Ulrich] im Besitze auf der Friedrich Carls Höhe ein großer roter polirter Granitblock mit dieser Aufschrift errichtet. Der Stein war ganz in der Nähe – bei Theodors Lust – gefunden worden. Die Bearbeitung erfolgte zu Wolgast durch die Deutsch-Schwedischen Granitwerke.

Nicht-Sicht Richtung Schloss

Steht man mit dem Rücken zum Stein, könnte man vielleicht das Schloss sehen, wäre die Sicht nicht zugewachsen. Als der Gedenkstein Anfang des 20. Jahrhunderts aufgestellt wurde, regte die vorhandene Sichtachse zum Schloss Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen sicher dazu an, ihn genau an dieser Stelle zu platzieren.

Geht man weiter Richtung Bollbrücke, die über die Mehlbeck oder niederdeutsch Mehlbeke führt,

kommt man an Theodors Lust-Horst vorbei, benannt nach Theodor erster Graf von Bismarck-Bohlen. Er und seine Frau haben nach Übernahme der Güter viel zur Gestaltung des Parks oder auch der ländlichen Umgebung getan, seien es die Pflanzungen von Lindenalleen oder die kilometerweiten Steinmauern, die noch heute die Landschaft um Karlsburg und Steinfurth prägen.

Blick von der Bollbrücke auf die “alte Wiese”

Der alten Wiese schließt sich der Helenen-Horst an, benannt nach der Frau von Friedrich Carl, die sich sehr um die Modernisierung des Schlosses verdient gemacht hat. Auch das schmiedeeiserne Tor verdanken wir ihr. Sie fertigte den Entwurf dafür.

Waldweg zur Spinne

Man verlässt die Bollbrücke Richtung Spinne – Spinne deshalb, weil von dieser Stelle 5 Wege abgehen. Hier einige Ansichten.

Ein unter Naturschutz stehender ziemlich alter Lebensbaum
unweit der Spinne befindet sich ein Kesselmoor

Der Rastplatz

nicht weit von der Spinne stößt man auf einen sogenannten Duellstein. Hinter F. v. H. könnte sich der Name Friedrich von Homeyer (1824-1898) verbergen, was aber nicht gewiss ist.

Inschrift: F. v. H. 4.8.1848

Über den Jasedower Privatweg oder auch am Helenen-Horst vorbei den Waldweg entlang erreicht man dass Schloss wieder.

Gemälde aus dem Barocksaal des Karlsburger Schlosses

Die Gemälde aus dem Karlsburger Barocksaal befinden sich zur Zeit im staatlichen Museum Schwerin.

Ernst Friedrich von Bismarck
auf Schönhausen
als Cornet
1728 – 1757

Carl Heinrich Behrend Graf von Bohlen
Kgl. Schw. Kammerherr u. Schlosshauptm. 1705 – 1757

Curt Christoph Graf von Schwerin Feldmarschall
1684 – 1757

Friedrich I
König von Schweden
1676 – 1751

Unbekannt

Caroline Elisabeth Gräfin von Bohlen
geb. von Walsleben
1781 – 1857

Friedrich Ludwig Graf von Bohlen
chur-Hess. Hofmarschall
1760 – 1728
Caroline Gräfin von Bismarck-Bohlen 1798 – 1858