Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle und die Familien, die dort lebten

Das Gelände der ehemaligen Karlsburger Mühle liegt zwischen Steinfurth (diesseits der B109) und Karlsburg. Sowohl für die Steinfurther als auch für die Karlsburger war dieser Ort schon immer ein beliebtes Ausflugsziel. Man konnte und kann dort wunderbar picknicken oder im Spätsommer von den alten Obstbäumen, wie Apfel, Birne und Pflaume, naschen.

So oder ähnlich könnte die Karlsburger Mühle ausgesehen haben (Mühle in Greifswald-Wieck)

Der Hügel, auf dem die ehemalige Mühle stand, die schon im 1. Weltkrieg, da sie baufällig war, abgerissen wurde, ist mittlerweile mit hohen Bäumen bewachsen und mit Brombeersträuchern überwuchert. Wo genau die Mühle oder auch das Transformatorenhäuschen stand, kann man nur noch erahnen.

Der Hügel, auf dem ehemals die Karlsburger Mühle stand

Ein zerborstener Mühlstein liegt noch im Unterholz.

Dicht beisammen: 3 verschieden große Mühlsteinteile

1 die Hälfte eines Mühlsteins 2 ein Drittel Mühlstein 3 ein Bruchstück von dem Mühlstein

Sie war zwischen 1704 und 1733 auf der damals kahlen Höhe des “Witten Bargs” errichtet worden. Caspar Aufing wird 1733 zuerst als Müller genannt. 1760 lebt auf “Gnatzkowmühl” der Windmüller Johann Friedrich Köhler mit Frau und zwei Kindern. In seinem Dienst stehen ein Müllerbursche, ein Dienstmädchen und ein Junge. Das genannte “Verzeichniß” enthält als Bewohner außer dem älteren Müllerehepaar Volckmann mit einem kleinen Sohn auch die vierköpfige Familie des Sohnes David, der seinem Vater höchstwahrscheinlich in seinem Gewerbe folgte, ferner, wohl als Knecht und Magd auf dem Mühlenhof, Michel Pollin und Maria Schmidten. Eine Vorpommernkarte von 1803 zeigt neben dem Windmühlensymbol lediglich ein Gebäude in noch waldreicher Umgebung. Der Blick auf die Mühle wurde später von den Kiefernforsten behindert … 1904 wird der Mühlenpächter Melms von Johann Schmechel aus Hohendorf abgelöst, und dieser wird hier der letzte Müller gewesen sein. (Egon Brauns: Karlsburg: Von der Vergangenheit eines Dorfes, S. 38).

In den zwanziger und dreißiger Jahren war aber die Schweinezucht in Karlsburg außerordentlich erfolgreich und weithin bekannt. Anfangs hatte diese ihren Sitz auf dem vormaligen Mühlengehöft Viktoriahof unter Schweinezuchtmeister Konrad Piper. Später wurde sie nach Karolinenhof verlegt, wo unter Leitung von Fritz Piper am 1. Oktober 1935 etwa 600 Zuchttiere gehalten wurden. (Ebenda, S. 76)

In dem Memorabilienbuch der Zarnekower Kirche, von Pastor Siegfried Barsch gesammelt, findet sich ein Text “Einiges von Land und Leuten im Kirchspiel Zarnekow”, von dem Prediger Adamy aus Krien zusammengestellt. Darin werden auch die zur Kirche gehörigen Ortschaften aufgelistet, u.a. Gnatzkowmühl 1759.

Der Viktoriahof, im 20. Jahrhundert wohl so genannt nach der jüngsten Tochter von Auguste Viktoria und Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen, wurde 1886 errichtet mit dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Stall und der um 1900 erbauten Scheune.

Ansichten des Mühlengehöfts
Der Viktoriahof, rechts das Wohnhaus, 1886 erbaut, dahinter aus dem 17. Jahrhundert der Stall und die Scheune, 1900 erbaut.

Der Weg heute

Heute ist das Gehöft wüst. Einzig die Grundmauern und die große Kastanie, die vor dem Wohnhaus stand, lassen dessen Standort erahnen. Es wurde nach der Wende von der Treuhand an einen Westdeutschen verkauft. Die letzten Besitzer erhielten den Zuschlag nicht, weil ihnen der Eigentumsnachweis abhanden gekommen war. Wahrscheinlich hatte dieser, als 1960 die Felder und Wiesen an die LPG abgegeben werden mussten, die Unterlagen, die ihn als Eigentümer des Hofes auswiesen, während der Versammlung den Verantwortlichen vor die Füße geworfen. Gleiches erzählte uns auch der Bewohner des ehemaligen Gutshauses. Einige Obstbäume wurden vom jetzigen Besitzer gepflanzt, von dem in der Gemeinde nichts bekannt ist.

Von der aus Buddenhagen stammenden Familie Buggenhagen – Alma und Friedrich, die zuletzt auf dem Viktoriahof gelebt hatte, leben von sieben Geschwistern noch zwei. Eine davon ist eine Karlsburgerin, die noch auf dem Gehöft geboren wurde. Nach ihren Erzählungen hat ihr Vater vor 1945 unter dem Grafen Fritz Ulrich von Bismarck-Bohlen in der von Förster Moderak betreuten Forst gearbeitet und nahm als Treiber an den gräflichen Jagden teil. Ein guter Schütze war er noch dazu. Von der Jagd brachte er dann auch Innereien mit.

Über die gräfliche Familie wusste sie aus Berichten ihrer Mutter, das die Gräfin sehr nett und hilfsbereit, der Graf dagegen eher introvertiert und zurückhaltend gewesen sein soll. So unterstützte die Gräfin die Familie nach der Geburt der jüngsten Tochter, indem sie eine Zudecke und Kissen zur Mühle brachte.

Die beiden Söhne, Theodor und Achaz, arbeiteten vor dem 2. Weltkrieg auf den Feldern des Gutes mit, sie sollen freundlich und fleißig gewesen sein und die gleichen Arbeiten verrichtet haben wie die Gutsangestellten und Arbeiter. Sie bedauerten diese, weil deren Häuser nicht so komfortabel mit Bädern ausgestattet waren wie das Schloss. Die Arbeiter wuschen sich im Hof mit kaltem Wasser.

In dem Fotoalbum der Eltern fand sich auf der ersten Seite ein Bild der Gräfin. Unter welchen Umständen die Mutter dies erhalten hat, konnte meine Gesprächspartnerin nicht sagen.

Auguste Viktoria von Bismarck-Bohlen, geborene von Falkenhayn

Das Leben der letzten Besitzer, die im August 1936 von Buddenhagen auf den abseits gelegenen Viktoriahof gezogen waren, war sehr beschwerlich. Um nach Steinfurth oder Karlsburg zu gelangen, mussten sie in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts weite Wege, die gerade mal von Pferdewagen befahren werden konnten, zu Fuß überwinden, denn über Fahrräder verfügte man nicht. Nach Ende des Krieges wurde einer dieser Wege sogar kurze Zeit von russischen Panzern (von Pamitz oder Wahlendow kommend) in Richtung Züssow befahren und entsprechend zugerichtet. Noch in den 80er Jahren bezeichneten die Leute diese Strecke, die hinter der alten Gärtnerei nach Steinfurth führt, als “Panzerweg”.

Der Lehrer der Schule, ein SA-Mann, der immer in seiner gelben Uniform lief und bei den Kindern besonders gefürchtet war, überbrachte die Nachricht von Tod des Bruders. Die schriftliche Information, dass er in einem Einzelgrab beerdigt worden sei, stellte sich später als Lüge heraus. Das erfuhren Buggenhagens von einem Freund aus Pamitz, der verwundet zurückgekehrt war und also den Krieg überlebt hatte. Er berichtete, dass über die Gefallenen Erde geworfen wurde, und sie mussten weiter marschieren.

Strom und fließendes Wasser gab es zunächst nicht. Petroleumlampen waren lange Zeit die einzige Lichtquelle, wenn es dunkel wurde. 1962 starb der Vater und die Tochter musste allein mit dem großen Anwesen fertig werden, da auch die Mutter krank war. Schweine, Schafe und Gänse waren schon abgeschafft, nur vier Kühe und Hühner waren noch vorhanden.

Der Vater war Mitglied der SPD und gar nicht einverstanden mit der Vereinigung von SPD und KPD. In der SED wollte er nicht Mitglied sein. Auch als 1960 die LPG gegründet wurde, sperrte er sich – wie so viele – dagegen. Zu der Versammlung nahm er die Unterlagen, die ihn als Eigentümer auswiesen, mit. Er scheint diese dem Versammlungsleiter vor die Füße geworfen zu haben. Zwei Jahre später starb er dann. Mutter und Tochter wohnten noch bis Oktober 1969 auf dem Gehöft, welches zur Mühle gehörte. Dann zogen sie in die Baracke hinter dem Friedhof, auch unter dem Namen “am Eselsteich” bekannt. Dort wurde auch die Hochzeit gefeiert. Einige Zeit später – 1970 erkrankte die Mutter schwer – erhielten sie dann eine Wohnung direkt in Karlsburg.

Der Werdegang dieser Karlsburgerin soll hier kurz geschildert werden. Als junges Mädchen arbeitete sie auf dem Hof ihres Vaters in der Landwirtschaft. Als dieser 1962 starb, musste sie die Verantwortung für das Anwesen übernehmen. Mit der Gründung des Instituts für Diabetes wuchs in ihr der Wunsch Krankenschwester zu werden. Da sie aber in der Landwirtschaft arbeitete, war es ihr nicht erlaubt, von dort so ohne weiteres wegzugehen und eine Lehre zu beginnen. Sie suchte sich dann eine Arbeit in Spremberg, wo sie am Fließband heiße, tropfnasse und schwere Baumwolle in eine Schleuder bugsieren musste, eine schwere Arbeit, die allerdings gut bezahlt wurde – 400 Mark.

Bis Anfang der 60er Jahre arbeiteten noch Krankenschwestern aus kirchlichen Einrichtungen in Karlsburg (vergleichbar mit den Diakonissinnen). Dann suchte man dringend staatlich ausgebildetes medizinisches Personal und sie kam nach Karlsburg zurück, arbeitete zunächst als Reinigungskraft, da war der Verdienst mit 180 Mark ungleich geringer. Nach kurzer Zeit begann sie dann ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Stralsund.

Sie arbeitete auf verschiedenen Stationen, schließlich musste sie von 1983-1984 noch die Fachschwester für Dialyse und Nierentransplantation ablegen. Also setzte sie sich nochmals ein Jahr lang auf die Schulbank und schloss in Rostock diese Ausbildung ebenfalls erfolgreich ab. 1986 wurde sie krank und musste ihre Arbeit auf der Dialysestation aufgeben. Von da an arbeitete sie auf anderen Stationen.

Heute engagiert sie sich in der Kirchgemeinde Zarnekow, besucht die Gemeindemitglieder zu deren Geburtstagen.