Der Steinfurther Musiksommer ist gestartet

Der Steinfurther Musiksommer wurde eröffnet von Fabian Suske Piano&voice.

Am vergangenen Wochenende (6.+7. August) gab es zwei Konzerte “Von der Heilkraft der Musik” mit Installationen von Mathias Bartoszewski, die genial mit den Kompositionen von Elisa Bartoszewski harmonierten, ebenso die Instrumente: Elisa Bartoszewski Piano/Orgel; Lilly Paddags Saxophon; Maria Matilla Cello; Fabian Suske Gitarre/Orgel. Die Spiel- und Improvisationslust wurden vom Publikum mit viel Beifall aufgenommen.

Am kommenden Samstag, dem 13. August, wird Doris Hädrich, am Piano begleitet von Kerstin Simon, unter dem Motto “Sehnsucht nach Italien” das Publikum auf eine musikalische Reise mitnehmen.

Weitere Veranstaltungen:

20. August, 19 Uhr: Klavierkonzert Janita-Madeleine Wiesbacher “Von Bach über Schumann bis Debussy”

27. August, 19 Uhr: Songs und Geschichten mit Erika Spencer Klavier und Gesang: alternativer Pop mit Einflüssen aus Jazz und Chanson

3. September, 19 Uhr: Maja Taube Harfe Solo: vom rauschenden Harfenklang bis hin zur fremdartigen Schönheit eines mit Filz, Kork und Nylonstrümpfen präparierten Instruments

4., 10. und 11. September, 19 Uhr: Von der Heilkraft der Musik

16., 17. und 18. September, 19 Uhr: Balance: Improvisationskonzert und Tanzperformace Barbara Buck – Choreographie; Mathias Bartoszewski – Installation und visuelles Konzept; Sophie Hauenherm – Tanz; Elisa Bartoszewski – Orgel/Klavier; Lilly Paddags – Saxophon

24. September, 19 Uhr: “No war” Klavierkonzert mit Eva Maria Schachtschneider 24 Pieces for Children op. 25 von viktor Kosenko; 2. Klaviersonate von Sergej Rachmaninow und 4. Klaviersonate von Sergej Prokofjew

25. September, 19 Uhr: “Von der Heilkraft der Musik”

Landleben: Die Aufsiedlung Steinfurths in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und die Erinnerungen des August Müller an diese Zeit

1934 hatte sich Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen ob seiner angespannten wirtschaftlichen Lage entschlossen, seine Groß Jasedower und Steinfurther Ländereien an die Pommersche Siedlungsgesellschaft Stettin zu verkaufen und damit das Fideicomiss, welches seine Urgroßeltern begründet hatten, aufzulösen. Das bedeutete eine enorme Veränderung für das Steinfurther Rittergut.

Bestand das Dorf bis zur Aufsiedlung 1935 neben dem den Ort bestimmendem Ensemble von Kirchenruine und Grabkapelle,

Kirchenruine mit Begräbniskapelle

aus wenigen strohgedeckten Katen,

zwei der noch erhaltenen Rauchkaten
Die Ruine des dritten Strohkatens

dem Gutshaus, der linke Teil zerfällt leider zunehmend,

Der verfallene Teil des Gutshauses mit Viehstall

Der hintere Teil des Kuhstalles, der zum Steinfurther Gut gehörte, wurde bei der Besiedlung dem Resthof zugeschlagen.

einem Gemeindehaus mit vier Wohnungen für Landarbeiter

Das 1911 von Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen für das abgebrannte sogenannte Kloster erbaute Haus mit vier Wohnungen
Aus dem Hausbuch der Bismarck-Bohlen: Steinfurth. An Stelle des im März 1910 niedergebrannten 4wohnungs Hauses „das Kloster“, entsteht in der Nähe, rechtwinklig zum Grundriss des alten Hauses gelegen ein großes 4wohnungs Haus, in seiner äußeren Gestalt völlig nach dem Plane des Grafen Friedrich Klinkowström, Leutnant im 3. Garde-… Rgt.- eines Vetters von Fritz Ulrich, errichtet. In seinem Mittelgiebel enthält das Haus außerdem zwei einzelne Stuben. Die Ställe des Klosters wurden reparirt und können weiter genutzt werden.

sowie dem Forsthaus,

Das Forsthaus, 1830 erbaut

so wurden nun von einer Wolgaster Baufirma neue Siedlerstellen, alle in gleicher Art und Güte mit geringen auflockernden Variationen, errichtet.

Einige der zu den Siedlerhäusern gehörenden Scheunen
Siedlerhaus mit Scheune
Die Stallseite eines anderen Siedlerhauses: im Vordergrund war die Tür zur Futterküche, die hintere Tür führte zur Toilette

Im Pommerschen Landesarchiv kann man Unterlagen über die Landvergabe unter dem Stichwort “Kulturamt Greifswald” einsehen, z. B. solche, die die Aufsiedlung Steinfurths und vieler anderer Ortschaften in der Umgebung dokumentieren.

Es findet sich neben der Baubeschreibung einer Siedlungsstelle auch Schilderungen der örtlichen Verhältnisse des Dorfes in Vorbereitung auf die geplante Besiedlung unter dem Titel “Kurze Beschreibung der örtlichen Verhältnisse zum Dorfbebauungsplan von Steinfurth, Kreis Greifswald”, verantwortet vom damaligen Kulturamt Greifswald. Einmal wird der Istzustand beschrieben, zum anderen werden detailliert die Pläne für die vorgesehenen Siedlerstellen und die weitere Entwicklung des Dorfes dargelegt. [LAG Rep 81a 329 Steinfurth]

Zunächst werden die im Dorf lebenden Bewohner genannt, welche im Einteilungsregister vom 5.11.1934 aufgelistet sind.

Vor der Besiedlung gab es in Steinfurth 8 Wohnhäuser mit 15 Wohnungen u. 16 Haushaltungen. 23 Häuser wurden neu gebaut.

  • 1 Gutshaus mit 1 Wohnung mit 2 Haushaltungen
  • 1 Arbeiterhaus mit 1 Wohnung mit 1 Haushaltung
  • 1 Arbeiterhaus mit 2 Wohnungen mit 1 Haushaltung
  • 1 Arbeiterhaus mit 2 Wohnungen mit 2 Haushaltungen
  • 1 Arbeiterhaus mit 2 Wohnungen mit 2 Haushaltungen
  • 1 Arbeiterhaus mit 2 Wohnungen mit 1 Haushaltung
  • 1 Försterhaus mit 1 Wohnung               Reichsforstverw. mit 1 Wohnung
  • 1 Arbeiterhaus mit 4 Wohnungen die Landgem. mit 4 Wohnungen

In Steinfurth wohnhafte Familien:

  1.  Fischer, Hans 3 Pers. Statthalter zieht voraussichtlich zum 1.7.35 fort
  2.  Meyer, Ernst 2 Pers. Deputant, kommt als Siedler nicht in Frage
  3.  Pieritz, Karl 3 Pers. dsgl.
  4.  Hannemann, Karl 3 Pers.  beabsichtigt zu siedeln
  5. Oestreich, Friedrich 2 Pers.            kommt ins Gemeindehaus
  6. Fürst, Wilhelm  2 Pers. dsgl.
  7. Buggenhagen, Friedrich 1 Pers.  bewohnen zus. 1 Wohnung
  8. Schreiber, Franz 5 Pers.       Freiarbeiter zieht voraussichtlich fort
  9. Ladwig, Hermann  2  Pers.           zieht zum 1.5.35 fort
  10. Albustin, Erwin 8  Pers. zieht voraussichtlich fort
  11. Schmidt, Ernst 4 Pers. dsgl.
  12. Riek, Ernst 5 Pers. zieht voraussichtlich zum 1.4.35 fort
  13. Rüberg, Friedrich 2 Pers.  Rentner   Ortsarmer
  14. Grösch, Johann 2 Pers.       
  15. Podeswa, Paul 6 Pers. Vorschnitter wird wahrscheinlich Siedler
  16. Albustin, Erich 1 Pers. lediger Knecht  15 Jahre alt
  17. Verwalterhaus (früher Försterei)

Das Siedlungsgebiet liegt im östlichen Teil des Kreises Greifswald, ca. 2 km Landweg östlich der Hauptchaussee Anklam – Greifswald.

Die Verkehrs- und Absatzlage ist mittelgut. Die nächste Stadt Anklam ist 14 km, die Kreisstadt Greifswald 23 km, wovon 2 km auf einen Landweg entfallen, vom Objekt entfernt. Der Bahnhof Karlsburg an der Strecke Züssow – Wolgast liegt 3 km vom Objekt entfernt.

Die Schule für das Siedlungsgebiet befindet sich in Karlsburg. Sie ist einklassig, fasst etwa 60 Kinder und wird zurzeit von 32 Kindern besucht.

Die Kirche und Pfarre befinden sich in Zarnekow. Zum Kirchspiel gehören die Kirchengemeinden Karlsburg, Lühmannsdorf und Wrangelsburg.

An öffentlichen Wegen sind vorhanden:

  1.  Die Dorfstrasse
  2. Der Landweg zum Bahnhof Karlsburg, 
  3. Der Landweg durch die Karlsburg’er Forst zur Hauptchaussee Anklam – Greifswald
  4. Der Landweg nach Wahlendow,
  5. Der Landweg nach Buddenhagen,
  6. Der Landweg nach Giesekenhagen,
  7. Der Landweg von der Hauptchaussee Anklam – Greifswald abzweigend nach Giesekenhagen.
Die Steinfurther Dorfstraße im Sommer
… und im Winter
Der Landweg zum Bahnhof Karlsburg im Winter
… und im Sommer
Der Knüppeldamm zum Karlsburger Bahnhof
Der Landweg durch den Karlsburger Forst zur Hauptchaussee Anklam – Greifswald
linkerhand findet man den im Wald gelegenen Platz der ehemaligen Karlsburger Mühle
Der Landweg nach Wahlendow
Der Landweg nach Buddenhagen durch den Steinfurther Wald
Historischer Wegweiser: Landweg nach Giesekenhagen
  • Bodenverhältnisse: Das Ackerland ist meist eben und gehört der IV. bis VII. Bodenklasse an.                                
  • Die Wiesen und Weiden sind nur mittelmässig, jedoch verbesserungsfähig.                          Das Verhältnis Grünland : Ackerland ist etwa 1:10.

Vorhandene Gebäude: Die Gebäude sind meist sehr alt und befinden sich mit wenigen Ausnahmen in einem sehr mässigen Bauzustande.

Baugrund: Der Baugrund für die Neubaustellen ist gut.

Wasserverhältnisse:  Die Wasserverhältnisse sind günstig. Trinkwasser ist in etwa 10 bis 20 m Tiefe aufzufinden.

Aufteilung: Im Hinblick darauf, dass der Gutshof in der Südostecke des Siedlungsgebiets liegt, weiter im Norden und Süden hart an das alte Dorf ein umfangreiches Niederungsmoor grenzt, war eine unmittelbare Dorferweiterung nur nach Osten und Westen hin möglich. Unter den vorliegenden Verhältnissen musste somit für einen Teil der neu zu begründeten Bauernstellen ein neuer Ortsteil gebildet werden.

Mit Rücksicht auf die Verkehrslage, die Lage der Schule und die Geländeverhältnisse kam hierfür nur der Landweg zum Bahnhof Karlsburg als zweckentsprechende Aufbaustrasse in Frage.

Der neue Ortsteil beginnt etwa 200 m westlich des alten Dorfes. Er ist rund 550 m lang und liegt zu den bisher sehr entfernten Aussenschägen äusserst vorteilhaft. Hierbei konnte auch der Wirtschaftlichkeit der neuen Bauernhöfe in erhöhtem Masse Rechnung getragen werden. Ausserdem werden günstige Bauernhofstellen geschaffen, die trotz der weiträumigen Anlage in einem Jahrzehnt sicher den Eindruck eines geschlossenen Ortsteiles geben werden.

In Aussicht genommen ist die Begründung von 29 Stellen und zwar:

1 Grossbauerstelle 1 Bauernstelle 25 Bauernstellen  2 Handwerkerstellen Ausserdem ist am künftigen Gemeindehaus die Anlage eines Dorfplatzes geplant.

Von den Stellen werden 8 unter Verwendung der vorhandenen Gebäude hergestellt und für 21 Stellen werden sämtliche Gebäude neu errichtet.

Grösse des Siedlungsgebietes: Das Siedlungsgebiet setzt sich aus Teilen der Güter Steinfurth und Karlsburg zusammen und ist 659,9325 ha gross.

An Kulturarten sind vorhanden

  • Acker                                    554,92 ha,
  • Wiese                                     46,63  ”  ,
  • Koppel                                   10,78   ”  ,
  • Holzung                                  8,65   ”  ,
  • Ödland                                  13,94   ”  ,
  • Wasserstücke                        0,82    ”  ,
  • Bruch                                       2,02   ”  ,
  • Hofraum und Garten            5,66   ”  ,
  • Wege                                  16,5125 ha
  • zusammen:                     659,9325 ha.

Art der Aufteilung des Siedlungsgebietes:

Die grundlegenden Gesichtspunkte der Plangestaltung sind entsprechend den mit Herrn Kreisobmann Mau – Dambeck getroffenen Vereinbarungen auf Grund des Planprüfungstermines vom 12. März 1935 wie folgt festgelegt worden:

Niederungsmoor: zwischen ehemaliger Mühle und altem Steinfurther Dorfkern: es wurde in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts trocken gelegt.

Die Gebäude sollen wie folgt verwertet werden:

  1. Stelle VII erhält ein Leutehaus als Wohnhaus,
  2. Stelle VIII wird Stellmacherei und erhält ein Leutehaus als Wohnhaus und Werkstatt,
  3. Stelle IX erhält ein Leutehaus als Wohnhaus,
  4. Stelle XV erhält 2/5 eines Viehstalles als Wirtschaftsgebäude,
  5. Stelle XVI erhält 3/5 des Gutshauses als Wohnhaus, 1/2 des Wirtschaftshauses als Leutehaus sowie Futterküche und einen Pferdestall mit Kornboden als Wirtschaftsgebäude, (Gutshaushälfte und Stall Ruine)
  6. Stelle XVII erhält ½ des Wirtschaftsgebäudes als Wohnhaus und 3/5 einer Scheune als Wirtschaftsgebäude,
  7. Stelle XVIII erhält 2/5 des Gutshauses als Wohnhaus und die Wagenremise als Stall,
  8. Stelle XIX und erhält 2/5 eines Viehstalles als Wirtschaftsgebäude,
  9. Die Landgemeinde Karlsburg erhält ein gutes Vierfamilienhaus sowie 3 Stallgebäude.
  10. Zur Unterbringung der Gutsarbeiter, die nicht angesiedelt werden können, stehen 2 alte Leutehäuser zur Verfügung. Es werden somit sämtliche vorhandenen Gebäude bei der Besiedlung verwendet.

Für 21 Stellen sind neue Gebäude zu errichten.

Wohnhaus und Stall werden unter einem Dach errichtet. Die Ausführung wird massiv und Zementfalzziegeldach. In der Bauart herrscht Abwechslung in den einzelnen Typen.

Der Wohnungsteil hat folgende Räume: 1 Flur mit Treppe, 1 Küche, 2 Stuben, 1 Futterküche, 1 Giebelstube, ausserdem ausreichenden Keller Schüttboden und Räucherkammer.

Im Stallteil ist Raum vorhanden für: 2 Pferde, 6 Stück Großvieh, 3 Schweinebuchten, Futterplatz, Hühnerstall und Abort.

Im Dachgeschoss Futterboden. Die Stalleinrichtung wird ausgeführt, eine Jauchegrube wird angelegt.

Scheune. Diese wird aus Holzfachwerk mit Bretterverkleidung hergestellt. Das Dach wird mit Zementfalzziegel eingedeckt.

Trinkwasserversorgung: Die Stellen sollen eigene Brunnen erhalten. Trinkwasser wird in etwa 10 bis 20 m Tiefe aufzufinden sein.

Elektronetz: Es ist beabsichtigt, die Siedlung an das Elektronetz anzuschliessen.

Finanzierungsplan und Rentenbemessung: Beim Ankauf des Gutes Steinfurth ist die Rente für eine 15 ha grosse Stelle unter Zugrundelegung eines Zins- und Tilgungssatzes von 4,5 v. H. auf 12,00 RM je ¼ ha landwirtschaftlicher Nutzfläche festgesetzt worden.

Nach den Absichten der Pommerschen Landgesellschaft sollen zur Sicherstellung der Siedler verschiedene Maßnahmen getroffen werden, die beim Ankauf des Gutes nicht berücksichtigt sind. Es handelt sich um folgende Mehraufwendungen, die gegen den vorläufigen Finanzierungsplan zur Durchführung kommen sollen:

  1. Die Vorflutregelung innerhalb der Pläne Nr. 215 bis 217 mit einem Kostenaufwande von 2000,– RM,
  2. Der Umbruch und die Neuansaat der Dorfkoppel in eine Größe von rd. 10 ha, mit einem Kostenaufwande von 2500,– RM,
  3. Die Vorratsdüngung der stark verhungerten Wiesenflächen in eine Grösse von rd. 43 ha mit einem Kostenaufwande von 1870,– RM,
  4. Der Ausbau und die Pflasterung der Aufbaustrasse sowie des Zufahrtweges zum Bahnhof Karlsburg in einer Länge von rd. 3,0 km, mit einem Kostenaufwande von   45000,– RM,
  5. Die Herstellung eines Wildgatters in einer Länge von 1,5 km, mit einem Kostenaufwande von   2000,– RM,

Bodenverbesserungen: Von den im Gebiet der Wassergenossenschaft Karlsburg liegenden Grünländereinen soll eine Fläche, die unter Nässe leidet, durch Ergänzung der Vorflut verbessert werden.

Die gleichfalls im Genossenschaftsgebiet liegende Dorfkoppel befindet sich in einem sehr mangelhaften Kulturzustand. Sie soll deshalb umgebrochen und neu angesät werden. Es handelt sich um eine Fläche von rund 10 ha. Weiter sollen sämtliche Wiesenflächen, die stark verhungert sind, eine Vorratsdüngung erhalten.

Die versumpften Feldwiesen innerhalb der Pläne Nr. 215 bis 217 werden durch Regulierung der Vorflut verbessert.

Der sogenannte „Sack“, ein Ackerstück an der Westgrenze der Steinfurther Forst, – Pläne Nr. 114 bis 161 – leidet sehr stark unter Rot- und Schwarzwildschaden. Um diesen Übelstand, der für die Siedler eine dauernde wirtschaftliche Schädigung bedeutet und zu grossen Unzuträglichkeiten führen kann, zu mildern, war es dringend erforderlich, die daselbst vorspringende Waldnase von der Forst abzutrennen und dem Siedlungsgebiet zuzuschlagen. Der erforderliche Tausch mit dem Deutschen Reich, vertreten durch den Herrn stellvertretenden Kommissar für die Osthilfe – Landstelle Stettin -, ist bereits durchgeführt.

Zur Verminderung des Wildschadens ist ferner der Abtrieb der eingetauschten Holzflächen erforderlich. Diese sind nur schwach mit Buchen bestanden. Es handelt sich um einen lehmigen Sandboden, der sich als Ackerland eignet.

Weiter ist die Errichtung eines Wildgatters vorlängs des in Frage kommenden Ackerstückes vorgesehen. Es kommt die Strecke von rund 1500 m in Frage.

Wegeverbesserungen: Der Landweg vom Bahnhof Karlsburg über Steinfurth nach Wahlendow befindet sich in einem sehr mässigen Zustande. Die Befestigung dieses Weges wird allseitig für erforderlich gehalten, da er die Lebensader für das neue Bauerndorf ist. Auf ausdrücklichen Wunsch der Kreisbauernschaft soll dieser Weg im Anschluss an den bahneigenen Schlackenweg am Bahnhof Karlsburg bis zum Hof der Stelle XII, also in einer Länge von rund 3,0 bis 3,5 , breit gepflastert werden. Nach erfolgtem Ausbau soll der Weg im Einvernehmen mit dem Herrn Landrat als Straße II. Ordnung vom Kreis unterhalten werden.

Gemeinwirtschaftliche Anlagen:  a) Ausstattung sind für die Gemeinde Karlsburg vorgesehen:

  1. Der Ackerplan Nr. 139 in einer ungefähren Größe von 1,50 ha,
  2. Der Ackerplan Nr. 199 in einer ungefähren Größe von 0,75 ha,
  3. Der Ackerplan Nr. 200 in einer ungefähren Größe von 2,50 ha,
  4. Holzungsplan Nr. 226 in einer ungefähren Größe von 0,75 ha,
  5. Der Ackerplan Nr. 263 als Nutzungsland für die Bewohner des Gemeindehauses in einer ungefähren Größe von 0,60 ha,
  6. Der Plan Nr. 265 einschließlich des aufstehenden sogenannten Klosters, das als Gemeindehaus verwendet werden soll in einer ungefähren Größe von 0.39 ha,
  7. Der Ackerplan Nr. 273 in einer ungefähren Größe von 1,00 h zusammen: 11,59 ha.

b) An gemeinwirtschaftlichen Anlagen sind vorgesehen:       

1.) der Plan Nr. 87 als Bullenhaltung, 2.) der Plan Nr. 140 als Sportplatz, 3.) der Plan Nr. 159 als Eberhaltung, 4.) der Plan Nr. 160 als Lehmgrube, 5.) der Plan Nr. 164 als Bullenhaltung, 6.) der Plan Nr. 198 als Sandgrube, 7.) der Plan Nr. 208 als Standplatz für das Transformatorenhaus, 8.) der Plan Nr. 264 als Dorfplatz, 9.) der Plan Nr. 266 als Dorfteich.

Als Ausstattung für die evangelische Kirchengemeinde Zarnekow ist der Plan Nr. 165 in einer ungefähren Größe von 0,50 ha als Begräbnisplatz vorgesehen. Ausserdem soll sie den Plan Nr. 66 in einer ungefähren Grösse von 4,25 ha als Hufenerleichterungsfonds erhalten.

Dieser Plan, eine weitere Begräbnisstätte zu einzurichten, wurde erst nach 1945 umgesetzt, da der Friedhof um die Kirchenruine herum voll belegt war.

Unten ist die Baubeschreibung der 1935 erbauten Siedlerhäuser mit Scheune eingestellt.

Der Kaufpreis für die Gebäude betrug ca. 10100 RM. Die Nutzflächen, die den einzelnen Höfen zugeordnet waren, bewegten sich zwischen 6 und 23 Hektar. Am wenigsten Land hatten die Handwerkerstellen, die größte Nutzfläche der Großbauer. Die meisten der Siedler besaßen zwischen 13 – 16 ha Land. Der Landpreis lag zwischen 10000 und 20000 RM. 

3/5 des alten Gutshauses bekam der Besitzer des Resthofes. Als Resthof wurde die nach der Aufteilung übrig gebliebene landwirtschaftliche Fläche bezeichnet, die sich nicht nochmals teilen ließ oder wo die notwendigen Gebäude sich nicht ohne weiteres einfügen ließen. Er war in der Regel größer als die anderen Höfe. In Steinfurth gehörte dieser dem Großbauern Willi Fink, die andere Seite einem Mann namens Schulz, einem ehemaligen Gutsarbeiter des gräflichen Gutes, der später eine Tochter aus der Siedlerfamilie Schulz heiratete. Auch das Wirtschaftsgebäude daneben wurde geteilt: die vordere Hälfte gehörte Fink, die hintere Hälfte Beckmann. Auch Hahn und Möller waren ehemalige Gutsangestellte, die schon vorher in Steinfurth gewohnt hatten.

August Müller und seine Familie kam Ende des Jahres 1935 mit drei Söhnen aus der Gegend um Wolfsburg und Braunschweig nach Steinfurth. Der Großvater väterlicherseits besaß dort eine Tischlerei mit 16 Morgen, die er dem Ältesten, August Müller, vererbte. Da sie mehrere Geschwister waren, beschlossen sie, den Besitz zu verkaufen und das Geld untereinander aufzuteilen.

Es wurde damals im hannoverschen Raum Reklame dafür gemacht, dass man in Pommern ohne Startkapital siedeln könne. Später dann, das weisen die Unterlagen über die Steinfurther Siedlungsangelegenheiten aus, musste für die jeweiligen Hofstellen sowie für das Land ein Kredit aufgenommen werden. Da der Anteil des Erbes bescheiden war, auch einiges für den Umzug draufging, standen ihnen am Ende noch 500 Mark zur Verfügung.

So kamen die Interessenten mit einem Bus, der von den Behörden zur Verfügung gestellt worden war, nach Pommern. Sie wurden durch die Ortschaften gefahren, bis sich alle einen Hof ausgesucht hatten. Auch Kredite wurden bewilligt, damit die Landwirte die Wirtschaft in Betrieb nehmen konnten. Die in Steinfurth errichteten Häuser warteten darauf, in Besitz genommen zu werden. Sobald sich ein Siedler für einen Hof entschieden hatte und der Einzugstermin feststand, wurde in die Scheune eine Ladung mit Stroh und eine mit Heu vom Karlsburger Gut angefahren.

Der Vaddermann, wie August Müller seinen Vater liebevoll nennt, bestellte einen Umzugswagen mit Anhänger, auf dem neben dem Hausrat auch die landwirtschaftlichen Geräte Platz fanden, die zur Bearbeitung des großväterlichen Besitzes schon vorhanden waren. So musste man in Steinfurth nicht ganz von vorn anfangen.

Im Dezember machte die Familie sich morgens zeitig auf den Weg. Sie wollten bei Tageslicht ihr neues Zuhause in Besitz nehmen. Aber aufkommender Schneefall verhinderte, dass sie die Brücke über der Elbe zügig passieren konnten. Erst nach einigen Stunden, nachdem Sand gestreut worden war, konnten sie ihre Fahrt fortsetzen. Als sie fast ihr Ziel erreicht hatten, stellte sich heraus, dass der Lastwagen nicht nach Steinfurth durchfahren konnte, da ein solch schweres Gefährt auf dem unbefestigten Weg Richtung Dorf nicht – ohne Schaden zu nehmen – durchgekommen wäre. Von der damaligen F109 kommend Richtung Steinfurth, passiert man zwischen Kurve und Ortseingang linkerhand ein Wäldchen, dass bei den alten Dorfbewohnern als Küsters Kuhle bekannt war.

Küsters Kuhle

Der Name kam vom Besitzer der Felder dort – auch ein Siedler – namens Küster. Der Knüppeldamm von Steinfurth her war damals erst bis zu dieser Stelle mit Feldsteinen ausgebaut und zwar von der gleichen Firma verlegt, die auch die Siedlerhäuser gebaut hatte. Der Umzugswagen musste also am Karlsburger Bahnhof auf die Entladung warten. Die F109, eine Heeresstraße, war mit Granitsteinen gepflastert. An der Grenze zu Anklam war eine Jahreszahl aus Basaltsteinen eingelassen. Obwohl er tausende Mal darüber gefahren ist, kann August Müller sich nicht genau erinnern. 1929 meint er gelesen zu haben.

Der Hof der Müllers war der letzte linkerhand auf der Steinfurther Dorfstraße Richtung Pamitz, gegenüber dem Gehöft von Otto Pahlmann, der 14 Tage vorher mit seiner Familie eingezogen war. Schon erstaunlich, dass die Häuser innerhalb eines halben Jahres hochgezogen worden waren.

Mitten in einer Dezembernacht in Pommern angekommen, musste der Vater zu Fuß in den Ort laufen, um den Milchkutscher Hannemann, der links neben der Kapelle in einem der alten Strohkaten wohnte, aus dem Schlaf zu holen. Dieser würde, so war ihm gesagt worden, mit seinem Milchwagen Kinder, Frau und die nötigsten Utensilien, die für die erste Nacht in der neuen Heimat benötigt wurden, ins Dorf transportieren. Der Nachbar Pahlmann hatte schon Ofen und Küchenherd eingeheizt, sodass die Familie, durch die Reise und das lange Warten durchgefroren, ganz erfreut ihr neues warmes Zuhause in Besitz nehmen konnte.

Das Steinfurther Siedlerhaus der Familie Müller

Am Nachmittag des nächsten Tages hat der Milchkutscher nach seiner eigentlichen Arbeit dann die restlichen Möbel und Gerätschaften geholt.

Die drei Söhne der Müllers am Steinfurther Hundewinkel, östlich hinter dem Dorf gelegen.

Im Laufe der Jahre kamen vier weitere Kinder dazu. August war der jüngste der Kinder. Er musste für die nachkommenden Geschwister das Kindermädchen spielen, erzählt er augenzwinkernd. Das Steinfurther Wohnhaus war bald zu klein für eine so große Familie. Die Mutter wollte Steinfurth nicht schon wieder verlassen, auch wenn sie nur ins nächste Dorf umziehen sollten: Zieh du alleine, ich bleibe in Steinfurth. Sie hatte zu den Nachbarn, Seffers und Pahlmanns, guten Kontakt und wollte ihn nicht so schnell wieder aufgeben. Der Vater zunächst auch nicht. Aber als er anbauen wollte, wurde sein Antrag abgelehnt mit der Begründung, dass in Kriegszeiten Privatleute keine Baumaterialien bekommen könnten. Kein Mauerstein dürfe privat vermauert werden, bekam er von der Kreisverwaltung Bescheid. Wenn er mehr Wohnraum brauche, müsse er eine Wirtschaft mit einem größeren Wohnhaus übernehmen. Bedingung war, dass alles, d.h. Vieh, Arbeitsgeräte und was sonst auf einen Bauernhof gehörte, zurückgelassen werden musste; “schlicht auf schlicht” wie August Müller das nennt. Nur die persönliche Habe – wie die Möbel – durfte mitgenommen werden. Das war 1941. Die alte Wirtschaft wurde wieder von einem Schulz aus Krebsow besetzt, der ebenfalls kein Geld hatte.

Feldarbeit

Aus dem Hannoverschen hatte Familie Müller einen Hund mitgebracht, der, da zu Anfang um die Hofstellen keine Zäune gezogen waren, immer in den Wald ausbüchste und wilderte. Als der Förster ihn darauf ansprach und drohte den Hund zu erschießen, meinte der Vater nur: mein Hund macht so etwas nicht. Wenn du meinst, dass das mein Hund ist, musst du ihn erschießen. Kurz darauf teilte ihm Gaider mit, dass der Hund erschossen im Wald liege. Zunächst war danach, wie man sich denken kann, das Verhältnis der beiden Männer ziemlich angespannt, später dann wurden sie beste Freunde. So half August Müller dem Förster, der nach dem Verkauf der gräflichen Steinfurther Ländereien mit dem Steinfurther Wald auf sich allein gestellt war, das geschossene Wild zum Karlsburger Bahnhof zu transportieren, damit es im Wolgaster Schlachthaus weiterverarbeitet werden konnte. Er bekam dafür ab und an Wildfleisch und Holz z.B. für den Bau eines Zaunes. Nach dem Krieg wurde der Förster von den Russen nach Neubrandenburg in ein Lager gebracht. Ihm wurde Wilderei vorgeworfen. Dieses Schicksal hatte er nicht verdient. Er war ein guter Mensch, sagt August Müller.

Ein Jahr später zog Familie Müller mit ihren 7 Kindern nach Pamitz. Von der Kreisbauernschaft in Greifswald waren ihnen dort drei Höfe zur Auswahl angeboten worden: zwei mit 100 Morgen, der Resthof mit 200 Morgen. Der Vater entschied sich für den Resthof, weil mehr Land dazugehörte sowie eine große Feldsteinscheune. Der Umzug lief folgendermaßen ab: es waren auf dem Kleinbünzower Bahnhof Container abgestellt worden. Am Umzugstag musste der Vater die Möbel des Pamitzer Bauern, dessen Hof er übernehmen sollte, zum Bahnhof bringen. Dieser Bauer, der immer in brauner Uniform großkotzig auf dem Motorrad durch die Gegend fuhr, sollte in Polen eine Wirtschaft mit 600 Morgen übernehmen, von dem zuvor die dort ansässigen Polen vertrieben worden waren. Die Schulden, die auf dem Pamitzer Hof lasteten, wurden ihm von den Nationalsozialisten erlassen. Auf dem Pamitzer Hof mussten bei dem Vorbesitzer zwei polnische Arbeitskräfte und zwei französische bzw. belgische Gefangene arbeiten. Die hatte die Familie Müller zu übernehmen.

Die Geschichte der Kriegsgefangenen, die auf den Höfen arbeiten mussten, ist auch ein schlimmes Kapitel deutscher Geschichte. Zum Beispiel war es verboten, dass sie sich während des Essens im gleichen Raum aufhielten wie die Familie oder mit Schuhen bzw. Kleidungsstücken ausgestattet wurden. Die Mutter hat die Gefangenen dennoch in der großen Küche essen lassen. Morgens um sieben Uhr kamen diese aus Pamitz, wo sie in einem Wirtschaftsgebäude, eng zusammengepfercht, schlafen mussten. Um 20 Uhr abends hatten sie spätestens wieder in der Unterkunft zu sein. Gefangene lebten dort nur so viele, wie auf den Bauernhöfen der Umgebung an Arbeitskräften zugeteilt wurden. In der Regel waren dort, wo Polen oder Gefangene arbeiteten, die Bauern in die Armee eingezogen worden.

Während die Gefangenen sogenannte Liebesgaben – Kleidung oder Nahrungsmittel – aus ihren Heimatländern erhielten, bekamen die Polen nichts dergleichen. Sie mussten in Holzkloben laufen. Die Eltern haben für ihre zwei polnischen Arbeiter Stiefel bei einem Greifswalder Schuster machen lassen, weil die schwere Arbeit, die sie auf Feld und Hof leisten mussten, in solch einer Fußbekleidung fast unmöglich war. Dafür wäre der Vater beinahe abgeholt worden, als der Kreisbauernführer die nagelneuen Schuhe bemerkte. Er redete sich damit heraus, dass die Schuhe, für ein Familienmitglied angeschafft, leider nicht passten.

Dann wurde August Müller eingezogen und die Mutter war mit sieben Kindern, vier Ausländern – zwei Franzosen bzw. Belgiern, zwei Polen – und einem Dienstmädchen aus dem Pamitzer Landjahrlager allein auf dem Hof. Allerdings hatte er auch Glück im Unglück. Die Ausbildung als Soldat erhielten er und Hermann Mindermann – ebenfalls ein Steinfurther Siedler – in Kiel. Sie sollten an Flakgeschützen die amerikanische Armee daran hindern, weiter vorzurücken. August Müller war dieser Situation nicht gewachsen. Immer, wenn es ins Gefecht ging, wurde er ohnmächtig und fiel um. Nach einem halben Jahr wurde er ausgemustert und nach Hause geschickt, was für die Familie ein großes Glück war.

Im Mai 1945 kam der fünfzehnjährige Otto von Odessa am Schwarzen Meer aus einer deutschen Kolonie in ein Landjahrlager, wo 50-60 Jungen für die Front ausgebildet wurden. Im April/Mai 1945 sollten sie an die Front nach Norwegen gebracht werden. Sechs der Jungs hatten von dem Pamitzer Landjahrlager für Mädchen gehört und sprangen bei Ankam aus dem Zug. Einer davon war Otto, der bei der Müllerschen Familie Unterschlupf fand und für viele Jahre mit dieser zusammen lebte.

Ende des Krieges hatten sich die Russen in Pamitz im Gutshaus und auch im Karlsburger Schloss einquartiert. Sie zogen über die Dörfer und holten von den Bauern, was sie kriegen konnten. Die Soldaten hatten Hunger. Einmal saß die Familie abends zusammen. Da hörten sie, dass draußen Leute waren. Die Jungs wollten gleich nachsehen. Aber der Vater verbot es ihnen: lasst die Russen die Schweine erschießen. Wenn ihr rausgeht, erschießen sie euch. Die waren immer mit einem Ponywagen unterwegs. Das Vieh wurde dann auf den Wagen gezogen und weg waren sie. In der Zeit wurde auch viel gewildert, obwohl ja alle die Waffen abgeben mussten. Es gab aber immer noch welche, die ihre Schrotflinten versteckt hatten. Eines Tages wurde ein russischer Soldat im Wald gefunden, ein Wilderer hatte ihn wahrscheinlich erschossen.

Die Gefangenen, die auf den Bauernhöfen arbeiten mussten, waren mit Ende des Krieges verschwunden. Die polnischen Zwangsarbeiter organisierten von den Bauern Pferde und Wagen und kehrten damit nach Hause zurück. Allerdings nicht, ohne die Bauern, die sie übel behandelt hatten, vorher zu verprügeln. Dem Züssower Ortsbauernführer, der die Polen besonders drangsaliert und schlecht behandelt hatte – sie mussten immer für ihn Jauche fahren – zahlten sie es heim, indem sie ihm einen Strick um den Bauch banden und ihn immer wieder in die Jauchengrube tauchten, bis er tot war.

Die Schmiede in Steinfurth – für alle Bauern ein wichtiger Anlaufpunkt – wurde von einem älteren Mann namens Spandau betrieben, der bis zur Aufsiedlung noch für das Gut gearbeitet hatte.

Ursprünglich gab es vor der Schmiede eine hölzerne Remise, wo die Pferde beschlagen wurden.

Der Bruder von Augusts Mutter war ebenfalls Schmied. Als er eingezogen wurde, kam er nach Peenemünde und war dort als Schmiermaxe eingesetzt. Des öfteren, wenn er Kurzurlaub hatte, kam er zu seiner Schwester nach Steinfurth, weil die Zeit für eine Fahrt nach Hannover zu kurz war. Der Vater nutzte den Schwager gleich aus: Wenn du einmal hier bist, kannst du doch gleich die Pferde beschlagen, die Jungs können den Blasebalg ziehen. Er hat dann die Tochter des Schmieds geheiratet. Die Kinder freuten sich immer, wenn Onkel Walter kam. Er war kräftig, konnte gut anpacken, so dass die Kinder in der Zeit spielen durften. Als der Krieg zu Ende war, saß Onkel Walter eines Tages morgens um 5 Uhr vor der Pamitzer Haustür. Er kam aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft, war zunächst zu seinem Steinfurther Haus gegangen und hatte seine Frau rausgeklingelt. Er merkte aber schnell, dass da ein anderer Mann war und die Frau schwanger. So lief er weiter nach Pamitz zu seiner Schwester. Die Scheidung wurde eingereicht. Die Frau heiratete den Vater des Kindes namens Schulz und der Onkel ging nach Hannover zurück. Hier sei eingefügt, dass die Familien namens Schulz nicht miteinander verwandt waren.

August Müller hatte vier Pferde, die regelmäßig zum Schmied gebracht werden mussten. Damit es schneller ging, musste immer einer der Jungs mitfahren, um den Blasebalg zu bedienen. Bei einem dieser Besuche – das war schon in Pamitz – wollte der dortige Schmied den Vater überreden, doch nachts einmal mitzukommen. Da würden sie mit dem Lastwagen über Land ziehen und die Juden aus den Häusern holen. Der Lastwagen hatte eine Plane, da standen die SA-Leute drauf und drangen in die Wohnungen der Juden ein, prügelten sie auf den Lastwagen und ließen das eine oder andere mitgehen. Die Jungen verstanden nicht, was der Schmied da erzählte und wohin die Menschen gebracht wurden. Mit dem Vater durften sie darüber nicht reden. Der wies den Schmied nur ab mit den Worten: da will ich nix mit zu tun haben, da hab ich keine Zeit für. Die Mutter, als die Kinder ihr das erzählten, warnte sie: darüber dürft ihr nicht reden. Das ist etwas ganz Schlimmes.

Die Kinder mussten viel in der Wirtschaft mithelfen. Der Pamitzer Acker von August Müller grenzte an den Besitz des Großbauern Fink.

Die Felder Richtung Pamitz

Der hat ganz oft mit seinem Nachbarn erzählt und die Jungs mussten derweil die Arbeiten erledigen: Der Alte steht dahinten und quasselt und wir müssen hier arbeiten. Das fanden sie ungerecht.

Die gängigste Art den Acker zu bearbeiten oder Erntegut, Mist usw. zu transportieren, wurde in der Landwirtschaft zur damaligen Zeit immer noch mit Pferdestärken bewerkstelligt. Auf dem Karlsburger Gutshof standen u. a. vier Hengste, die bei Bedarf auch den Bauern als Samenspender für ihre Stuten zur Verfügung standen. Müllers hatten zwei Stuten und so konnten sie auf diese Weise zu dem erwünschten Nachwuchs gelangen.

August Müller berichtete nicht nur über das Leben seiner Familie in Steinfurth, Pamitz und Moeckow, er erinnerte sich auch daran, dass, bevor in den 30er Jahren des 20ten Jahrhunderts in Karlsburg eine Feldbahn angeschafft wurde, auf dem Gut ein großer Dampfpflug existierte. Am Steinfurther Damm und in Karlsburg stand jeweils ein Dampfkessel, der mit Briketts und Holz beheizt wurde. Mit Hilfe von zwei Lokomotiven, Seilwinden und viel Personal wurden Pflug oder Egge über den Acker gezogen.

Die Feldbahn reichte vom Karlsburger Gut bis zum Karolinenhof, war neben dem Schlackedamm verlegt, und auch zur alten Gärtnerei führte ein Schienenstrang. Vom Wirtschaftsgebäude an Schloss und Schafstall vorbei gingen die Schienen entlang der Lindenallee Richtung Zarnekow bis an den Bahnhof heran, sodass die Loren direkt an die dort stehenden Waggons herangefahren und der jeweilige Inhalt verladen werden konnte. Vor dem Bahnübergang querten die Schienen die Straße, waren aber so gut in das Kopfsteinpflaster eingefügt, dass man sie beim Überfahren gar nicht bemerkte. Eine Lok holte die Waggons ab. Die Güterzüge wurden dann in Züssow zusammengestellt. Am Karlsburger Bahnhof war eine Drehscheibe eingelassen, von der aus die Schienen, wie sie gerade gebraucht wurden, verlegt werden konnten. Für das Aufsetzen der Loren waren mehrere Arbeiter angestellt. Es wurde ein Schienenstrang an der Seite des Ackers verlegt, Pferdewagen brachten die Ernte zu den Loren, die ebenfalls von Pferden gezogen wurden, oder auch Dung auf die Felder. Oder, wenn der Schienenstrang an einer Stelle nicht mehr gebraucht wurde, kamen speziell dafür eingestellte Arbeiter und bauten die Schienen ab und an einer anderen Stelle wieder auf.

Die Kinder setzten sich manchmal morgens in die leeren Loren und ließen sich mit Schwung in Richtung Schule rollen, trotzdem es jedes Mal Ärger gab. Denn die Loren wurden ja für die Feldarbeit benötigt.

Die Lindenallee Richtung Steinfurth von der heutigen B109 war ein gut ausgebauter Schlackenweg, der bis zum Karolinenhof führte, wo sich die Schweinezucht des Karlsburger Gutes seit den 30er Jahren mit zwei großen Ställen, einem Wirtschaftsgebäude sowie einem Wohnhaus befand. Die vorherige Schweinezuchtanlage bei der ehemaligen Mühle lag möglicherweise zu abseits.

Diese Straße durften die Steinfurther nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad benutzen, nicht aber mit Pferd und Wagen. Ihnen stand nur der Huckelweg zum Bahnhof zur Verfügung.

Die Lindenallee zum Carolinenhof, der Karolinenweg und zwei Ansichten des Knüppeldamms zum Bahnhof

Die Felder, die zwischen den Bahnschienen Richtung Lühmannsdorf, Brüssow und Steinfurth lagen, wurden unter den Steinfurther Siedlern aufgeteilt. Nur der Schweinehof blieb beim Karlsburger Gut. Jeder der Siedler hatte ungefähr 2 ha Acker dort, weil die Entfernung zum Dorf so groß war. Der Müllersche Acker befand sich in der Nähe der Schweineställe, dadurch bekamen sie mit, was so auf dem Carolinenhof passierte.

Die Feldbahn wurde nach 1945 nicht mehr benutzt, überwucherte und wurde später abgebaut.

Der Bruder des Moeckower Gutsbesitzers Lagemann war als Inspektor auf dem Karlsburger Gut angestellt. Über diese Verbindung erhielt auch Moeckow eine Feldbahn. Die Schienen kann man heute noch in den Moeckower Häusern als Deckenträger im Keller finden, die nach 1945 im Rahmen der Bodenreform dort gebaut wurden. Die Schienen wurden so verlegt, dass jeweils ein Mauerstein dazwischenpasste. So sollen alle Kellerdecken in Moeckow gearbeitet worden sein – wie auch bei August Müller – die in dieser Zeit entstanden.

1956 baute August Müller mit seiner jungen Familie in Moeckow ein Haus und bekam im Rahmen der Bodenreform Land zugewiesen. Das Moeckower Gutshaus ist nach 1945 abgebrannt. Flüchtlinge haben darin gewohnt. Danach hat der Besitzer des Gutshauses sein Haus dort gebaut. Es war das erste, was nach dem Krieg entstand. In Moeckow wohnten in den 20er Jahren des 20ten Jahrhunderts nur einige Gutsarbeiter in alten Strohkaten, die später abgerissen wurden.

In der Moeckower großen Scheune wurden damals die Loren und die vier Meter langen Schienen über den Winter eingelagert und zu den Arbeiten auf den Feldern, wie man es brauchte, verlegt.

Zu der gräflichen Familie befragt, erzählte August Müller, dass der Graf und seine Familie viel auf Reisen gewesen seien. Der Park hätte deshalb so viele exotische Bäume in seinem Bestand gehabt, weil sie diese von ihren Reisen mitgebracht hätten. Einmal im Monat wanderten die Schulkinder mit Erlaubnis des Grafen unter Aufsicht des Lehrers, der gute Kontakte zum Inspektor hatte, durch den gepflegten Karlsburger Schlosspark, die Wege durften sie aber nicht verlassen. Viele der teils wertvollen Bäume existieren heute leider nicht mehr.

Schlosspark während der Rhododendronblüte
Riesige Platanen

Bei einer gemeinsamen Fahrt durch Steinfurth rekapituliert August Müller nochmals die damals vorhandenen Häuser mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern. Dabei habe ich über mein Dorf noch so einiges erfahren:

Zum Beispiel teilten sich die Siedler in 3 Gruppen: die Gutsarbeiter, die schon in Steinfurth in den alten Strohkaten oder im Gemeindehaus gewohnt hatten. Der alte Möller, der alte Hahn, der alte Schulz, der wiederum eine Schulz geheiratet hat. Die vom Gut hatten einen gewissen Vorrang vor den anderen Interessenten. Dann die Zwölfender: das waren die Siedler, die 12 Jahre in Hitlers Armee gedient und soviel auf der hohen Kante hatten, dass sie ohne Kredite auskamen. Und nicht zuletzt die Siedler, die Kredite aufnehmen mussten, um siedeln zu können.

Die Steinfurther Dorfstraße 1936 mit ihren Bewohnern

Hinter dem Hof von Lange war ein Obstgarten für die Steinfurther, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. Die Wirtschaft der Müllers ging bis zu dem Weg, der in den Steinfurther Wald und nach Buddenhagen führt. Riesige Grundstücke waren das. Vor der Stellmacherei wurde gern gefeiert, Kinder- und Erntefeste. Der Mann betrieb die Stellmacherei und die Frau die Gastwirtschaft. Es gab des öfteren Freudenfeuer auf der Straße, über die, wenn sie bis auf die Glut abgebrannt waren, die Jugendlichen gesprungen sind. Für die Kinder gab es Lakritz und andere Bonbons in der Gastwirtschaft, die Türen standen immer offen. Man saß im Garten und trank etwas oder spielte Karten.

Der Katen der der Familie Schwarz. Auf der rechten Seite war die Stellmacherei auf der linken die Gaststätte

Geht man am Ende des Dorfes den Weg in Richtung Gutshaus sieht man linkerhand noch Reste der Gutsmauer.

Reste der Gutsmauer mit den Torpfosten: zu sehen ist der zu LPG-Zeiten angebaute Teil des Kuhstalles
Der Zugang zum hahnschen Hof, die Gutsmauer und Reste des abgebrannten Schafstalles

Dahinter steht der ehemalige Kuhstall des Gutes (der vordere Teil wurde LPG-Zeiten angebaut), der zum Besitz des Großbauern Fink gehörte. Der hahnsche Besitz zeigt noch Reste des Schafstalles, der nach dem Krieg abgebrannt ist, auch die Toreinfahrten des Steinfurther Gutes sind noch zu besichtigen. Wo heute das blaue Haus steht, befand sich der Garten für die Bewohner des Gemeindehauses.

Für weitere Informationen und Hinweise, die Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, bei der Lektüre dieses Beitrags in den Sinn kommen, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mein Dank gilt August Müller und seiner Tochter Nicole für die wunderbaren Erinnerungen und für die Zeit, die sie sich für das Interview genommen haben.

Galerie zum Karlsburger Schloss

Dieser Beitrag ist nun um einige historische Fotos aus dem Jahr 1925 reicher. Da das Schloss nach dem 2. Weltkrieg zunächst ein Heim für Diabetiker wurde, später dann Zentralinstitut für Diabetes und nach der Wende in den Klinikgebäuden neben der Behandlung der Diabeteskranken noch eine Herzklinik hinzukam – heute das Klinikum Karlsburg, ist es nur schwer vorstellbar, dass im Schloss einmal eine wohnliche Atmosphäre geherrscht hat. Die Räume sind leer, viel wurde umgebaut und teilweise zerstört. Die Fotos geben einen kleinen Eindruck, wie das Schloss früher eingerichtet war.

Die wunderbare Bibliothek
Teile der Schlossbibliothek befinden sich heute im Universitätsarchiv Greifswald
Der Barocksaal 1925 …
… und heute

Details des Wandschmuckes

Das Arbeitszimmer?
Jagdtrophäen
Das Treppenhaus im Erdgeschoss: Caroline hatte einen Hund Namens Bergmann
Die Treppe zum Erdgeschoss
Der Durchgang im oberen Geschoss
ein Wohnzimmer. Die Wendeltreppe führte in die Schlafzimmer
Eine weitere Treppe
Das Schloss von der Parkseite 1925 …
… und 2021
Das Corps de logis 1925 …
… und 2021
das Rosentor wurde von Helene von Bismarck-Bohlen um 1900 entworfen
Das Rosentor bei Nacht

Detail des Rosentors

Blick auf das Karlsburger Schloss. I. Vordergrund ein Element des Rosentors
Flora mit dem Karlsburger Schloss von der Parkseite aus gesehen

Das Karlsburger Schloss

Der Zentralbau des Karlsburger Schlosses: corps de logis
Gnädig verhüllt: die Parkseite des Schlosses

Der Park, vom Schloss aus gesehen

Im Schlosspark
Schloss mit Flora im Vordergrund
Ein Wehr am Kanal, der den Park umfließt

Eine andere Ansicht

winterliches Karlsburger Schloss

Sonnenuhren mit Wappen oder umgekehrt
Der Eingangsbereich

Der Leuchtarm um 1900, die Laterne DDR-Design

Jugendstilbank
ein einziger kleiner Balkon an der ganzen Rückfront

Tod in Venedig und der Bau der von Friedrich August Stüler entworfenen Grabkapelle in Steinfurth

Die Steinfurther Kapelle im Wandel der Zeit

Am 24. Juli 2022 findet um 17 Uhr zum dritten Mal anlässlich des Geburtstages der Caroline von Bismarck-Bohlen in der Steinfurther Begräbniskapelle eine Veranstaltung statt – in diesem Jahr über die Entstehungsgeschichte der Kapelle und des dahinter befindlichen Friedhofs, über Tod und Trauer.
Mit
Selina Böhm und Ursula von der Gönne-Stübing
Romantische Vokalmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy

Eintritt: 10 €

Die Familie Bismarck-Bohlen, die Zarnekower Kirche und andere Geschichten

In diesem Beitrag soll neben den Begebenheiten und Einträgen, die sich in Carolines Lebensbeschreibung oder im Hausbuch der Bismarck-Bohlen in Bezug auf die Zarnekower Kirche finden, auch Pastor Siegfried Barsch zu Wort kommen, der von 1959 an bis in die Wendezeit hinein in Zarnekow als Seelsorger tätig war. Auch die Chronik der Kirchgemeinde Zarnekow 1729 bis 1946 und weitere Dokumente aus dem Kirchenarchiv wurden hinzugezogen, wofür ich Pastor Rau herzlich danke.

Da diese Schilderungen ganz unterschiedlicher Natur sind, ergibt sich eine Vielfalt von Notizen und Episoden, die teils Bezug zu der Familie Bismarck-Bohlen, teils Bezug zur Zarnekower Kirche haben. Ein historischer Abriss ist nicht beabsichtigt.

Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, 1415 erstmals erwähnt, und hat seitdem einige Veränderungen erlebt. Z. B. wurde der Turm, nachdem er 1584 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste, erst 1892 wieder errichtet und zwar u. a. mit einer Spende des Dieners der Bismarck-Bohlen, Heinrich Holst aus Karlsburg, zuletzt Kastellan in Niederhof, der 1892 sein Vermögen dem Grafen Friedrich von Bismarck-Bohlen vererbte.

An der Nordseite des Turmeingangs befand sich eine Marmortafel, die heute im Innenraum des Kirchturms in die Wand eingelassen ist, mit folgender Inschrift:

Kastellan H. Holst, 44 Jahre im Dienst zu Carlsburg, gestorben am 26. Januar 1892, hat durch Vermächtnis Veranlassung zur Wiedererrichtung des Thurms gegeben, der seit 300 Jahren der Kirche gefehlt hat.
EHRE SEINEM ANDENKEN!
Hagai, 8: gehet hin u. bauet Das Haus, das soll Mir angenehm sein u. will meine Ehre erweisen, spricht der Herr.

Für die Zarnekower Kirche stifteten schon im 17. Jahrhundert Ernst von Normann, Besitzer der Karlsburger Güter, und seine Frau Eva von Tribsees (Tribbesehs) einen Sandsteinaltar. Beide Namen stehen links und rechts auf dem oberen Ende der äußeren das Abendmahl einrahmenden Säulen unterhalb der Familienwappen.

Der aus Sandstein gefertigte Altar:
Er hat ein Gedechtnis gestiftet seiner Wunder der gnedige und barmherzige Herr. Psa. III

Eine Grabplatte aus Kalkstein erinnert ebenfalls an die Familie von Normann, die übrigens auch Vorfahren der Caroline von Bohlen (1798-1858) waren. Maria Lucretia von Normann heiratete 1679 Christoph von Bohlen.

Einige Informationen zur Historie lesen sich in der Chronik der Kirchengemeinde Zarnekow folgendermaßen:

Anno 1732 diese Kirche zu Zarneckow oben an allen Balcken vorgeschossen, das meiste vom Dach neu gelegt, beyde Giebel ausgebessert und abgeweisset[,] dazu auch innenwendig gäntzlich ausgeweisset, und die Fenster mit blau und gelbe ausgezieret.

Anno 1741[,] da das Kirch Spiehl ein belieben getragen[,] eine kleine Kirchen Glocke anzuschaffen durch einen milden Beytrag. So ist auch solches bewerkstelligt: und wieget diese Glocke 282 Pfund und kostet mit allen Unkosten 98 Rht 40 Gr. Hierzu hat die Land Collecte gebracht 75 Rht., das Übrige hat das Kirch Spiehl zusammen gebracht. Diese Glocke ist den 3. Advent eingeweihet und zum ersten Mahle zum Dienste Gottes gebraucht worden. Der liebe Gott bewahre sie vor Unglücks Zufälle.

Die Zarnekower Kirche wurde von der Familie von Bohlen zu den Gottesdiensten regelmäßig, sofern sie sich in Karlsburg aufhielten, besucht. Das geht aus den Briefen von Caroline und Theodor hervor, aber auch Friedrich von Bismarck-Bohlen schrieb seiner Frau des öfteren, dass er – oft auch mit den Kindern – zur Kirche gefahren sei und dass die Predigten mal sehr gut, mal ziemlich schlecht und unbedeutend gewesen seien.

Die Bohlensche Gruft unter der Kirche zeugt ebenfalls von der engen Verbindung zur Zarnekower Kirche. Hier wurde auch Carolines Vater, der Reichsgraf Friedrich Ludwig von Bohlen, 1828 beigesetzt. Es sollte die letzte Beisetzung in der Gruft sein. Einzig bis zur Fertigstellung der Begräbniskapelle in Steinfurth wurde Carolines aus Venedig überführter Sarg ebenfalls in der Gruft abgestellt.

Dazu heißt es in der Chronik: Anno 1858 starb am 14.1. in Venedig Carolina Elisabeth Agnes Sophie geb. Gräfin von Bohlen, Ehefrau des Grafen von Bismarck=Bohlen auf Carlsburg im Alter von 59 Jahren an der Schwindtsucht. 4 Wochen wurden Mittags die Glocken geläutet. Am 24. July 1859 wurde die Verstorbene in der auf dem Kirchhof zu Steinfurth neuerbauten Kapelle beigesetzt.

Das Engagement mehrerer Generationen der Bismarck-Bohlen zeigt die tiefe Verbundenheit mit ihrer Kirchgemeinde. Caroline erwähnt in ihrer Lebensbeschreibung mehrfach die Fahrten nach Zarnekow zum Gottesdienst oder ins Pfarrhaus.

Bei einer Rückkehr von Niederhof, ward über Zarnekow gefahren, im Pfarrhause ausgestiegen, in des Pastors bester Stube war das Tischchen gedeckt, mit dem Kranz darauf, der Bräutigam (der Erzieherin) empfing uns, die Trauung ging vor sich u der Ehebund war en passant geschlossen.

1812 D. 10ten Januar starb mein Großvater u wir gingen nach Carlsburg. Den 14ten war das Begräbniß (des Großvaters) in der Kirche zu Zarnekow, was ich mit angesehen habe, meine Mutter war aber nicht mit.

Albert August Schulz
Pastor zu Zarnekow von 1797 – 1838
der zehnte Pastor nach der Reformation

D. 23ten Februar (1813) fing mein ReligionsUnterricht beim guten Pastor Schulz in Zarnekow an, ich erhielt im Ganzen 14 Stunden, legte am 11ten April dem Palm Sonntage mein Bekenntniß ab, was er mir aufgesetzt, meine Großmutter war dazu gekommen, u den 18ten am heiligen Osterfest ging ich zum ersten Mal mit meinen Eltern u meiner Großmutter zum heiligen Abendmahl. Ich gedenke jedes Mal[,] daß ich wieder vor diesen Altar trete, jener ersten Feier u jedes Mal mit größerer Andacht u größerer Dankbarkeit.

Am 12. November 1816 wurde die Hochzeit der Schwester Julie mit Carl Lazarus Henckel von Donnersmarck im Karlsburger Schloss gefeiert, Pastor Schulz hielt die Traurede.

Auch im Hausbuch der Grafen von Bismarck-Bohlen werden Kirche und Pfarrhaus einige Male erwähnt, obwohl die Wrangelsburger Adligen, zunächst der Generalgouverneur für Schwedisch-Vorpommern, der schwedische General von Wrangel, und später dann die nachfolgenden Besitzer von Wrangelsburg, das Patronat der Zarnekower Kirche inne hatten. Aus den Eintragungen erfährt man, dass die gräfliche Familie sich auch für die Erhaltung von Pfarrhaus und -garten zuständig fühlte:

1838. Im Herbst d. J. wurde der Pastor Schultz zu Zarnekow, nachdem er über 40 Jahr im Amte gewesen, zur Ruhe gesetzt, und der Pastor Cornelius aus Netzelkow wurde Nachfolger.

1840. das Pfarrhaus zu Zarnekow fast ganz durch gebauet, neue Fenster, Öfen etc., bedeutend verlängert. Auch die Hofgebäude stark reparirt.

1838. Neue Brunnen und Pumpe, im Pfarrhaus zu Zarnekow.

1858/59. Die alte vBohlensche Familien Gruft in der Kirche zu Zarnekow, war gänzlich ausgefüllt von Särgen, ganz niedrig und dunkel und ich beschloß, auch da durch meine Frau und mich, eigentlich eine ganz neue Familie gegründet wurde, zugleich aber auch, um ihr[,] der so heißgeliebten[,] eine würdige Ruhestätte, mit einer Stelle an ihrer Seite und meinen Nachkommen eine gemeinschaftliche, geräumige und freundliche Gruft herzustellen, den Bau der Capelle, welchen ich unter Gottes gnädigem Beistand, dies Jahr glücklich vollendet.

1861/62. Für die Kirche zu Zarnekow wird im Frühling eine neue Orgel angeschafft.

1877. Die uralte Glocke in Zarnekow gesprungen.

Die Zarnekower Kirche ohne Kirchturm

1889 Mein Bruder war nach dem Tode seiner geliebten Frau, die ihm Alles in Allem war, wie umgewandelt, u fand er, in seinem ernsten, religiösen Sinn, durch den Umbau der Kirche in Zarnekow eine ihm willkommene Beschäftigung. Den Anstoß dazu gab auch noch ein Vermächtniß seiner verstorbenen Frau, zu deren Andenken, der Wittwer und die Kinder, das schöne Kirchenfenster, hinter dem Altar stifteten.

1890 Ist der Umbau vollendet u wird durch ein großes Missionsfest in Carlsburg bei strömenden Regen gefeiert.
Ein Legat von 25,000 M. was der alte Diener Holst für den Thurmbau der Zarnekowkirche bestimmte, ward von meinem Bruder ausgeführt.

Das von Friedrich von Bismarck-Bohlen und seinen Kindern gestiftete Altarfenster:
Sei getreu bis in den Tod. So will ich Dir die Krone des Lebens geben.
Der Kirche in Zarnekow gewidmet im Andenken an Gräfin Pauline v. Bismarck-Bohlen geb. v. Below, der liebevollsten Gattin und besten Mutter von ihrem Manne, ihren fünf Kindern u. vier Schwiegerkindern zum 19. Juli 1890
Rechterhand ist der weiter unten beschriebene Messingleuchter

Die Glasmalerei im Ostfenster wurde 1890 nach einem Gemälde von Rafael “Verklärung Christi” bei dem Berliner Königlichen Institut für Glasmalerei von der gräflichen Familie in Auftrag gegeben.

1892 wurde der Bau des Turmes vollendet.

1901 Als bleibendes Andenken hat Lenchen in Zarnekow eine Thurmuhr mit Schlagwerk gestiftet, deren Klang die Leute an ihre treu sorgende Herrin erinnern wird! Gott wolle seinen Segen ruhen laßen, auf der Arbeitsstätte die Lenchen verläßt. O möge sein Segen sie begleiten mit dem neuen Arbeitsfeld welches sich ihr in Niederhof erschließt!

Die von Helene von Bismarck-Bohlen gestiftete Thurmuhr
Dieses Schild ist in der Glockenstube der Zarnekower Kirche angebracht.

Drei Glocken beherbergt der Kirchturm.

Das Glockengestühl

Die Inschriften auf den Glocken lauten:

  1. Die große Glocke:

CELLISSIMI COMITIS AC HEROIS DOMINI A BRAHE, PATRONI ECCLESIAE ZARNECK: SPLENDIDISSIMI IUSSU, PROMOTIONE GENEROSISSIMI DOMINI A RAMM, VICE PATRONI DIGNISSIMI, HAEC CAMPANA RESTITUTA EST ANNO MDCCLXV, ME FECIT. GOTTLIEB METZGER STRALSUND

Auf Anordnung des hocherhabenen Grafen und Heros von Brahe des hell strahlenden Patrons der Kirche von Zarnekow, und unter Förderung des hochherzigsten Herrn von Ramm als ihres hochwürdigsten Patrons ist diese Glocke im Jahr 1765 wieder hergestellt worden. Mich machte Gottlieb Metzger, Stralsund

2. Die mittlere Glocke

Inschrift im Spruchband vorn: JESUS CHRISTUS GESTERN UND HEUTE UND DERSELBE AUCH IN EWIGKEIT Inschrift im Spruchband hinten: HEBR. 13,8 Inschrift im Spruchband in der Mitte: GEOPFERT FÜR DEUTSCHLANDS WEHR NEU ERSTANDEN ZU GOTTES EHR

3. Die kleine Glocke:

Inschrift im Spruchband vorn: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, daß der König der Ehre einziehen. Inschrift im Spruchband hinten: PS. 24,7 Inschrift an der Seite: 1937

Im Jahre 1688 wurde eine alte Glocke aus Steinfurth nach Zarnekow gebracht, die, wie im Hausbuch vermerkt, 1877 zersprang. Ihre Inschrift:

O REX GLORIE CHRISTE VENI CUM PACE

Auf der neuen Glocke wurde diese Inschrift wieder angebracht.

Die Grüneberg-Orgel

1861 kaufte die Kirchgemeinde eine Orgel mit Pedal bei dem Orgelbauer Grüneberg in Stettin. Auch im Hausbuch erscheint darüber ein Eintrag, sodass anzunehmen ist, dass sich die Bismarck-Bohlen daran finanziell beteiligt haben.

Im Laufe der Zeit hat auch sie einiges durchgemacht: 1917 mussten die Metallpfeifen als Kriegsmaterial abgegeben werden. 1924 werden die Prospektpfeifen sowie zwei Register erneuert. 1946 wurde die Orgel von der Firma Sauer durchgesehen und 1954 erhielt sie zwei neue Register und möglicherweise auch den Motor. Seitdem wurde und wird die Orgel regelmäßig gewartet.

ln einem Gespräch mit Pastor Barsch, der von 1959 bis 1996 der Zarnekower Gemeinde vorstand, erfahre ich viele Neuigkeiten über das Leben in der Gemeinde aber auch einiges über die Familie von Bismarck-Bohlen. Die Trauung der Tochter von Fritz Ulrich und Elibsabeth, Oriana mit Franz Adalbert von Rosenberg, wurde nicht von dem damaligen Zarnekower Pastor vorgenommen, sondern von einem Geistlichen der bekennenden Kirche, deren Mitglied der Graf war.

Dazu heißt es in den Aufzeichnungen des Pastors Gurr: für Gottesdienste hat Herr Graf v. B. B. Karlsburg, nach jederzeit wiederruflicher Vereinbarung seine in Steinfurth befindliche Familienkapelle zur Verfügung gestellt. … Die gräflich von Bismarck-Bohlen’sche Herrschaft dagegen glaubte auf die Seite der sogenannten bekennenden Kirche treten zu müssen. Sie verweigerte freilich niemals z.B. die Anerkennung der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 11. Juli 1933 u. es wurde durch die Gutsverwaltung nach wie vor die Kirchensteuer gezahlt. Aber andererseits wurden kirchliche Handlungen in der Familie, – Konfirmation der Söhne, Trauung der ältesten Tochter, Beisetzung der Gräfin-Mutter, – durch andere Geistliche vollzogen ohne irgend welche Meldung an das zuständige Pfarramt.

Zu DDR-Zeiten besuchten einige Nachkommen der Familie von Bismarck-Bohlen Karlsburg und suchten bei dieser Gelegenheit den Kontakt zu Pastor Barsch und seiner Frau Helga, welche auch die Steinfurther Begräbniskapelle betreuten. Vom 20. – 24.05.1985 war Oriana von Rosenberg geb. Bismarck-Bohlen mit Jürgen von Bismarck in Karlsburg, verabredete sich mit der Familie Barsch und trug sich in deren Gästebuch ein. Dort findet sich auch ein Eintrag von Viktoria Roland, der jüngsten Tochter von Fritz Ulrich und Auguste Viktoria, die sich in der Zeit vom 27.09. – 03.10.1988 hier aufhielt. Und kurz nach dem Mauerfall besuchten Adalbert von Rosenberg mit seiner Frau Heidi ebenfalls den Ort, wo er in seiner Kindheit oft seine Ferien verbracht hatte. (16.-17.02.1990). Alle bedankten sich herzlich bei der Familie Barsch für die freundliche Aufnahme und Gastfreundschaft. Auch Briefe von Theda von Quistorp geb. von Falkenhayn, die Schwester von Auguste Viktoria, an Helga Barsch finden sich im Memorabilienbuch. Sie hielt den Kontakt, da sie bei Barschs die Pflege des Friedhofs in Auftrag gegeben hatte.

An alle diese Nachkommen wird auf Grab- oder Gedenksteinen auf dem Steinfurther gräflichen Friedhof erinnert.

Oriana geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen
Viktoria geb. Gräfin von Bismarck-Bohlen
Adalbert von Rosenberg

Nach 1945 war Hugo Lembke bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter Pfarrer in Zarnekow. Er wohnte zunächst im Kirchturm, denn die Wohnungsnot war groß. Im ersten Stock war das Wohnzimmer mit einem noch kleineren Raum nebenan, der als Küche diente, mit Kochmöglichkeit und Ofen ausgestattet. Es gab kein Wasser und auch keine Toilette. Im zweiten Stock war das Schlafzimmer, quasi neben dem Glockenstuhl gelegen. Aus heutiger Sicht ausgesprochen spartanisch aber irgendwie auch romantisch. Das Pfarrhaus, das nach dem Krieg abgebrannt war, wurde in seiner Zeit neu errichtet.

Das Pfarrhaus
Das Pfarrhaus am Ostersonntag 2022

Nach Pastor Lembke zog die Familie Fisch in den Turm ein. Er war Zimmermann und hat tatkräftig beim Umbau des Kircheninneren geholfen. Z. B. hat er aus Teilen der gräflichen Emporen, die aus der Kirche entfernt worden waren, die Orgelempore erweitert, sodass heute auch der Kirchenchor oder der Posaunenchor Platz hat.

Das Porträt von Siegfried Barsch wurde von Horst Zilm in Auftrag gegeben. Der Künstler ist Michael Hädrich.

Von 1959 bis 1996 war Siegfried Barsch Pastor in Zarnekow, seine Frau Helga Kirchenmusikerin und Katechetin. Beide kamen aus Anklam, er besuchte dort die Oberschule und war von zwei Oberschulklassen der einzige, der nicht in die FDJ (Freie Deutsche Jugend) eintreten wollte. Da er ob seiner Überzeugung auch nach vieler Agitation seitens der Schulleitung nicht Mitglied werden wollte, versuchte man es über den ökonomischen Hebel. Da sie sieben Geschwister waren, mussten die Eltern kein Schulgeld zahlen. Das ändert sich nun. Zunächst verlangte man 10 Mark im Monat und als das nichts half, erhöhte man auf 20 Mark, strich also die Schulgeldbefreiung, was sich die Eltern jedoch nicht leisten konnten. Der damalige Anklamer Superintendent organisierte dann vom Hilfswerk der Kirche 200 Mark, so dass Siegfried Barsch das Abitur doch noch erfolgreich 1951 ablegen konnte. Anschließend studierte er Theologie in Greifswald. Wie bei allen anderen Studentinnen und Studenten gehörte auch bei den Theologen das Fach Marxismus-Leninismus zum Stundenplan. In der Zeit 1951/52 schrieben die Studierenden unter die in diesem Fach abgelegten Klausuren: “wir geben hiermit unser Wissen wieder, aber nicht unsere Meinung.” Nach bestandenem Examen, schon als Vikar arbeitend, wurde ihm die Pfarrstelle in Zarnekow angeboten, die er dann im Januar 1959 antreten hat.

In den ersten Jahren seiner Amtszeit begann er mit dem oben erwähnten Herrn Fisch, die Kirche von den mit brauner Farbe gestrichenen Emporen der Adligen, die sich auf beiden Seiten über dem Altar erstreckten, zu befreien, da diese das Innere sehr verdunkelten und vor allem ziemlich marode waren. Auch eine zusätzlich eingezogene Decke musste entfernt werden, da sie von Schwamm befallen war.

Eine Ansicht des Innenraums, wie er schon im 19. Jahrhundert ausgesehen haben muss, zumindest vor 1890, da das Ostfenster noch nicht ausgetauscht worden war.
Die erhöhte Kanzel mit Schalldeckel
Der von der erhöhten Kanzel erhaltene Kanzelkorb
Der aus Sandstein gefertigte Altar:
Er hat ein Gedechtnis gestiftet seiner Wunder der gnedige und barmherzige Herr. Psa. III
unter dem Relief links:
ICH HAB ES VON DEM HERREN EMPFANGEN ▪︎ DAS ICH EUCH GEGEBEN HAB DENN DER HERR JESUS IN DER NACT ▪︎ DA ER VERRATEN WART NAHM ER DAS BRODT DANCKET UND BRACHES UND SPRACH ▪︎ NEMET ESSET DAS IST MEIN LEIB DER FUR EUCH GEBROCHEN WERT SOLCHES TUT ZU MEINEM GEDECHTNIS;
unter dem Relief rechts:
DESSELBIGEN GELICHEN AUCH DEN KELCH NACH DEM ABENDMAHL UND SPRACH DEISER KELCH IST DAS NEWE TESTAMENT ON MEINEN BLUT SOLCHES THUT SO OFFT IHRS TRINCKET ZU MEINEN GEDECHTNIS I ▪︎ COR ▪︎ II ▪︎ U ▪︎ Z3 ▪︎ ETSEG

Das Altarbild von 1622 war mit dem Mauerwerk verbunden. Ein Anklamer Steinmetz wurde beauftragt, dieses Kunstwerk aus Sandstein von der Wand zu lösen. Der Altar wurde neu aufgebaut, mit Sandsteinplatten verkleidet und darauf das Altarrelief gesetzt und stabilisiert. Durch zwei Stufen entstand ein Altarraum, auf einer dritten wurde der frei stehende Altar errichtet.

Blick von der Orgelempore

Ein Kaselkreuz, was anscheinend 1612 als Antependium umgestaltet worden war, wurde ebenfalls von der Familie Normann gestiftet. Es ist heute in der landesgeschichtlichen Dauerausstellung des Pommerschen Landesmuseum zu besichtigen.

Der Altar mit Antependium
Kaselkreuz

Die Geschichte des Gemäldes “Anbetung der Hirten” von Gerrit van Honthorst gleicht einem Krimi.

Das Original wurde der Pantelitzer Kirche von Hugo von Mecklenburg auf Pantlitz als Altarbild gestiftet.

Nachdem die Arbeiten an der Kirche abgeschlossen waren, sah man sich mit einem ziemlich kahlen Raum konfrontiert. Da erhielt Siegfried Barsch vom dem damaligen Kirchenbaurat den Hinweis, dass in Pantelitz bei Ahrenshagen eine Kirche gesprengt werden solle. Dort befände sich ein Gemälde von Gerrit van Honthorst, welches in der Zarnekower Kirche seinen Platz finden könne. Dieses Angebot nahm Pastor Barsch gerne an. So fuhr er mit einem Pritschenwagen in das Dorf. Die Kirche war offen, das Bild fand er inmitten von Schutt und Schmutz an der Wand lehnend, die Leinwand war durchgetreten. Den Anblick, sagte er, werde er nie vergessen. Er habe es dann dem Stralsunder Kunstmaler Erich Kiefert übergeben, der es gereinigt, mit einer Hartfaserplatte stabilisiert und mit Honigwachs gefestigt habe. Kaum hing das Gemälde in der Kirche, meldete sich der Gemeindekirchenrat von Pantelitz, er wolle es zurückhaben, da die dortige Kirche doch nicht gesprengt werden solle. Damit war Siegfried Barsch nun gar nicht einverstanden und man einigte sich, indem ein Leihvertrag über 25 Jahre verabredet wurde. Nachdem die 25 Jahre verstrichen waren, wurde das Bild genau untersucht und dann restauriert. Heute hängt es im Pommerschen Landesmuseum. Sowohl die Kirche in Pantelitz als auch die in Zarnekow erhielten jeweils eine Kopie des Gemäldes. Siegfried Barsch nahm die Darstellung der heiligen Familie immer wieder freudig zum Anlass, Momente des Gemäldes in seinen Predigten am Heiligabend aufzunehmen.

Nach Umgestaltung und Renovierung der Kirche in den 1960er Jahren wurden das schmiedeeiserne Kreuz u die beiden Leuchter auf dem Altar beim Karlsburger Schmied Rudolf Lucht in Auftrag gegeben.

In der Kirche befand sich auch ein in die Wand eingelassener Altarschrein mit einem mittelalterlichen Christus auf der Innentür, den Pastor Barsch ebenfalls in Stralsund von dem Restaurator Todemann aufarbeiten ließ. Nach der Fertigstellung wurde der Schrein nicht wieder in die Wand eingesetzt.

Auch die Episode über das Auffinden der Altarleuchter aus Messing, gestiftet von Caspar Aufing 1733, ist erzählenswert. Pastor Barsch fand sie auf dem Dachboden, wo sie als Auffanggefäße für Regenwasser benutzt worden waren. Sie sahen so unansehnlich aus, dass man kaum ihre eigentliche Funktion erkannte. Nach gründlicher Reinigung kam ihre ursprüngliche Schönheit wieder zutage und sie sind noch heute bei festlichen Anlässen zu bewundern.

Die Zarnekower Kirche wurde Ende der 1980er Jahre restauriert, bekam ein neues Dach, der Kirchturm, der ursprünglich mit Schiefer gedeckt war, wurde mit Kupferplatten belegt. Auch die Thurmuhr wurde restauriert. Das nötige Geld kam aus verschiedenen Quellen: die LPG gab 15000, das Zentralinstitut 10000, 5000 Mark kamen von der Gemeinde. Kleiderbasare, gesammelt und gespendet von der Hamburger Partnergemeinde, zum jährlich veranstalteten Turmfest brachten ebenfalls Spendengelder.

Zu einigen der Karlsburger Institutsdirektoren hatte Siegfried Barsch ein gutes Verhältnis wie zu Prof. Gerhard Mohnicke oder Doz. Dr. med. habil. Hans-Georg Lippmann. Beide unterstützten ihn bei der Krankenhausseelsorge, die in der DDR nicht gern gesehen wurde. Seelsorge sollte nur in Anspruch nehmen können, wer dies bei der Stationsschwester vorher anmeldete. Dann erst wurde der Pastor angerufen. Aushänge in der Klinik z. B. waren nicht mehr erlaubt. Die beiden oben genannten Direktoren setzten sich über diese Anordnungen hinweg und ließen Siegfried Barsch in gewohnter Weise seine Arbeit machen.

In den 37 Jahren seiner Amtszeit wurden ihm auch höhere Ämter innerhalb der evangelischen Kirche angeboten. Dazu hätte die Familie aber nach Wolgast bzw. Greifswald umziehen müssen und Helga Barsch hätte ihre Arbeit aufgeben müssen. “Uns gab es nur im Doppelpack”, meinte das Ehepaar mit einem Lächeln. Nicht zuletzt hielt sie auch die innige Verbundenheit mit den Menschen der Zarnekower Kirchengemeinde von einem Ortswechsel ab.

In der Wendezeit initiierte Siegfried Barsch jede Woche einen Gesprächskreis, was von den Bewohnern der Gemeinde, ob kirchlich gebunden oder nicht, gern angenommen wurde. Daraufhin trat man an ihn mit dem Vorschlag heran, doch für die Karlsburger Gemeindevertretung zu kandidieren.

An Herrn von Rosenberg schrieb er: Die letzten Wochen standen natürlich auch im Banne der ersten freien Kommunalwahlen, die wir nun glücklich hinter uns gebracht haben. … Ich bin als Parteiloser, der ich auch bleiben will, unter dem Dach bzw. auf der Liste der CDU angetreten. Dazu kamen noch einige Gleichgesinnte, die es ebenfalls für erforderlich hielten, gegen die PDS zu kandidieren. Mir ist viel Vertrauen entgegengebracht worden, sodass ich wohl die meisten Stimmen erhalten habe. Dadurch hat die CDU neun Sitze von fünfzehn erhalten und stellt den Bürgermeister und den Rat der Gemeinde Karlsburg. Als Bürgermeister zu fungieren, hatte ich nie die Absicht. Das Siegfried Barsch die meisten Stimmen bei dieser Kommunalwahl bekam, zeigt nochmals seine besondere Verbundenheit mit den Dorfbewohnern.

1992 lud die Kirchengemeinde zum 700-Jahrfeier der Kirche ein. Wie oben schon erwähnt, ist ein genaues Datum der Fertigstellung nicht auszumachen. Immerhin war der Turm, wenn auch ungleich jünger, 1892 erbaut worden, also konnte 1992 ein hunderjähriges Jubiläum gefeiert werden. Jedes Jahr findet seit vielen Jahren im Sommer ein Turmfest statt. Nach 1990 wurden sowohl das Pfarr- als auch das Gemeindehaus umfassend renoviert bzw. erneuert. Sicherlich ist die Instandhaltung des kirchlichen Gemäuers auch weiterhin eine unendliche Geschichte.

Der 3. Advent 2021 in Steinfurth

Auch in diesem Jahr spielte traditionell der Bläserchor der Greifswalder Johannesgemeinde in Steinfurth, allerdings coronabedingt nicht im Kulturhaus sondern im Rahmen eines Gottesdienstes unter freiem Himmel, der von Pastor Harder gefeiert wurde.

Danach konnten die Dorfbewohnerinnen bei Glühwein den Tag ausklingen lassen.

Für die Kinder war sicher der Weihnachtsmann, der mit der Feuerwehr kam, die wie ein Weihnachtsbaum funkelte, der Höhepunkt des Nachmittags.

Der Weihnachtsmann verschenkt an die Kinder Süßigkeiten
Der erste Schnee 2021

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle und die Familien, die dort lebten

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle liegt zwischen Steinfurth (diesseits der B109) und Karlsburg. Sowohl für die Steinfurther als auch für die Karlsburger war dieser Ort schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Man konnte und kann dort wunderbar picknicken oder im Spätsommer von den alten Obstbäumen, wie Apfel, Birne und Pflaume, naschen.

So oder ähnlich könnte die Karlsburger Mühle ausgesehen haben (Mühle in Greifswald-Wieck)

Der Hügel, auf dem die ehemalige Mühle stand, die schon im 1. Weltkrieg, da sie baufällig war, abgerissen wurde, ist mittlerweile mit hohen Bäumen bewachsen und mit Brombeersträuchern überwuchert. Wo genau die Mühle oder auch das Transformatorenhäuschen stand, kann man nur noch erahnen.

Der Hügel, auf dem ehemals die Karlsburger Mühle stand

Ein zerborstener Mühlstein liegt noch im Unterholz.

Dicht beisammen: 3 verschieden große Mühlsteinteile

1 die Hälfte eines Mühlsteins 2 ein Drittel Mühlstein 3 ein Bruchstück von dem Mühlstein

Sie war zwischen 1704 und 1733 auf der damals kahlen Höhe des “Witten Bargs” errichtet worden. Caspar Aufing wird 1733 zuerst als Müller genannt. 1760 lebt auf “Gnatzkowmühl” der Windmüller Johann Friedrich Köhler mit Frau und zwei Kindern. In seinem Dienst stehen ein Müllerbursche, ein Dienstmädchen und ein Junge. Das genannte “Verzeichniß” enthält als Bewohner außer dem älteren Müllerehepaar Volckmann mit einem kleinen Sohn auch die vierköpfige Familie des Sohnes David, der seinem Vater höchstwahrscheinlich in seinem Gewerbe folgte, ferner, wohl als Knecht und Magd auf dem Mühlenhof, Michel Pollin und Maria Schmidten. Eine Vorpommernkarte von 1803 zeigt neben dem Windmühlensymbol lediglich ein Gebäude in noch waldreicher Umgebung. Der Blick auf die Mühle wurde später von den Kiefernforsten behindert … 1904 wird der Mühlenpächter Melms von Johann Schmechel aus Hohendorf abgelöst, und dieser wird hier der letzte Müller gewesen sein. (Egon Brauns: Karlsburg: Von der Vergangenheit eines Dorfes, S. 38).

In den zwanziger und dreißiger Jahren war aber die Schweinezucht in Karlsburg außerordentlich erfolgreich und weithin bekannt. Anfangs hatte diese ihren Sitz auf dem vormaligen Mühlengehöft Viktoriahof unter Schweinezuchtmeister Konrad Piper. Später wurde sie nach Karolinenhof verlegt, wo unter Leitung von Fritz Piper am 1. Oktober 1935 etwa 600 Zuchttiere gehalten wurden. (Ebenda, S. 76)

In dem Memorabilienbuch der Zarnekower Kirche, von Pastor Siegfried Barsch gesammelt, findet sich ein Text “Einiges von Land und Leuten im Kirchspiel Zarnekow”, von dem Prediger Adamy aus Krien zusammengestellt. Darin werden auch die zur Kirche gehörigen Ortschaften aufgelistet, u.a. Gnatzkowmühl 1759.

Der Viktoriahof, im 20. Jahrhundert wohl so genannt nach der jüngsten Tochter von Auguste Viktoria und Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen, wurde 1886 errichtet mit dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Stall und der um 1900 erbauten Scheune.

Ansichten des Mühlengehöfts
Der Viktoriahof, rechts das Wohnhaus, 1886 erbaut, dahinter aus dem 17. Jahrhundert der Stall und die Scheune, 1900 erbaut.

Der Weg heute

Heute ist das Gehöft wüst. Einzig die Grundmauern und die große Kastanie, die vor dem Wohnhaus stand, lassen dessen Standort erahnen. Es wurde nach der Wende von der Treuhand an einen Westdeutschen verkauft. Die letzten Besitzer erhielten den Zuschlag nicht, weil ihnen der Eigentumsnachweis abhanden gekommen war. Wahrscheinlich hatte dieser, als 1960 die Felder und Wiesen an die LPG abgegeben werden mussten, die Unterlagen, die ihn als Eigentümer des Hofes auswiesen, während der Versammlung den Verantwortlichen vor die Füße geworfen. Gleiches erzählte uns auch der Bewohner des ehemaligen Gutshauses. Einige Obstbäume wurden vom jetzigen Besitzer gepflanzt, von dem in der Gemeinde nichts bekannt ist.

Von der aus Buddenhagen stammenden Familie Buggenhagen – Alma und Friedrich, die zuletzt auf dem Viktoriahof gelebt hatte, leben von sieben Geschwistern noch zwei. Eine davon ist eine Karlsburgerin, die noch auf dem Gehöft geboren wurde. Nach ihren Erzählungen hat ihr Vater vor 1945 unter dem Grafen Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen in der von Förster Moderak betreuten Forst gearbeitet und nahm als Treiber an den gräflichen Jagden teil. Ein guter Schütze war er noch dazu. Von der Jagd brachte er dann auch Innereien mit.

Über die gräfliche Familie wusste sie aus Berichten ihrer Mutter, das die Gräfin sehr nett und hilfsbereit, der Graf dagegen eher introvertiert und zurückhaltend gewesen sein soll. So unterstützte die Gräfin die Familie nach der Geburt der jüngsten Tochter, indem sie eine Zudecke und Kissen zur Mühle brachte.

Die beiden Söhne, Theodor und Achaz, arbeiteten vor dem 2. Weltkrieg auf den Feldern des Gutes mit, sie sollen freundlich und fleißig gewesen sein und die gleichen Arbeiten verrichtet haben wie die Gutsangestellten und Arbeiter. Sie bedauerten diese, weil deren Häuser nicht so komfortabel mit Bädern ausgestattet waren wie das Schloss. Die Arbeiter wuschen sich im Hof mit kaltem Wasser.

In dem Fotoalbum der Eltern fand sich auf der ersten Seite ein Bild der Gräfin. Unter welchen Umständen die Mutter dies erhalten hat, konnte meine Gesprächspartnerin nicht sagen.

Auguste Viktoria von Bismarck-Bohlen, geborene von Falkenhayn

Das Leben der letzten Besitzer, die im August 1936 von Buddenhagen auf den abseits gelegenen Viktoriahof gezogen waren, war sehr beschwerlich. Um nach Steinfurth oder Karlsburg zu gelangen, mussten sie in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts weite Wege, die gerade mal von Pferdewagen befahren werden konnten, zu Fuß überwinden, denn über Fahrräder verfügte man nicht. Nach Ende des Krieges wurde einer dieser Wege sogar kurze Zeit von russischen Panzern (von Pamitz oder Wahlendow kommend) in Richtung Züssow befahren und entsprechend zugerichtet. Noch in den 80er Jahren bezeichneten die Leute diese Strecke, die hinter der alten Gärtnerei nach Steinfurth führt, als “Panzerweg”.

Der Lehrer der Schule, ein SA-Mann, der immer in seiner gelben Uniform lief und bei den Kindern besonders gefürchtet war, überbrachte die Nachricht von Tod des Bruders. Die schriftliche Information, dass er in einem Einzelgrab beerdigt worden sei, stellte sich später als Lüge heraus. Das erfuhren Buggenhagens von einem Freund aus Pamitz, der verwundet zurückgekehrt war und also den Krieg überlebt hatte. Er berichtete, dass über die Gefallenen Erde geworfen wurde, und sie mussten weiter marschieren.

Strom und fließendes Wasser gab es zunächst nicht. Petroleumlampen waren lange Zeit die einzige Lichtquelle, wenn es dunkel wurde. 1962 starb der Vater und die Tochter musste allein mit dem großen Anwesen fertig werden, da auch die Mutter krank war. Schweine, Schafe und Gänse waren schon abgeschafft, nur vier Kühe und Hühner waren noch vorhanden.

Der Vater war Mitglied der SPD und gar nicht einverstanden mit der Vereinigung von SPD und KPD. In der SED wollte er nicht Mitglied sein. Auch als 1960 die LPG gegründet wurde, sperrte er sich – wie so viele – dagegen. Zu der Versammlung nahm er die Unterlagen, die ihn als Eigentümer auswiesen, mit. Er scheint diese dem Versammlungsleiter vor die Füße geworfen zu haben. Zwei Jahre später starb er dann. Mutter und Tochter wohnten noch bis Oktober 1969 auf dem Gehöft, welches zur Mühle gehörte. Dann zogen sie in die Baracke hinter dem Friedhof, auch unter dem Namen “am Eselsteich” bekannt. Dort wurde auch die Hochzeit gefeiert. Einige Zeit später – 1970 erkrankte die Mutter schwer – erhielten sie dann eine Wohnung direkt in Karlsburg.

Der Werdegang dieser Karlsburgerin soll hier kurz geschildert werden. Als junges Mädchen arbeitete sie auf dem Hof ihres Vaters in der Landwirtschaft. Als dieser 1962 starb, musste sie die Verantwortung für das Anwesen übernehmen. Mit der Gründung des Instituts für Diabetes wuchs in ihr der Wunsch Krankenschwester zu werden. Da sie aber in der Landwirtschaft arbeitete, war es ihr nicht erlaubt, von dort so ohne weiteres wegzugehen und eine Lehre zu beginnen. Sie suchte sich dann eine Arbeit in Spremberg, wo sie am Fließband heiße, tropfnasse und schwere Baumwolle in eine Schleuder bugsieren musste, eine schwere Arbeit, die allerdings gut bezahlt wurde – 400 Mark.

Bis Anfang der 60er Jahre arbeiteten noch Krankenschwestern aus kirchlichen Einrichtungen in Karlsburg (vergleichbar mit den Diakonissinnen). Dann suchte man dringend staatlich ausgebildetes medizinisches Personal und sie kam nach Karlsburg zurück, arbeitete zunächst als Reinigungskraft, da war der Verdienst mit 180 Mark ungleich geringer. Nach kurzer Zeit begann sie dann ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Stralsund.

Sie arbeitete auf verschiedenen Stationen, schließlich musste sie von 1983-1984 noch die Fachschwester für Dialyse und Nierentransplantation ablegen. Also setzte sie sich nochmals ein Jahr lang auf die Schulbank und schloss in Rostock diese Ausbildung ebenfalls erfolgreich ab. 1986 wurde sie krank und musste ihre Arbeit auf der Dialysestation aufgeben. Von da an arbeitete sie auf anderen Stationen.

Heute engagiert sie sich in der Kirchgemeinde Zarnekow, besucht die Gemeindemitglieder zu deren Geburtstagen.

Bläserkonzert im dem Steinfurther Treckerschuppen

Am 31. Oktober fand im Steinfurther Treckerschuppen Bläsermusik zum Reformationsfest statt. 17 Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores der Greifswalder Johannesgemeinde boten einen bunten Strauß von Swing über “eine feste Burg” von Martin Luther und klassischen Stücken bis zu “der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius. Beschwingt und erheitert ging das Publikum mit auch durch die unterhaltsame Moderation des Chorleiters Dr. Gerrit Marx.

Die Arbeit an der Steinfurther Kirchenruine geht 2021 weiter

Im Zuge der Aufräumarbeiten um das Ensemble der Steinfurther Kapelle und Kirchenruine herum wurden die vor zwei Jahren gefertigten Stufen nun in die Wendeltreppe zur Gruft eingebaut, sodass man wieder hinabsteigen kann. Es soll gar nicht so kompliziert gewesen sein wie gedacht.

Vom 21. bis zum 23. September arbeiteten 15 junge Freiwillige der Jugendbauhütte Mecklenburg-Vorpommern auf dem Areal der Kirchenruine. Ebenfalls am 21. erschien in der Ostseezeitung ein ausführlicher Beitrag zu den Aktivitäten in Steinfurth.

ein Beitrag von Petra Hase in der Ostseezeitung vom 21. September 2021

Innerhalb eines Tages haben die jungen Leute mit Hilfe schwerer Technik und Unterstützung vom Karlsburger Ortsvorsteher Christoph Hasenbank Erstaunliches geleistet. Im Innenraum der Kirchenruine wurden die oberflächlich liegenden Steine mit Hilfe eines Baggers entfernt und nach jeweiliger Beschaffenheit auf dem Gelände abgelegt.

Damit die Reste des Kirchturms eingerüstet werden können, wurde der Boden geebnet.
Das Fundament der Sakristei kam zutage, als das schmiedeeiserne Tor vom Gebüsch befreit wurde.
Reste des schmiedeeisernen Tors
Vor dem Kreuz, welches zentral auf dem gräflichen Friedhof hinter der Kapelle steht, wurden die nicht dort hin gehörenden Koniferen entfernt…
der Grabstein von Carl Bluhm

… und der Grabstein von Carl Bluhm geborgen, der Bursche von Theodor von Bismarck-Bohlen während seiner Zeit als Leutnant war und in Karlsburg dann zum Personal gehörte. Dieser Stein stützte den Grabstein des Grafen Friedrich Carl von Bismarck-Bohlen. Nun wird er in die Reihe der Angestellten zwischen Kapelle und Friedhofsmauer eingefügt, wo er ursprünglich wohl auch stand.

Das Tor, welches direkt zum Friedhof hinter der Kapelle führt, wurde freigelegt.

Nach der Bearbeitung
Die Bänke wurden freigeschnitten. Wo am Ende genau ihr Standort sein soll, muss noch entschieden werden.
An der Feldsteinmauer, die seitlich den alten Friedhof vom Nachbargrundstück trennt, wurde das Gestrüpp beseitigt.
ein Buschfund: wahrscheinlich Teil eines Grabkreuzes vom alten Friedhof um die Kirchenruine, gefunden im Gebüsch.

Spurensuche zu den Bismarck-Bohlen in Niederhof und Brandshagen

Ein Konzert in der Marienkirche von Brandshagen gab uns die Gelegenheit, den Innenraum zu besichtigen, wo Caroline und die nachfolgenden Generationen der Bismarck-Bohlen regelmäßig zum Gottesdienst gegangen sein müssen, und die Schwester Julie auch konfirmiert wurde.

Also machten wir uns auf den Weg, um zunächst dem Dorf Niederhof, welches sich ganz in der Nähe befindet, nochmals einen Besuch abzustatten, dem Sommersitz der Familie Bismarck-Bohlen.

Beim ersten Besuch hatten wir an einer Führung des Archäologen Gunnar Möller teilgenommen. Er hatte den Fokus mehr auf die Zeit gelegt, als das Gut sich im Besitz des Stralsunder Unternehmers Joachim Ulrich Giese befand.

Zunächst ging es den schon bekannten Weg am Standort des heute zerstörten Rokokoschlosses vorbei, die Reste des Fundaments suchend,

Kellerreste

zum Strand

Blick auf den Strelasund mit Strand

und dem ehemaligen von Helene von Bismarck-Bohlen (geb. am 27.09.1861 in Miechowitz; gest. 1933) erbauten Strandschloss,

Das Strandschloss mit Blick über den Strelasund Anfang des 20. Jahrhunderts …

… und heute

In der Chronik über Niederhof von Ingeborg Wagner heißt es zur Geschichte des Strandschlosses: am 14. Juli 1899 brennt das alte Haus am Strand, der Wohnsitz der meisten Arbeitskräfte des Hofes durch Blitzschlag ab. Die Gräfin v. Bismarck-Bohlen (Gräfin Lenchen) erbaut die drei Leute Häuser im “Schweizerstil” südlich der Koppel und für sich auf dem Platz des abgebrannten Hauses das neue Strandhaus, sehr hoch, dreigeschossiges Fachwerk mit rotem Schleppdach mit Blick auf den Strelasund.

Auf dem Rückweg besichtigten wir noch den ältesten jüdischen Friedhof an der Ostseeküste – sehr eindrucksvoll!

ALTER JÜDISCHER FRIEDHOF
Dieses Feld ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof an der deutschen Ostseeküste. Die verbliebenen Steine sind stumme Zeugen einer bewegten Geschichte. Zwischen 1776 und 1850 bestatteten Juden aus Stralsund, Greifswald und anderen vorpommerschen Orte[n], hier ihre Toten.
In ihren jeweiligen Heimatorten war ihnen in jenen Jahren das Bestatten verwehrt – hier allerdings, im damaligen Gut Niederhof ausdrücklich gestattet. Die Beerdigungsgesellschaften kamen zumeist mit kleinen Schiffen hier an, die am nahe gelegenen Ufer anlegten.
Wie viele Menschen hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, ist nicht bekannt – sicherlich aber mehr als die 1990 feststellbaren 60 Grabsteine und Reste von solchen.
Die Umfriedung, 1999 angelegt, schützt die noch verbliebenen 26 Grabsteine von hohem kulturhistorischen Wert sowie den 1964 errichteten Gedenkstein.
Landesverband jüdischer Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern

Immer noch waren wir auf der Suche nach dem aparten hochgezogenen Giebel im Schweizerstil.

Nachdem wir bei Dorfbewohnern erfolgreich nachgefragt hatten, ging es zurück zum Dorfanfang, wo eine Sackgasse rechter Hand zu den ebenfalls von Helene erbauten Schweizer Häusern führte, die sie für die Angestellten und Arbeiter errichten ließ, nachdem das alte Haus am Strand abgebrannt war. Aber auch hier fanden wir den bizarren Giebel nicht, wenn auch die Häuser im Schweizerstil hübsch anzusehen waren.

Die Schweizer Häuser, liebevoll restauriert

Auf dem Rückweg vom Strandschloss hatten wir linkerhand weitere Gebäude entdeckt. Nun wollten wir uns rückversichern, dass wir auch nichts übersehen hatten. Also fuhren wir nochmals Richtung Strandschloss, ein Platz neben dem Eingangstor des ins Visier genommenen Grundstücks lud zum Halten ein. Und die Besitzer waren auch zu sehen. Mit unserer Frage nach dem besonderen Giebel kamen wir ins Gespräch über das Schicksal desselben.

Da stellte sich heraus, dass der Gebäudeteil des Strandschlosses mit dem hochgezogenen Dach am Ende jedoch so marode war, dass er abgerissen werden musste. Wie Schade!

Wir wurden hereingebeten und da der Vater der Besitzerin, der Sohn von Ingeborg Wagner, gerade zu Besuch war, erfuhren wir von ihm einiges über die vergangene Zeit. Auch über die Kormorankolonie hatte er Interessantes zu erzählen. 1952 waren es acht Brutpaare, heute sind ungleich mehr.

Seine Mutter war als Gärtnerin auf dem Gut angestellt gewesen und hatte eine Chronik über Niederhof verfasst. Dass wir ihren Sohn kennenlernen durften, war eine besonders freudige Überraschung. Wir standen also auf dem Boden der ehemaligen Gutsgärtnerei. Ein altes Bienenhaus und Teile des Gewächshauses erinnern noch an Helenes Wirken und die vergangene Zeit. Überhaupt hat Helene wohl die deutlichsten Spuren im Ort hinterlassen.

Das alte Bienenhaus

Das alte Gewächshaus

Herr Wagner konnte sich noch gut an das Schloss erinnern, das nach dem Krieg von Flüchtlingen bewohnt war, durch einen Schornsteinbrand in Flammen aufging und die Feuerwehr im Morast stecken blieb und zu spät kam.

Das weiße Schloss am Meer

An anderer Stelle in der Chronik von Frau Wagner, die nicht veröffentlicht und leider nur im Stadtarchiv Stralsund einzusehen ist, wird ausführlicher über die Besitzer und Besitzerinnen wie die Großmutter und Mutter von Caroline von Bismarck-Bohlen sowie die Geschichte des Gutes erzählt, was im folgenden zitiert wird: Die nachfolgenden Käufer von Niederhof, Ernst Sebastian von Klinkowström, danach Frau von Normann verwitwete von Walsleben, haben im weißen Schloß gewohnt. Dort wurde auch die Hochzeit ihrer Tochter Caroline mit Ludwig von Bohlen gefeiert, die 1795 im Brandshäger Kirchenbuch eingetragen ist. Frau v. Normann hat bis zu ihrem Tode 1839 das weiße Schloss bewohnt. Danach ihre früh verwitwete Tochter Frau v. Bohlen. Auch sie haben viele Gäste im Schloss gehabt.

So erzählt man aus der französischen Besatzungszeit 1806, daß die französischen Offiziere im Schloss gewohnt haben und auf Wunsch der Besitzerin den Hauptweg, in den man vom Balkon hineinsehen konnte, haben verlängern lassen, damit man den Strelasund nach Osten zu beobachten konnte. Da werden wohl zwei Wünsche gleichzeitig erfüllt worden sein. Der militärische Vorteil lag darin, schon frühzeitig die vom Greifswalder Bodden hochkommenden Schiffe ins Visier zu bekommen und sie dann von einem eigens stationierten Boot anhalten zu lassen. Es war die Zeit der Kontinentalsperre und jeder Seehandel mit England mußte unterbunden werden.

Da nach dem Wiener Kongreß Rügen und Vorpommern an Preußen kamen, wundert es auch nicht, daß ein preußischer König Friedrich Wilhelm IV. die Gräfin Bohlen besuchte, nachdem er einen Kuraufenthalt in Putbus beendet hatte. Eine Tafel mit diesem historischen Ereignis soll noch lange an der Linde auf dem Lindenberg gehangen haben.

Als Nachfolgerin der Carola [Caroline] v. Bohlen erhielt deren Enkelin, die Schwester des Grafen Alexander [Fritz] von Bismarck-Bohlen den Nießbrauch an Niederhof. Es war Carola [Caroline] v. Malorti[e], auch früh verwitwet, die Jahr für Jahr im Sommer im weißen Schloß mit ihren Kindern und Enkeln wohnte. Von ihr ist ein Gästebuch erhalten mit vielen Handzeichnungen und vielen Namen. Dieses wurde bis 1880-1907 geführt. 1900 hatte ihre Nichte Helene v. Bismarck-Bohlen nach dem großen Brand des “Alten Hauses am Strand” den Nießbrauch an Schloß, Park und Gut abgelöst (ausgezahlt).

Für die vom Brand Betroffenen baute sie am Anfang des Dorfes neue Häuser und für sich auf der Brandstelle das Strandhaus. Das weiße Schloß wurde renoviert, Zentralheizung eingebaut, neue Fenster eingesetzt und dann zunächst an eine Schwägerin [Nichte Paulina, Tochter von Fritz Ulrich und Elisabeth] die mit v. Dürkheim verheiratet war, vermietet. Auch sie haben mit vielen Gästen dort gelebt und Schloß und Park in guter Ordnung gehalten. Nach ihrem Fortgang wurde das Schloß an einen Herrn v. Klinkowström vermietet, der es wohl bis zum Anfang des Krieges bewohnt hat. Besitzer von Carlsburg und Niederhof war seit 1916 Graf [Fritz] Ulrich v. Bismarck-Bohlen. Als Ehrensenator der Universität Greifswald erlaubte er während des Krieges seine Schlösser zum Auslagern von Kunstschätzen und Bibliotheksbeständen zu benutzen. So war der berühmte Croy-Teppich zeitweilig in Carlsburg. Die klassischen Gipsabdrücke und viele Bücher lagen in Niederhof. Das weiße Schloß war schon ganz mit Efeu bewachsen, als mit Ende des Krieges Flüchtlinge aufgenommen wurden. In jedem Zimmer wohnte eine Familie. Die Zentralheizung funktionierte nicht und man sah aus vielen Fenstern Schornsteinstutzen von Kochherden herausragen. … Und so ist dann das Unglück passiert. Am 6. November 1947 Abends brach das Feuer aus.

Wie konnte ein Schloß aus Steinen gemauert so restlos abbrennen? Es war ein Unglück. In einem Kabinett war unter dem Schlepprohr aufgestapeltes Holz in Brand geraten. Die Panik unter Kindern und Müttern war groß. Der Weg zum Telefon, dem Postamt in Brandshagen, war weit. Die erste ankommende Feuerwehr blieb in dem unwegsamem Morastweg stecken. Eine zweite Feuerwehr, mühselig von Brandshagen aus angefordert, mußte erst die steckengebliebene aus dem Sumpf ziehen und erst dann konnte gelöscht werden. Nach getaner Arbeit fuhren die Feuerwehren wieder nach Hause. Aber ohne die notwendige Feuerwache glomm das Verderben weiter. Alles Brennbare ist im Laufe vieler Tage und Nächte neu entflammt, wurde gelöscht und brannte immer wieder, bis wirklich nur noch Steine und Metallteile übrigblieben.

Es war gut, daß die Universität ihre Bestände an Büchern und Gipsfiguren schon vorher abgeholt hatte. So sind doch unwiederbringliche Schätze erhalten geblieben. …

Anschließend ging es weiter nach Brandshagen, wo wir in der Kirche ebenfalls einige Zeugnisse der Familie von Bismarck-Bohlen entdecken konnten.

Ein schon sehr verblasster Wandteppich auf der linken Seite des Altarraumes zeigt die Wappen der Familie von Below (Pauline, die Frau von Friedrich von Bismarck-Bohlen, Sohn von Caroline, war eine geborene von Below), der Familie von Bismarck-Bohlen, der Familie von Tiele-Winckler (Helene, die Frau von Friedrich Carl von Bismarck-Bohlen, war eine geborene Tiele-Winckler) sowie der Familie Ramelow (?).

Auf der rechten Seite hängt ein weiterer Teppich in ähnlichem Zustand.

Das Wappen rechts gehört der Familie Behr-Negendank (die Mutter des letzten Grafen, Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen, war eine geborene Behr-Negendank)

Und ziemlich versteckt links unter der Orgel entdeckten wir einen Text an der Wand unter dem Gemälde mit einer Christusfigur:


Zum Gedächtnis des Patrons dieser Kirche, des Grafen Friedrich Carl von Bismarck-Bohlen liess seine Witwe, Gräfin Helene von Bismarck-Bohlen, geborene von Tiele-Winckler in den Jahren 1905-1906 dieses Gotteshaus im Innern erneuern. Die Maler Max Kutschmann und Albert Leusch in Friedenau, sowie der Architekt Hans Teichen in Breslau, führten das Werk aus; dazu die Handwerksmeister des Orts: Wilhelm Duchert, Ludwig Koch, Wilhelm Rabe, Wilhelm Schenk. Pastor war Ernst Schlapp, der Küster Ludwig Schumacher, Kirchenälteste: von Spalding, Hecht, von Russdorf, Friderici, Meinke, Freese.

Das Konzert war dann der Höhepunkt unseres gestrigen Ausflugs. Wunderbar!

Die Carlsburger Güter – drei Wanderungen: 3. Von Karlsburg nach Groß Jasedow

Mit dem Fahrrad kommt man von Norden über mindestens zwei Wege nach Groß Jasedow. Von Karlsburg aus führt nach einer Karte, um 1900 herausgegeben, ein Privatweg hinter dem Schlosspark durch den Karlsburger Wald in das Dorf. Eine zweite Möglichkeit ist, über die B109, kurz bevor der Wald in Richtung Anklam endet, nach Groß Jasedow zu gelangen. Und von Süden kann man als drittes den Ort über Klein Bünzow erreichen.

Auf dem Weg nach Groß Jasedow von der B109 aus

In Richtung Privatweg nach Karlsburg

Der Privatweg von Karlsburg aus nach Groß Jasedow

Durch den Wald

an Feldern entlang

Carlsburg früher Gnatzkow genannt, scheint seit sehr langer Zeit immer mit Gr. Jasedow und einem Theile von Steinfurt vereint gewesen zu seyn, ist im Hausbuch der Grafen von Bismarck-Bohlen zu lesen. Unter der Rubrik “Gebäude” wird Groß Jasedow 1811 zum ersten Mal im Hausbuch erwähnt, war aber schon in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im Besitz von Carl Heinrich Behrend von Bohlen. Bis 1945 gehörte das Dorf dann zum Karlsburger Gut.

Der ehemalige Schweinestall, 1899 erbaut
Welche Mühe hat man sich auch bei solch einem Zweckbau gegeben: der Schweinestall

Das Relief eines Schweinekopfes in gutem Zustand in Ranzin – im 19. Jahrhundert Mustergut des Friedrich von Homeyer- zu finden
So oder ähnlich könnte der Schafstall ausgesehen haben (hier ein Beispiel ebenfalls aus Ranzin)

Das Jasedower Gutshaus

Der Dorfteich

Neben dem Schweinestall gab es in Groß Jasedow auch einen Schaf- und einen Pferdestall

ein Wohnhaus

Zum Abschied noch ein wunderbarer Sonnenuntergang